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Bachelorette, Das Finale: "Hey! Wahnsinn! Mülleimer!"

Habemus Liebe! 7 Wochen, 20 Männer, 1 Goldfisch und 3 Hektoliter gegurgelter Amarula: Die Dschessie ist happy - und wir auch. Es ist geschafft.


Bachelorette, Das Finale: "Hey! Wahnsinn! Mülleimer!"

David und Dschess am Morgen danach: Das Make-up hält

© RTL

Jaaaaaaaaa! Jaaaaa! JAAAAAAAAAAAAAAAA! Sorry, wenn euch unser begeisterter Schrei von Wien-Wieden bis nach Kleinheinrichschlag aus den Bettchen gerissen hat, aber wir waren glatt ein bisschen aufgeregt.

Was uns so in Verzückung versetzt, fragt ihr? Sie ist endlich da, die Romantik, da zirkuliert die Luft, da sprühen die Funken, da steigen die Tränen ins Auge. In der letzten Folge von, äh, Dings, "Die Bachelorette": Habemus Liebe! (Oder wie man den oxytocinvernebelten Zustand nach etwas Fummelaction auf random in die Pampa gestellten und mit Rosenblättern dekorierten Liegewiesen sonst bezeichnen mag).

Johannes fischt den Brazilian Butt

Aber bringen wir es hinter uns. Erzählen wir einfach, was im Finale von "Die Bachelorette" passiert ist. Auch wenn es überschaubar spannend ist, Menschen beim Knutschen zuzusehen. Oder beim Stammeln zuzuhören. Womit die letzte Folge eigentlich auch schon recht treffend zusammengefasst wäre: Knutschen und Stammeln.

Die "Dreamdates" stehen an. Also jene TV-Stunde, in der das RTL eine Klimabilanz produziert, eingedenk derer sich Donald Trump glatt doch wieder ins Pariser Abkommen rein klamüsern würde. Andalusien, Mauritius, Südafrika. Dreimal Beach und Meer, aber Kinder: Es sind Nuancen, die versteht ihr als Laien einfach nicht. Außerdem: Der Aufnahmeleiter, der hat sich die exotischen Kurz-Trips um den Globus in zwei Wochen quasi als Schmerzensgeld ins Kleingedruckte schreiben lassen.

Und kann man es ihm verdenken? Jetzt etwa muss er dem schwäbelnden Streifenhörnchen Johannes dabei zuhören, wie der schon wieder puren Buchstaben-Sex versprüht: "Wahnsinn", "hey", "Hammer" oder "mega" , wesentlich mehr ist aus dem blondierten Stammelgeck auch auf Mauritius und mit drei Gläsern Prosecco beim besten Willen nicht rauszuquetschen.

Also ab unter Wasser, da kann er nicht quatschen, die Sendezeit zwischen den Werbeblöcken muss ja irgendwie gefüllt werden, und außerdem muss jetzt schnell mal ein wenig Drama, Drama, ja ... pfuh, Drama, wofindetmanschnelleinbisserldramawennmanesdringendbraucht, achja, Bingo! Die Dschess muss sich ihrer größten Angst stellen. Fische. Die fiesen Nemos lauern da in zwei Meter Tiefe im indischen Ozean.

"Oh mein Gott, oh mein Gott, die Fische sind ganz schön nah!" paraphrasiert die "Bachelorette" quiekend ihre drehbuchkonforme Psychoschrulle. Dabei grundelt da unten wesentlich Schrecklicheres: Der berüchtigte Biene-Maja-Seetang, der seine krautigen Griffel nun nach dem "Brazilian Butt" der Dschessie reckt, obwohl oder eben weil es sich im Gegensatz zum Heil- und Steinbutt hierbei ganz augenscheinlich nicht um einen Plattfisch handelt.

Under the Sea, Darling it's better, down where it's wetter. Vor allem aber stiller.

Dann simuliert der Johannes unterm Helmi-Helm noch mit einer von RTL dramaturgisch gewitzt im mauritanischen Meer platzierten Deko-Muschel einen Heiratsantrag, aber leider hat auch dieser Spaß bald mal ein Ende und die beiden Hirneinzeller verlassen die Ursuppe erneut Richtung Land.

Bedeutet: Sie müssen leider wieder sprechen. "Der Johannes ist so ein Typ Mann, der alles kann," sagt die "Bachelorette". "Ich schaue zu ihm auf, ich kann was von ihm lernen."

