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Barbara Stöckl im WOMAN-Talk über ihren Besuch bei Pater Sporschills Findelkinder

In den Baracken Moldawiens suchte die Moderatorin neue Eindrücke. Mit uns sprach sie über ihren Besuch bei Pater Sporschills Findelkindern …


Barbara Stöckl im WOMAN-Talk über ihren Besuch bei Pater Sporschills Findelkinder
© Barbara Stöckl

Die Vorbereitungen für ihr neues ORF-Gesundheitsmagazin „bewusst gesund“ (voraussichtlicher Start ist November) , das von ihrer Firma KIWI-TV produziert wird, laufen bereits auf Hochtouren. Und um dafür ordentlich Kraft zu tanken, brach Fernsehmacherin Barbara Stöckl, 46, kürzlich in den „Urlaub“ auf. Alleine unterwegs zu einem außergewöhnlichen Ziel: Statt in einer Luxusoase landete sie – nur zweieinhalb Flugstunden von Wien entfernt – in den Slums von Moldawien …

Woman: Urlaub im „Armenhaus Europas“. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Stöckl: Urlaub heißt für mich nicht zwingend „entspannen“, sondern „Eindrücke sammeln“. Ich hatte Lust, eine andere Luft einzuatmen, andere Menschen zu sehen. Das putzt mir mehr das Herz und Hirn durch, als wenn ich in einer Wellness-Landschaft liege. Alles zu seiner Zeit. Und nachdem mir Jesuitenpater Georg Sporschill – der seit Jahren die Straßenkinder dort betreut und den ich als beseelten, verrückten Menschen kenne – schon oft gesagt hat: „Komm doch zu Besuch“, dachte ich: „Warum nicht?“ Ich hatte keine anderen konkreten Urlaubspläne.

Woman: Die Nachteile des Single-Lebens...

Stöckl: Nicht unbedingt! Man muss nur annehmen, was das Schicksal einem ins Leben weht. Es war eine wunderbare Erfahrung in Sachen Demut! Bevor ich hinflog, fühlte ich mich fast schuldig bei dem Gedanken ins Elend zu fahren und nichts für die armen Kinder mit zu haben. Pater Georg meinte: „Bring dich mit, das reicht! Ich werde da sein und auf dich warten“ Das gab mir emotionale Sicherheit. Ich habe es gern, aufgefangen zu werden, fahre ungern und selten alleine weg. Bin ein Heimwehmensch, suche immer nach etwas Vertrautem.

Woman: Spiegelt die Reise Ihr Innenleben wider?

Stöckl: Irgendwie schon! Es war einer der seltenen Momente, wo ich mich wieder einmal auf ein Abenteuer einließ. Das ist wie ein Sprung vom Zehnmeterturm, du musst dich trauen, um zu wissen, wie es sich anfühlt.

Woman: Erzählen Sie bitte mehr von Ihren Erlebnissen in den Waisenhäusern …

Stöckl: In der Hauptstadt Chisinau befindet sich das Sozialzentrum Concordia-Haus ( www.concordia.or.at ) wo Straßenkinder und Waisen in sehr ein¬fachen Zimmern ein neues
Zuhause finden. Es funktioniert nach dem Kinderdorf-Prinzip: Eine Mutter betreut ca. 20 Kinder, die Geschwisterliebe füreinander empfinden. Der Zusammenhalt ist extrem groß! Auch ich habe im Concordia-Haus genächtigt. Der kleine Pedro, 3, und seine Schwester Irina, 4, haben mich gleich in die Kinderzimmer geführt, um mir zu zeigen, wie sauber sie ihr Gewand geschlichtet haben. Die haben dort eine Ordnung, so was habe ich überhaupt noch nie in einem Kinderzimmer gesehen! Die Eltern der beiden starben an Tuberkulose, also lebten die Waisenkinder auf der Straße und schliefen auf Stroh, bis Angela King sie aufgelesen hat.

Woman: Angela King – das verrät schon ihr Name – scheint ein Engel zu sein!

Stöckl: Ja, der Name sagt viel aus: Angela, sie ist wahrlich engelsgleich und King, königlich! Es ist so beeindruckend, wie sie unermüdlich Pater Sporschills Projekt managt. Sie in Moldawien, ihre Kollegin Ruth Zenkert im benachbarten Rumänien. Pater Georg ist ein charismatischer Pater, der Spendengelder aufstellt, Ideen hat, managt, reist. Aber die Frauen sind diejenigen, die dann im Land den Alltag schupfen! Von Kinderbetreuung bis Mitarbeiterführung, eine echte „Spitzenmanagerin“, Angela King ist z. B. auch diejenige, die für die kleine Lena eine Operation für ihre verkrüppelten Beine organisiert. Und zwar nur mit ihren persönlichen Kontakten. Eine
Diagnose stellen – dafür fehlen dort Geld und Möglichkeiten!

