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Bachelorette, Folge 6: "Ich würd die Dschessie gerne küssen!"

Auf einem Jahrmarkt gibt es das beste Dream-Date der Staffel. Natürlich nicht involviert: Die "Bachelorette". Die hat mit anderen Problemen zu kämpfen.


Bachelorette, Folge 6: "Ich würd die Dschessie gerne küssen!"

Die Dschessie und der Basti: "Ich muss sterben," sagt sie

© RTL

Wir verraten euch jetzt was, und bitte werft euch nicht gleich japsend von den Zuschauer-Sofas: Der David wird's.

Bei dieser Analyse verlassen wir uns übrigens nicht auf die hochinteressanten Ergebnisse einer investigativen Fact Finding-Mission unserer Kollegen von der deutschen In Touch , die akribisch mitgezählt haben, welcher der bis zu Folge 6 verbliebenen Kandidaten die aufschlussreichen Instagram-Postings der "Bachelorette" (#follow #my #heart) am häufigsten liked (David nämlich).

Nein, es ist unser in seit der Erst-Ausstrahlung von "Der Bachelor" exakt 14 Jahren angesammeltes Wissen über den Verlauf dieses soziologischen RTL-Experiments, in dem Menschen zusammenfinden müssen, ganz ohne dem Hirngespinst der romantischen Liebe nachzutapsen, nur mit etwas antrainierter Liebesblödigkeit und umflort von reichlich Kitschtrara.

Am Schluss gewinnt immer der, bei dem nach Ablauf der Dreharbeiten und dem damit einhergehenden Ende der "Beziehung" der wenigste Stress zu erwarten ist. David also.

Man könnte die Sache ergo gleich abkürzen.

Aber Fernsehen bringt nun mal Geld, viel Geld. Deshalb kann nicht zack-bumms einfach Schluss sein, auch wenn die Sache längst geritzt ist. Da muss tüchtig Sendezeit für Haupt-Sponsor Fiat 500 geschunden werden, während die "Bachelorette" in den wenigen Minuten, die neben ihren ausgedehnten Autofahrten durch die deutsche Provinz noch bleiben, weiterhin tapfer mit den restlichen Nervkröterichen zwischenmenschliche Anziehung laienschauspielern muss.

Aber gut. Bringen wir es hinter uns. Willkommen in der vorletzten Folge der "Bachelorette".

Dschessie und der Gewinner verspüren ein "Gefühl der Freiheit"

Das Ringerlspiel mit Anfassen

Es beginnt am Rummel. "Ein Mädchentraum!" sagt die Dschessie. "Wird sie im Liebeskarussell den Mann ihres Lebens finden?" holt der Off-Sprecher die Banalitätskeule raus.

Riesenradfahren mit David. "Ein Gefühl der Freiheit." Riesenradfahren mit Sebastian. "Ach du Kacke, jetzt geht's auch noch rückwärts, ich scheiß mich an." Ringelspiel mit Niklas. Der schaut die "Bachelorette" immer irgendwie so aggro an. Findet sie. "Ich habe Ecken und Kanten," erklärt er das. Davon würde er ihr gerne mehr zeigen, wenn er nur einmal Zeit mit ihr alleine hätte. Der starre Blick und diese dezente Tendenz zum Klammern: Die Unterlassungsklage, sich der "Bachelorette" auf höchstens 134 Kilometer nähern zu dürfen, ist nur mehr eine Frage der Zeit. Brrrrr. Gänsehaut-Feeling, selten war diese Bezeichnung zutreffender.

Nik wirft der "Bachelorette" einen seiner gefürchteten Blicke zu

Wesentlich herzerwärmender ist, was sich nebenan zuträgt. Der hessische Italian Schtällion Domenico und der Überlinger Pomadinger Johannes fahren im Kreis Auto-Scooter. Und im Kreis Eisenbahn. Nochmals, ringel-rei und eijeijei. Es ist, man will es kaum glauben, ein echtes Dream-Date – und wer hat schließlich jemals festgelegt, dass da immer die "Bachelorette" involviert sein muss?

