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Beauty-Salon für Fünfjährige

Schminken mit Mamas Lippenstift, klar! Aber irgendwie, mit Rausfahren und so. Und nicht in einem auf Perfektion ausgerichteten Beauty-Salon, in dem Mädchen zur Tussi getrimmt werden. Für uns ist die bayrische Idee ein Flop!


Beauty-Salon für Fünfjährige
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Rosa Sessel. Rosa Wände. Auch Vorhänge und Blumendeko sind rosarot. In rosa Regalen locken pinke Kosmetikprodukte. – Willkommen im Barbie-Land? Nein, hereinspaziert in Deutschlands ersten Kinder-Spa für 5- bis 15-jährige Mädchen, das „Monaco Princesse“! Statt auf dem Spielplatz zu toben oder die Zehen in Sandkistenschlamm zu vergraben, halten Kleinkinder in rosa Bademänteln hier ihre Füßchen in lauwarmes Wasser. Bekommen eine dekadente Schokolade-Gesichtsbehandlung verpasst oder ein perfektes Glamour-Make-up.

Kindheit ade.

Wer bislang glaubte, dass für ein glückliches Heranwachsen die optimale Gesichtscreme oder das passende Hairstyling nicht ausschlaggebend sind, wird von Geschäftsinhaberin Kerstin Kobus eines Besseren belehrt: „Mädchen werden ständig mit dem Thema Frau-Sein konfrontiert, schauen Sie sich doch um! Man muss sie fachgerecht an das Thema heranführen.“ In den Augen der 41-jährigen Deutschen hat ihr Schönheitssalon offensichtlich auch pädagogischen Charakter, worüber Familienpsychologin Karin Alt ( www.familienpsychologin.com ) die ihrigen nur verdrehen kann: „Wer will schon schön geschminkte Kinder? Den perfekten Lidstrich im Volksschulalter? Und was kommt dann mit 16? Die erste Brustvergrößerung?“

Alles altersgemäß.

Doch die Kritik, dass Mädchen durch solchen Schönheitswahn immer früher damit beginnen, an ihrem Aussehen rumzudoktern, lässt Salon-Queen Kobus gar nicht gelten: „Das ist das Motto des amerikanischen Shops, nach dessen Vorbild wir unseren entworfen haben. Die wollen Mädchen auf zukünftiges Modeln vorbereiten. Bei uns wird erst ab 11 Jahren geschminkt. Uns geht’s vor allem darum, dass die Kinder hier Spaß haben!“ Dass Kobus nebst klassischen Beautybehandlungen auch ein „Little Diva“-Package anbietet, das genau nach US-Vorbild funktioniert, rechtfertigt sie schlicht mit permanenten Anfragen ehrgeiziger Mütter nach Modeltraining für deren Töchter. Ganz so hehr sind Kobus’ Motive also nicht, die Nachfrage bestimmt dann doch die rosa Angebotspalette.

Partylaune 2.0.

Und damit professionalisiert Kerstin Kobus nicht nur Mädchen-Sein, sondern gleich auch zukünftige Kindergeburtstage. Hier beginnt scheinbar ebenfalls früh, wer später mal eine richtige Partylöwin werden will. Vergessen sind herzige Feiern mit Kuchen und Luftballons – nun ist Zeit für „Party-Girl“, den absoluten Verkaufsschlager im Prinzessinnen-Leben. Acht Mädchen dürfen fünf Stunden lang Barbie sein, Make-up und Hochsteckfrisur inklusive, ebenso Karaoke singen und Pizza essen im (natürlich rosaroten!) Partyzimmer. Kostenpunkt: Schlanke 500 Euro. Hhmm, sollte laut Frau Kobus im Prinzessinnen- Angebot nicht für jede etwas dabei sein? Aber natürlich! Die billigste Behandlung, einmal Nägellackieren mit Glitzersteinen, gibt’s schon ab acht Euro. Auch ein T-Shirt aus der eigenen Kollektion ist schon um 20 Euro zu erstehen.

Bubenzeit.

Demnächst werden auch kleine Superhelden Augen machen, mit denen sich wohl auch Geschäft machen lässt. Das Konzept für ihren „Bubensalon“ hat Kerstin Kobus bereits in der Tasche. Der wird dann selbstverständlich in Hellblau gehalten sein. Aha.

Redaktion: Petra Mühr

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