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Vielleicht sind ja Bakterien an deiner Laune schuld

Dass unser Gehirn auf unsere Verdauung einwirken kann, ist bekannt - denke nur mal an das Gefühl vor einer Prüfung oder einem Vorstellungsgespräch. Dass das Verdauungssystem umgekehrt auch unser Gehirn beeinflusst? Ein anderes, und vor allem neues Thema!

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Vielleicht sind ja Bakterien an deiner Laune schuld
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Das allgemeine Verständnis lautet folgendermaßen: Unser Verstand, die Gedanken, unsere Emotionen machen uns erst wirklich menschlich. Ein neues (nicht ganz unkontroverses) Konzept besagt jetzt aber, dass Darmbakterien, die sich bisher eher für unsere physische Gesundheit verantwortlich zeigen, mehr oder weniger unbemerkt auch an unserem Gehirn herumpfuschen können.

Wissenschaftlicher ausgedrückt: Die Bakterien in unserem Darm sollen beispielsweise durch Veränderung des Säurehaushalts unseres Körpers, unsere Blut-Gehirn-Schranke regulieren können – also mitbestimmen, welche Substanzen direkt auf unsere Nervenzellen treffen dürfen.

Was das für uns bedeutet?

Eine Studie aus dem Jahr 2013 zeigte, dass Darmbakterien zum Beispiel auf die Verarbeitung von Tryptophan einwirken können. Aus Tryptophan werden das Glückshormon Serotonin und das Tag-Nacht-Hormon Melatonin hergestellt. Es kann aber stattdessen auch zum entzündungsfördernden Kynurenin verarbeitet werden: Entzündung statt Glück und stabilem Schlaf-Wach-Rhythmus. Stimmt das, könnte der Darm und seine Bewohner auch bei Depressionen mitreden.

Eine Studie, die dieses Konzept nun weiter befeuerte, wurde erst dieses Jahr in Japan an der Kyushu Universität durchgeführt. Dort wurde getestet, ob die Darmbakterien einer an Depressionen erkrankten Person ähnliche Krankheitssymptome bei anderen auslösen könnten. Es wurde an Mäusen getestet, die Ergebnisse waren aber eindeutig: Sieben Mäuse erhielten die Bakterien einer Patientin, die unter Ängsten und Depressionen litt. Acht weitere Mäuse erhielten die Bakterien einer gesunden Studienteilnehmerin. Die Depressionen und Ängste wurden mit der Bakterienkolonie übertragen. Zum selben Ergebnis kamen sie bei bipolaren Störungen: Übertug man die Bakterien, übertrug man gleichzeitig auch das Verhalten. In Zukunft will man das ins Positive ummünzen.

Was ein bisschen sehr nach Black Mirror klingt, könnte aber bald gängige Praxis sein. Weitere Studien sollen nun klären, ob Darmbakterien als messbare Anzeichen für eine Depressionserkrankung dienen können. Noch ist auch unklar, wie weitverbreitet diese Zusammenhänge bei Patienten mit Depressionen sind.

Was bis dahin auf keinen Fall schaden kann: Die "guten" Darmkulturen zu hegen und zu pflegen. Wie? Die Antwort liest sich wie fast jeder medizinische Rat, was unsere Gesundheit anbelangt: weniger Stress, ein geregeltes Leben, Bewegung, ausreichend guter Schlaf und gute Ernährung mit frischer, ballaststoffreicher Nahrung, wenig Zucker und Fett. So können vermutlich keine Depressionen geheilt werden, aber zumindest der Darm und somit auch die Psyche eventuell stabilisiert werden.

Der Darm beeinflusst übrigens auch deine Menstruation!