Eigentlich könnten wir aufhören zu schreiben. Es ist Liebe.

Nächster Programmpunkt: Ein Brautkleid für die "Bachelorette" aussuchen. Kürzen wir ab: Sebastian griffelt sich das schönste Kleid, in dem sich die Dschessie, hört das denn nie auf, natürlich "wie eine Prinzessin fühlt" . Deshalb darf er mit ihr für eine Reihe ziemlich grausamer Hochzeitsbilder posieren. Klingt irre? Ist es auch. Sogar der "Bachelorette" fällt dazu wenig mehr ein als: "Ich dreh durch, ich sterbe gleich!"

Mit ordentlich Insta-Filter ist da vielleicht noch etwas Gefühl herzustellen

Tut sie aber dann doch nicht, denn zuerst muss sie noch den Domenico nach Hause schicken. Der ahnt zunächst nix davon, weil am Tisch hat er mit der "Bachelorette" und den drei anderen Dumpfdümpeln ein"intensivesch Gespräsch, jeder hat geredet, jeder hat zugehört" und ortet sogar reichlich Verbundenheit mit der Dschessie (beide versichern einander im Dreifach-Loop, dass es toootal schön ist, Dinge gemeinsam zu erleben). Nur leider enden die Gemeinsamkeiten für sie da auch schon. Es kommt ein silberner Teller, der Kellner hebt den Deckel, keine Rose drunter, der Hessen-Hengst ist raus. Domenico sagt: "Dasch masch misch traurig. Isch mag disch sehr" , die Bachelorette: "Danke schön." Und Tschau mit Au.

"Die isch ja live no hübscha!"

Womit wir schon mit der Hälfte durch wären. Es folgt der Besuch bei den Eltern. Immer ein Quell des nie enden wollenden Schreckens in diesem Format, das sich Unterhaltungsshow nennt.

Den Auftakt machen die Erzeuger von Johannes. Meister Schlickfrisur und seine Familie treffen die "Bachelorette" im Yachtclub am Bodensee. "Hoffentlich ist sie kein Püppchen, so a Hollywood-Schau," meint Vater Karl-Heinz im Vorfeld. Nach ein wenig extrasteifem Small Talk und unter Zuhilfenahme von drei geexten Flaschen Prosecco ist er überzeugt: "Einfach der Hammer. Kann man nicht toppen. Gigantisch die Frau!" Noch etwas später versteift er sich auf eine gewagte Prognose: "Das wird ein Traumpaar."

Aber er sieht ja auch nicht, was wir jetzt gleich sehen müssen. Denn kaum ist die Familie inklusive der erfrischend skeptischen Oma ("Ich finds komisch, wenn sich eine so junge Frau mit so vielen Männern …") endlich vom Boot geschubst, stellt der Johannes mit der Dschessie auf einem Segeltuch diverse klassische griechisch-römische Ringerpositionen nach. Sobald die "Bachelorette" im Hebelgriff wehrlos festgetackert ist, schiebt er ihr schnell seinen Speichellappen zwischen die Lippen.

"Ich habe das Gefühl, dass er mich auffressen will," sagt die "Bachelorette" – und wir? Der halbverdaute Mikrowellen-Tassenkuchen klopft an unsere Gurgel, wir spülen schnell mit Amarula nach, alles wird gut. Bestimmt.

"Ich steh auf dich, du bist voll mein Ding"

Aber sicher nicht mit Sebastian. Der XL-Stiefbruder von Lionel Messi will der "Bachelorette" bei seinem Home-Date einen "Einblick in mein Leben geben. Was ich so mache, was ich so kann." Also Basketballkörbe in einem Großstadt-Käfig versenken. Toll. Könnte man eigentlich fast schon das Hochzeitsaufgebot bestellen. Die "Bachelorette" jedenfalls tut brav begeistert und versucht sogar, Bastis bestem Freund Benny (Typ Muskelzwerg mit Ganzkörper-Peckung) ein paar Silben zu entlocken. Mehr als "Der Basti sucht eine Freundin" ist da aber auch nicht zu holen.