Sollte es euch unglaublicher Weise entgangen sein, erklärt die Dschessie dem Johannes, dass er tatsächlich einmal etwas "sehr Weises" zu ihr gesagt haben soll: "Jeder verfolgt sein Ziel – aber beide verfolgen ein Ziel", zitiert sie den vermeintlichen Tiefgang-Sager und forscht nach: "Was ist DEIN Ziel?"

Äh, äh, äh! Imaginäres Fingerschnippen, Frau Lehrer, Frau Lehrer, wir kennen die Antwort: Ein bisserl Schackalackadingdong, ein wenig Knuschperkruschpeln, eine Runde Free the Willy-Spielen!

Deshalb hält der Johannes lieber die Plapper und legt der Dschess schnell seinen Zungenlappen auf die Weisheitszähne, mega, isch hammer, wahnschinn, einfasch abgefahren, oder wie die "Bachelorette" formuliert: "Wenn Johannes bei mir ist, passiert irgendwas in meinem Körper."

Bei uns auch, bei uns auch. Das Abend-Leckerli dreht sich soeben dreimal durch die Darmgewinde, ein saurer Geschmack bildet sich im Mund... schnell weiter zu David.

Johannes umkarpft die Lippen der "Bachelorette", Bilder zum Verdrängen

Verdammt, die mögen sich!

David, der normalste aller Kandidaten, das nasenberingte Herzerl-Emoji, der Liebling der Zuschauerinnen - zumindest solange sich diese nicht eingehender mit den Texten von Davids Band "Eskimo Callboy" auseinandersetzen: "Look me in the eyes while I rip you apart. I need a hole from your cunt to your heart," wie es etwa in den Lyrics zum Titel "Pitch please" heißt.

Wir übersetzen das aus Rücksicht auf eure zarten Gefühle jetzt einfach nicht, außerdem "looked" der Essie David in Südafrika gerade der Dschessie sternäugelig durch den Schlitz im Wimpernteppich und - verdammt! - selbst der abgebrühteste und kaltherzigste Trash-Suderant muss anerkennen: Die mögen sich!

Die 3 D: David, Dschess und Dickhäuter

Da stört es dann auch gar nicht, dass die beiden auf Safaritour möglichst dümmlich um die Tierwelt herumdisneysieren, (Antilopen = Hörner in Herzform, Warzenschweine = allesamt kleine "Pumbaas"), weil man tatsächlich ein klein wenig gerührt ist, wie die sich immer wieder antatscheln und busserln und lachen, fast völlig frei von den sonst gewohnten gequält-banalen Füller-Stelzsätzen aus der Rosamunde Pilcher-Restekiste.

Zackbumms, in die Heia, drei kleine Eskimos produziert, aus die Maus.

Dummerweise ist es zu diesem Zeitpunkt gerade einmal die Hälfte der zwei Stunden Sendezeit vergangen. Einer muss also noch durch die Schenkelpresse.

Creepy Nik buchstabiert einen Brief

"Ich brauche einen Mann mit einer starken Schulter, an der ich wachsen kann," sagt die Bachelorette. Und was biegt über die Sanddüne nördlich hinter Kapstadt? Niklas, der Mann mit der abfallenden Schulter und dem creepy Blick, bei dem sogar der resistenteste Kaktus vor Panik schrumpelt.

Aber für eine kolportierte Gage von 110.000,- Euro kann man sich nach Abschluss der Dreharbeiten schon eine Zeit lang Personenschutz leisten. Weshalb die Dschessie alle Vorsicht über Bord wirft und dem gruseligen Superstarrer erst mit ihren Brüsten an die Brüstung des Inifinity-Pools tackert und ihm dann – brrrrrrrrrrr - sogar die Lippen auf die Lippen presst.

Schauder! Schauder! Schauder!

"Vom Kopf bis zu den Füßen und den Beinen hab ich alles gespürt," beschreibt das Psycho-Nik. Doch er wäre nicht der spookyste Dater der Welt, wenn er seiner seit knapp sieben Wochen Angebeteten nicht sofort wieder drohen würde: "Ich würde dich hier und heute heiraten." Damit sie das nicht gleich wieder verdrängt, gibt er es ihr auch noch schriftlich: "Du bist eine starke Frau, die einen starken Mann braucht. Ich spüre Angst, Verlust, Freude und Zukunftsplanung. Ich denke jeden Tag an dich."

Da ist er wieder, der Blick

Weshalb der Typ, dessen Hautfarbe porengenau denselben Ton wie Fischstäbchenpanade hat, zuhause auch eine Collage mit Fotos und Zeitungsschnippseln über die Dschess an die Wand getackert hat, die er täglich durch mit schwarzem Edding gekritzelte und auch inhaltlich ultradarke Botschaften erweitert... Gänsehaut-Feeling, man verspürt es plötzlich nicht mehr nur bei DSDS.