Woman: Wie ist Angela King zu Concordia gekommen?

Stöckl: Sie hat eine Lebensgeschichte, die mich sehr bewegt hat: So wie Sporschill hat auch sie in der Vorarlberger Landesregierung gearbeitet. Als sie 25 war, verunglückte ihre Schwester tödlich und hinterließ ein drei Monate altes Baby. Angela zog ihren Neffen auf, engagierte sich als Familientherapeutin bei Concordia. Seit der junge Mann sein eigenes Leben führt, widmet sie sich den moldawischen Waisen. Nichts kann sie stoppen, nicht einmal ihr Brustkrebs im Vorjahr. Eine Woche nach der Amputation war sie wieder einsatzbereit. Sie sagt immer: „Urlaub machen muss ich extra lernen …“

Woman: Haben Sie auch mit angepackt?

Stöckl: Nach meinen Möglichkeiten. Ich half in der Suppenküche mit und war auch im Gefängnis bei der Eröffnung eines Zahnarztstuhls. Jede freiwillige Mit¬arbeit zählt. Gleichzeitig mit mir war auch der 15-jährige Patrick aus Wien als Volontär dort. Seine Eltern hatten ihm das nahegelegt. Ein cooler Typ, doch nach ein paar Tagen war er berührt, denn es waren die moldawischen Kinder, die ihn an der Hand nahmen! (Lacht.) Die Armut ist dort in sich so stimmig, dass man sie schnell romantisieren könnte. Verfallene Häuser haben in unseren Augen auch schnell was Idyllisches. Die Menschen scheinen trotz der wenigen Habseligkeiten zufrieden. Aber Fakt ist, dass sie kilometerweit gehen müssen, um vom nächsten Brunnen Wasser zu holen. Sie haben keinen Strom: Dort wird’s finster, wenn’s finster wird!

Woman: Mittlerweile sind Sie und Pater Sporschill Freunde …

Stöckl: Ja, denn er ist ein authentischer Mann. Einer, der es ehrlich meint. Da springt einfach der Funke über … Er hat mir auch die Bibel nähergebracht, geholfen, zu verstehen. Und ich bin dank¬barer geworden! Speziell seit es meinem Vater vor zwei Jahren gesundheitlich so schlecht ging. Ich will durchlässig bleiben und nicht alles für selbstverständlich erachten.

Woman: Das bedeutet im nächsten Schritt: Erwartungen zurück schrauben, gelassener werden.

Stöckl: An dieser Entwicklungsstufe arbeite ich noch, wenn ich ganz ehrlich bin (lacht) !

Woman: Sie haben das Image der „Mutter Teresa vom Küniglberg“. Gefällt Ihnen das Gefühl, von anderen gebraucht zu werden?

Stöckl: Ja, das ist ein gutes Gefühl! Aber es darf nie so weit gehen, dass man abhängig davon wird. Dass man sich selbst nur noch über andere spürt. Als „Help TV“ vorüber war, kam so eine Leere. Ich fragte mich oft: „Wer, Barbara, bist du selbst ganz alleine in der Welt, ohne ,die anderen‘? Was willst du? Wie geht’s dir?“ Das Pendel muss nach beiden Seiten ausschlagen. In erster Linie ist jeder für sich allein verantwortlich, aber es erfüllt auch, wenn mich jemand braucht. Pater Georg hat einen schönen Leitspruch: „Ich liebe dich, ich brauche dich, du kannst es!“ Das will doch jeder das ganze Leben lang hören, beruflich wie privat. Wenn ein Kind seine Hand nach mir ausstreckt, hat man doch keine andere Wahl, als da zu sein …

Woman: Schon mal an Adoption gedacht?

Stöckl: Nein, das traue ich mir allein nicht zu. Ich kann mir ein Kind nur mit Partner vorstellen. Ich bewundere den Mut und die Freude meiner Kollegin Karin Resetarits, die mit 48 noch eine Tochter bekommen hat. Oder meine Freundin Kathi Zechner, die den kleinen Rithy adoptiert hat. Ich bin seine Patentante!

Woman: Welches Souvenir haben Sie mitgenommen?

Stöckl: Die Kinder haben mir einen Schwan gebastelt, das aus tausend gefalteten Einzelteilen besteht. Doch noch etwas wird mich immer an diese besondere Reise erinnern: die Kinder in der Früh, wenn sie eifrig Kaffee kochten und Herr und Frau Ober spielten. Pater Georg will ihnen Kellnerieren lehren, weil man in diesem Beruf die Würde des Dienens lernt. Wenn man’s richtig macht, hat dienen nichts mit Unterwürfigkeit zu tun, sondern mit echter Größe…

MEHR zum Interview finden Sie in WOMAN 18/2010!

Interview: Petra Klikovits