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Bachelorette, Folge 2: "Tja, dann können wir jetzt trinken!"

17 Dumpf-Dümpel, 1 Frau und ihre Schnittblumen: In Folge 2 der "Bachelorette" sollte es sinnlich werden. Naja. Das Casting-Personal hatte andere Pläne.


Bachelorette, Folge 2: "Tja, dann können wir jetzt trinken!"

17 Mal Muskel-Proll mit Tattoos

© MG RTL

Das RTL hatte einen gefinkelten Plan: Wenn man das Personal der diesjährigen Spielzeit von "Tinder - Das Musical" unter dem Motto "Shades of Grey" (Bachelorette: "Vielleicht finde ich hier meinen Mr. Grey." – Also einen Psycho, der mir ordentlich den Brazilian Butt versohlt!) zum spontanen dirty talking auffordert, dann muss da doch was Knistriges rauskommen. MUSS. Irgendwas!

Stattdessen legt der"Bachelorette"-Aufnahmeleiter am Ende dieses harten Tages im Camp Sodumm und Gonorrhoe müde sein Script beiseite und beschließt, im zweiten Bildungsweg lieber doch was Anständiges zu lernen. Denn so unbeholfen wie das diesjährige Männermaterial hat sich in diesem Format in Liebesdingen wohl noch niemand angestellt (und das heißt einiges). Kostprobe gefällig?

Bachelorette: “Habt ihr schon mal was Verbotenes auf einem Boot gemacht?”

Domenico: “Ich hab geangelt ohne Angelschein.”

Da ist es fast erstaunlich, dass bei diesem Gruppendate auf einem Segelboot wirklich nur Dr. Manuel in den Sektkübel reihern will. Doch wenn man glaubt, es könnte nicht schlimmer werden, beginnt die Bachelorette wieder mit ihren Fragen: "Sprecht ihr in Beziehungen offen über eure Vorlieben?" - "Ja. Aber schon mit g'scheite Respekt vor die Frauen."

Zum "Mr. Grey" kürt die Bacheloretteuse dann folgerichtig den Muskel-Monchichi, der während des Gruppen-Dates den Lutsch-Daumen nicht aus dem Mund genommen, also geschwiegen hat: Arnold, einen wirklich ausgesprochen knuffigen Dümsel in distress.

Er braucht "Bussi, Bussi" und "Kuscheln" in einer Beziehung und ist vollauf zufrieden damit, die "Bachelorette" weiter mit wortlosem Staunemündchen zu bewundern (ungeachtet ihres dezenten Hinweis mit der Brechstange, er müsse ihr schon auch mal das Gefühl geben, sie wirklich kennenlernen zu wollen). Einen sinnvollen Satz von sich geben – warum denn auch? Wer so viel Zeit darauf verwendet, seine Tolle aus dem Gesicht zu streichen, der kann sich nicht mit solchen Nebensächlichkeiten abgeben.

Dieser Arnold. Der lässt mit seinem leeren Kuscheltier-Blick unsere von Alterszynismus längst verhärteten Schwammherzen tatsächlich ein wenig aufquellen.

Den anderen Teilnehmern wiederum kann man nur dringend raten: Strengt Euch an, dieses Ding, äh, also das Herz von Dschessie zu gewinnen. So kann das ja nicht weitergehen.

Speeddating: "Soll ich ihn gleich rausholen?"

Schlaffi-Villa de luxe

Nehmen wir das Speeddating. Da sollen die Männer der "Bachelorette" in drei Minuten erklären, welcher Moment der bewegendste in ihrem Leben war und was sie mit einem Gegenstand, den sie mitbringen mussten, verbinden. Während wir noch grübeln, wie die alle ihre Lieblings-Hantel ins Handgepäck schmuggeln konnten, packen die Gimpel lieber die ersten Kalauer aus. “Soll ich ihn gleich rausholen?” , fragt Andre.“Ich leg ihn dann auf den Tisch.”