"Ich bin mir nicht sicher, wie ich das alles durchstehe," sagt die Dschess, und hej: Wir, wir fühlen ehrlich mit ihr.

Natürlich muss der raus. Er bekommt keine Rose. Darauf will der Niklas nicht mehr mit der Dschessie reden, macht es dann aber doch und schiebt ihr erneut einen Grusel-Sager unter: "Ich sag dir das nur: Ich ziehe meine Schlüsse daraus!"

Sprach's und rauscht beleidigt ab, weil er jetzt die Wandcollage im osnabrück'schen Reihenhaus mit Buttermessern in kleine Fetzchen hacken, sich mit der Sticknadel seiner Mama das Konterfei der Rosenkavaleuse auf den letzten untätowierten Fleck seines Körpers ritzen und eine dornengespickte Voodoo-Puppe pfriemeln muss, aber: Personenschutz und Unterlassungsklage, no worries.

"Hast du meine Tochter geküsst?"

Papa und Mama Bachelorette: Ein Paar wie aus "Hart aber herzlich"

Es bleibt: Immer noch eine satte halbe Stunde.

Auftritt der "Bachelorette"-Eltern, die aufrichtig Freude an der vermeintlichen Popularität ihrer Tochter versprühen. "So schön wohnt mein Kind," sagt Mama Dschess, als sie mit Papa Dschess im rosa-yellow-pastelligen "Hart aber herzlich"-Gedächtnislook die RTL-Kulisse in Marbella betritt. Der Vater macht den "Jonathan Hart": "Ich will wissen: Wie stabil sind die Jungs, was können sie meiner Tochter bieten." Leider oder eher Gott sei Dank hat keiner der beiden Rest-Kandidaten spontan seinen Gehaltsauszug bei sich.

Also harmloses Kreuzverhör, am Ende würden die Eltern beide nehmen, sind ja zwei Hübsche und außerdem ist das Kind dann endlich aus dem Haus.

Aber das sehen die Spielregeln so nicht vor und außerdem ist die Sache ohnedies geritzt. Weshalb wir euch die wichtigsten Fragen der nun folgenden und dank Rückblenden der an Highlights schrecklich armen Staffel elendslang gestreckten 20 Minuten bis zur letzten Rosen-Vergabe im Schnelldurchlauf zusammenfassen:

  • Warum trägt die "Bachelorette" für das "große Finale" den absolut geschmacklosesten Fummel der ganzen Staffel: Einen vom Stylisten aus Gardinenresten (unten) und Gummibändern (oben) ärmlich zusammengetackerten Mode-Alb?
  • War es derselbe Fashion-Verbrecher, der auch den Augenkrebs verursachenden, weil wie ein Castor-Transport strahlenden, weißen Anzug nebst güldener Krawatte für Johannes aus der Let's Dance -Wühlkiste gefischt hat?
  • Wie viele RTL-Mitarbeiter werden beschäftigt, damit die Deko-Kerzenallee Richtung Rosenvergabe-Pult während der künstlich gedehnten Zeremonie nicht wachsweich in den Pool zerfließen?
  • Warum dieses Gerede von "Spannungen", "Erfahrungen", "Erlebnissen" und "alles wurde intensiver", weil sich "Gefühle aufgebaut haben" in dieser Sendung? Wobei: Auch bei uns haben sich in diesem Finale Gefühle aufgebaut. Die gleichen, wie wenn unser Lieblings-Heel im U-Bahn-Gitter steckenbleibt.
  • Wurden Johannes' Hirnsynapsen durch den finalen Weisel ("Ich habe mich nicht in dich verliebt!") auf einmal kurzgeschlossen, oder warum formuliert er ausgerechnet jetzt, wenn es längst zu spät ist, den ersten geraden und sinnstiftenden Satz: "Ich fühle mich wie ein Mülleimer. Unsortiert."?

Der schönste Satz des Abends gebührt dann David. "Und was machen wir jetzt?" , fragt die "Bachelorette", nachdem die letzte Rose vergeben, gebührend geküsst und die Sprühkerzen bewundert wurden. "Wir gehen."

Wir gehen auch. Auf Urlaub. Nicht ohne euch ein Paparazzi-Foto der jungen Liebe zu hinterlassen, geschossen heute morgen von einer WOMAN-Kollegin auf Köln-Besuch: Dschess und David samt Management-Entourage auf Liebes-PR-Tour. Gehabt euch wohl!