Besser weiter zur Mama Messi. Ihr Sohn sei "speziell" , meint die, normalerweise die liebevolle Umschreibung von "Die Brut ist ein Vollhonk" , versteht sich aber oder vielleicht auch deshalb formidabel mit der "Bachelorette", weshalb die beiden Frauen bestimmt Nummern tauschen und auch nach der Sendung Käffchen trinken, während der Sohn die Nummer erwartungsgemäß komplett versemmelt.

"Ich steh auf dich, du bist voll mein Ding," räuspert er der "Bachelorette" ins Gesicht und massiert sich dabei die Gesichtsbehaarung. Offenbar hängt da noch ein Teil des Mittagessen, küssen ist jedenfalls nicht drin.

Ein eiskaltes Händchen im Nacken

So. Niklas. Wir ziehen die Kuscheldecke enger an den Körper. Der Meister Psycho-Propper, der Mann mit der zwanghaften Hemdknopfallergie und der DJ Ötzi-Gedächtnismütze. Der Mann, der die "Bachelorette" allein mit seinen Blicken in die Knie zwingen will. Der Mann, der schon die Krätze kriegt, wenn die Dschess mit einem Anderen im Ringelspiel sitzt.

In Osnabrück hat er seine gesamte Familie in den Kleingarten genötigt, sogar die 7jährige Nichte und ein wehrloser Säugling müssen zur Beweisführung seiner Partnerschaftstauglichkeit ("Ich. Bin. Kinderlieb.") herhalten. Und sonst so?

  • "Ich werde für dich kochen. Aber ich bleibe ein Mann."
  • "Ich will Kinder haben. Aber ich bleibe ein Mann."
  • "Ich will dir das Leben bieten, das du verdienst."

Dann droht Psycho-Nik auch noch damit, die "Bachelorette" immer zu stalken ... äh .. zu schützen, und schon ist die schmierfähig wie Gouda-Käse, der seit zwei Tagen in der Sonne liegt. Niklas verwechselt die Tränen der Verzweiflung allerdings mit echter Zuneigung und grapscht sich den Nacken der "Bachelorette". Küsschen! Jetzt! Bettelt er mit den Augen und als das nix bringt zieht er an ihrem Hinterkopf und zieht und zieht – doch die "Dschessie" versteift und rückt nicht einen Millimeter näher. "Ich muss jetzt wirklich gehen," ergreift sie die Flucht. "WIRKLICH!"

Emo-Frise und ein 6er-Tragler

Flugs in die Arme von David. Dem Auserwählten. Der ist ja auch lieb. Nie werden wir vergessen, wie der Schlagzeuger uns bereits in der Auftaktfolge an seinem Innenleben teilhaben ließ: “Alter. Ich hab gerülpst und es stinkt nach Schinken.” Diesmal gibt es Krautrouladen. Aber wer ein Date mit Niklas durchgestanden hat, den kann auch ein wenig Kohl-Furz nicht mehr umbringen.

Weil der Mann - genau wie die Dschessie – nur wegen der Liebe in der Sendung ist, führt er sie kurz mal vor eine Schrankwand mit Band-Memorabilia, goldene Schallplatte und so ein Zeugs. Ein wenig später klingeln noch seine Musik-Kollegen, Emo-Frisen, 6er-Tragler Bier und Band-Shirts. Aber nicht, dass ihr denkt, dem David ginge es hier um schnöde Promo-Arbeit. Er will der "Bachelorette" nur klar machen, dass Musiker nicht so sind, wie man denkt. Wie sie wirklich sind, das wissen wir zwar jetzt auch nicht mehr, aber Davids Band, die heißt jedenfalls "Eskimo Callboy".

Am Ende fliegt dann Sebastian. "Er konnte seine Gefühle leider nicht zulassen," meint die Bachelorette. Leider waren da nie welche.

Sie freut sich jedenfalls auf die Dream-Dates mit David, Niklas und Johannes. "Alle diese Männer haben etwas Besonderes." Da hat sie uns schon wieder was voraus. Wir finden an denen nämlich nix besonders.