Ein Knaller! Die restlichen Kandidaten, von RTL zwecks Erhöhung des Peinlichkeitsfaktors zu Zeugen der anderen Speeddates verdammt, kringeln sich – so spätpubertär als hätten sie einen 6er-Pack Red Bull geext – auf dem Sofa. Der "Bachelorette" bleibt nichts anderes übrig, als übersprungshandlungsartig ebenfalls nervös zu kichern. "Nee, du, lustig, wah?!"

Auf ähnlichem Rasantheitsgrad brabbeln sich auch die 16 anderen Heinis durch die diversen Höllenkreise der Drögheit. Kette von den Eltern, Armband von der Schwester – sogar einen Rosenkranz hat einer in den Sündenpfuhl Marbella geschafft. Einer bezeichnet einen Sonnenaufgang als "bewegendstes Ereignis seines Lebens."

“Die ham das alle recht gut gemacht,” bewertet die Dschessie mit ihrer kindergartenpädagoginnenhaftesten Stimme die schauerliche Minderleistung. Ja. Gut ham se das gemacht. Brav, Brauner, brrr.

Niklas: "Ich geh doch nicht mit einer Leiche im Keller in eine Beziehung."

Dass es immer noch schlechter geht, erfährt die "Bachelorette" dann beim Einzeldate mit Niklas.

Niklas hat eine dunkle Seite. Er sammelt Schuhe.

Der führt eindrucksvoll vor, wie man so ein Rendezvous mal eben tüchtig in den Sand setzen kann. Kaum ist er mit Dschessie in der Schokoladenfabrik, kramt er seinen Ausweis aus der skinny Jeans. Er war mal dick, 35 Kilo plus, das muss die "Bachelorette" jetzt dringend ganz schnell wissen.

"Nein!" ruft die und schiebt sich flugs empathisch die Schoki hinter die Kiemen, derweil Niklas nix anderes übrig bleibt, als an einer winzigen Rippe Extra-Bitter zu mümmeln, während seine satsuma-eske Gesichtsfarbe eingedenk der am nächsten Tag anstehenden Proteinshake-Diät immer mehr verblasst.

Sogar nach zwei Flaschen Rioja wird es zwischen den Beiden nicht wesentlich heißer als in meiner Tiefkühltruhe. Dabei bemüht sich die "Bachelorette" wirklich redlich, so was wie eine dunkle Seite aus Niklas rauszukitzeln. Aber mehr als dass er schuh-süchtig ist fällt dem dann leider auch nicht ein.

Selbst als die "Bachelorette" dem mittlerweile vermutlich verzweifelt seine Beißschiene zermalmenden Aufnahmeleiter zuliebe nochmal zur verbalen Sexelei anhebt, erstickt Niklas diesen Versuch – zack-bäm – im Keim: "Keine Sorge: Ich würde nicht versuchen, dich zu küssen. Ich würde auch nicht bei dir schlafen wollen."

Lieber Niklas, nochmal langsam zum Mitschreiben: Knutschen, knattern, Liebe heucheln. DAS ist das ärmliche dramaturgische Gerüst dieser Sendung. Aber gut. Nächste Woche, neuer Versuch.

Was sonst so geschah:

Domenico lambadat an der Bachelorette herum

RAUS SIND: 3 Typen, die nie ein Wort gesagt haben und deren Namen man sich nicht mal merken konnte. Wir haben sie für euch rausgesucht: Jens, der Feuerwehrmann. Martin, Muskelproll mit Tattoos (okay, das könnte jeder von ihnen sein). Und Michael, Vater dreier Kinder, der aus unerfindlichen Gründen ständig seine Brille verlegt hat und die "Bachelorette" deshalb nur erschnuppern konnte.

BESTE ZITATE:

  • Domenico, der Dschessie "mit seinen Blicken fangen will."
  • Marco (ihr erinnert euch, Folge 1: "Optik wie n' Model, Charaker wie ne Dicke!"): "Das dauert noch, bis da einer ran darf."
  • Der goldene Pokal geht aber an Schlagzeuger David, der nach dem Einzeldate die wahrhaftigsten Worte dieser Staffel stammelt: "Dass einen eine Frau so braindead machen kann – unglaublich."