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Barbara van Melle im WOMAN-Talk: „Wahrer Luxus ist die Reduktion auf das Wesentliche!“

Wenn dem Kochen und Essen keine Zeit mehr gewidmet wird, geht viel Genuss verloren. Dagegen tritt die Slow Food-Bewegung seit mittlerweile 25 Jahren an. 1986 von Carlo Petrini im italienischen Bra im Piemont gegründet, hat sie sich den Genuss und eine bewusste Lebensführung auf ihre Fahnen geschrieben. Der Hektik des Alltags soll ein langsamer, bewusster Lebensstil entgegengesetzt werden. Mittlerweile ist Slow Food in über 140 Ländern auf der ganzen Welt aktiv und hat mehr als 100.000 Mitglieder. Derwichtigste Grundsatz ist, dass alle Lebensmittel gut, sauber und fair produziert sein sollen.


Barbara van Melle im WOMAN-Talk: „Wahrer Luxus ist die Reduktion auf das Wesentliche!“
© Lukas Ilgner

Denn nur aus guten Produkten kann schmackhaftes Essen bereitet werden, dass auch nicht auf das Gewissen drückt. Die Mitglieder in den einzelnen Ländern und Regionen sind in sogenannten Convivien ( www.slowfoodaustria.at ) organisiert. In Österreich gibt es derzeit 15 mit rund 1000 Mitgliedern. Obfrau des Wiener Conviviums ist die Journalistin Barbara van Melle. Im WOMAN-Interview erzählt sie, wie sie zu der Bewegung gefunden hat und wie sie sich dafür einsetzt..

Woman: Wie haben sie zu Slow Food gefunden?

van Melle: Eigentlich haben mich die Amerikaner zu Slow Food gebracht (lacht) . Ich habe immer schon gerne und mit guten Produkten gekocht. Vor einigen Jahren habe ich dann ein Theater- und Ess-Projekt mit dem amerikanischen RegisseurPeter Sellars gemacht und über ihn Alice Waters, die Besitzerin des berühmten US-Lokals Chez Panisse, kennengelernt. Sie ist Pionierin und Vizepräsidentin der weltweiten Slow Food-Bewegung.

Woman: Was genau bedeutet Slow Food für Sie?

van Melle: In erster Linie geht es um Genuss und um die kulinarische Vielfalt! Essen ist etwas Lustvolles! Wir sollen uns nicht kasteien und auf alles, was gut ist, verzichten. Wahrer Luxus ist dieReduktion auf das Wesentliche. Und das sollte in wirklich guter Qualität sein.

Woman: Qualität hat ihren Preis. Ist Slow Food nur etwas für Menschen mit Geld?

van Melle: Nein, ganz im Gegenteil. Schauen Sie sich die Menschen an, die hier einkaufen oder einen frischgepressten Saft trinken (wir sitzen in einem kleinen Bioladen am Kutschkermarkt, www.brunnader.at , Anm.) . Studenten, junge Mütter, erstaunlich viele Männer. Die haben sicher alle nicht zu viel Geld, aber es ist ihnen offensichtlich wichtig, sich gesund und nachhaltig zu ernähren. Etwas anderes ist Slow Food nicht. Es geht um Prioritäten. Ich schaue gerne in die Einkaufswagen der Leute. Da liegt das Aktionsfleisch um € 2,90 pro Kilo neben dem Katzenfutter, bei dem der Kilopreis 6 oder 7 Euro beträgt. Ich sehe auch immer wieder, dass die Menschen das teuerste Motoröl kaufen, aber im Supermarkt dann das billige Olivenöl nehmen. Das verstehe ich beim besten Willen nicht.

Woman: Was sind Ihre Slow Food-Aktivitäten?

van Melle: Heuer organisiere ich die zweite Terra Madre Austria imOktober im Wiener Rathaus ( www.terramadre.at ). Auf dieser Veranstaltung präsentieren sich Slow Food-Produzenten aus Österreich und den angrenzenden Ländern. 2009 konnten wir mit über 10 000 Besuchern einen Riesenerfolg verbuchen. Außerdem engagiere ich mich bei der Plattform Vielfalt ( www.vielfalt.com ). Das ist eine Homepage, über die Slow Food-Produkte von ausgesuchten Partnern bestellt werden können. Und dann habe ich noch gemeinsam mit Oliver Scheiblbauer mein eigenes Restaurantprojekt ( www.chefs-table.at ). Da kochen wir zweimal im Monat acht Gänge Slow Food für 36 Personen. Alle sitzen an einem großen Tisch und wir kochen mitten unter den Leuten. Dazu gibt es natürlich auch eine ausgesuchte Weinbegleitung.

MEHR Informationen zu Slow-Food finden Sie in WOMAN 03/2011!

Redaktion: Pia Kruckenhauser