Ressort
Du befindest dich hier:

Burn, Barbie, burn!

Gestern eröffnete in Berlin das Barbie Dreamhouse – ein überdimensionales Puppenhaus. Für kleine Mädchen das Paradies in Pink – für die Femen-Aktivistinnen der Vorhof zur Hölle. Auf Europa-Tour macht Barbies Hütte auch in Wien Station.


  • Femen-Aktivistinnen demonstrieren gegen das Barbie-Dreamhouse in Berlin

    Burn, Barbie, burn! Femen-Aktivistinnen vor dem Barbie Dreamhouse in Berlin.

    Bild 1 von 9 © REUTERS/Pawel Kopczynski
  • Das Barbie Dreamhouse in Berlin

    Pinke Welt: Auch einige erwachsene Fans der Plastikpuppe kamen zur Eröffnung – und wunderten sich.

    Bild 2 von 9 © REUTERS/Pawel Kopczynski

Es dauert nur Sekunden, bis ihr blondes Haar in Flammen aufgeht. Barbie brennt. "Barbie sein ist kein Beruf!" skandiert eine Aktivistin der Frauenrechtsgruppe Femen , während sie die lodernde Barbie stolz in die Höhe reckt. Langsam schmilzt deren an ein Holzkreuz genagelter Plastikkörper, während in Berlin die Sonne scheint. Es ist ein unschönes Ende.

Gestern eröffnete in Berlin das Barbie Dreamhouse , ein 1.400 Quadratmeter lebensgroßes Abbild jener Spielpuppen-Villa, die in Millionen Mädchenzimmern weltweit steht. Es ist die erste Station der Wanderausstellung in Europa – noch heuer wird das Dreamhouse auch nach Wien touren.

Wer will, kann im Dreamhouse komplett in die pinke Welt der meistverkauften Spielpuppe eintauchen, so die Macher PR-wirksam. Lori Pantel, Vice President Global Marketing für Barbie : "Dieses Jahr lädt Barbie ihre Fans ein zu erleben, womit sie bislang nur in Puppengröße spielen konnten."

12 Euro Eintritt berappen Kinder für die Einladung. Dafür dürfen sie dann an pinken Möbel-Attrapen einer Küche oder eines begehbaren Kleiderschranks, dessen Spiegel dünner statt dicker machen, vorbeiziehen. Wirklich mitspielen geht eigentlich nur an den aufgestellten Touchscreens. Dort kann man dann virtuelle Cupcakes backen (vorausgesetzt, man hat ein Radio-Frequency-Identification-Armband am Handgelenk; fünf Euro extra) oder mit Glitterstiften Barbie -Bilder ausmalen.

Wer nochmal zehn Euro aufzahlt wird schon eher Teil der Dreamhouse Experience (so wird die Ausstellung im PR-Text genannt). Dann darf man in echten Barbie -Outfits auf einen Laufsteg oder auf eine Musik-Bühne. Ein paar Eltern haben das ihren Kindern gegönnt – und so dröhnt Kaugummi-Pop aus den Boxen. Die Mädels haben ihren Spaß.

Proteste gegen das Barbie Dreamhouse

Eine Frau zwischen Küche, Kleiderschrank und Laufsteg – genau diese als Dream im House präsentierten Rollenklischees sind es, die die Protestgruppen auf den Plan riefen.

"Sexistische Propaganda" erwarte die Kinder in dem pinken Themenpark, klagte etwa ein Sprecher der eigens formierten Gruppe "Occupy Barbie Dreamhouse" in der deutschen tageszeitung . Frauenfeindliche Klischees würden mit der Spielzeugpuppe und ihren Modelmaßen bedient, Mädchen und Frauen auf ihren Körper reduziert. Gut 2.000 Mitglieder hat die Facebook-Seite der Anti-Barbiehäusler. Auch die Protestgruppe Pinkstinks kritisiert das eindimensionale Frauenbild: "Mädchen können doch auch andere tolle Sachen als nur backen, schminken und shoppen." Und rief ihre rund 5.900 Facebook-Fans im Vorfeld der Eröffnung zu einer Kundgebung auf.

Und so bietet sich den Eltern und ihren Kindern, die am gestrigen Eröffnungstag nach Berlin-Mitte in die pinke Welt pilgerten, ein zusätzliches Spektakel. Barbusig und mit Fackeln in der Hand liefen die Aktivistinnen der Frauenrechtsgruppe Femen zum Protest vor Barbies Dreamhouse auf. "Brennt es nieder, brennt es nieder!" Und dann brennt sie, die Barbie .

"Ich persönlich finde das total unpassend", sagt Christoph Rahofer von Veranstalter EMS Entertainment, gegenüber dem deutschen Spiegel über die Protestler. "Ich kann nicht nachvollziehen, dass es Probleme mit sich bringen soll, mit einer Barbiepuppe zu spielen." Es gäbe doch weit wichtigere Probleme als ein Spielhaus für kleine Mädchen.

Und tatsächlich: Als die Medienvertreter ihre Kameras einpacken, ebbt auch der Protest langsam ab. Die Sonne scheint über Berlin – und die Welt sieht auf einmal wieder rosarot aus.

Themen: Sexismus, Barbie