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Begpacking: Wenn priviligierte Menschen um Reisegeld betteln

Begpacking? Kein Rechtschreibfehler, sondern ein ziemlich hässlicher Trend: (Priviligierte) Weltreisende, die sich in Reiseländern auf die Straße setzen und betteln.

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Begpacking: Wenn priviligierte Menschen um Reisegeld betteln
© instagram thetravelpointeng

Ganz ehrlich: Auch wir träumen uns manchmal an ferne Strände, wollen in fremde Länder und andere Kulturen eintauchen und hier in Österreich einfach alles hinschmeißen und den Job kündigen. Und mit diesem Traum von der Weltreise sind wir bei weitem nicht allein. Was uns davon abhält? Das nötige Kleingeld.

Neben Flügen und Unterkunft, will im Ausland nämlich auch das tägliche Leben finanziert werden - und das ist ohne Job in der Hinterhand eben ganz schön teuer. Doch es scheint eine immer größer werdende Community zu geben, die glaubt, die Lösung für dieses Problem gefunden zu haben: Begpackers.

Betteln statt Sparen - das Credo der Begpacker

Der Begriff setzt sich aus den Wörtern "to beg" und "backpacking" zusammen und bedeutet im Grunde genau das: Diese Menschen setzen sich während ihrer Reisen in fremden Ländern auf die Straße und betteln um Geld für ihren nächsten Trip. Im Bestfall bieten sie als Gegenleistung dafür Musik oder Kunst an, meist ist das kunstvollste aber auch schon ihr Papp-Schild:

Dieser "Trend" stößt verständlicherweise nicht bei allen auf viel Gegenliebe. Reisen mit wenig Geld? Absolut verständlich. Couchsurfing, Trampen, Work & Travel - es gibt viele Möglichkeiten, mit wenig Geld viel von der Welt zu sehen. Wer aber kein Geld zum Reisen und gleichzeitig wenig Lust hat, für ein bisserl mehr Reisegeld zu arbeiten und lieber zu betteln, verhält sich dann doch etwas respektlos gegenüber jenen Menschen, die das Geld tatsächlich zum Überleben brauchen.

Lügen für mehr Geld

Außerdem sollen einige Gratis-Reisenden sogar kleine Lügengeschichten auftischen, um an Geld zu kommen. Eine Facebook-Userin bringt die Kritik recht gut auf den Punkt: "Als Indonesierin muss ich, um mich um ein Visa für Großbritannien/den Schengen-Raum/die USA zu bewerben, folgendes vorweisen: einen kompletten Reiseplan mit bereits gebuchten Hotels, bezahlte Rückflugtickets, einen Einladungsbrief, Reiseversicherung und ein persönliches Bankkonto mit mindestens 6000 US-Dollar drauf. Ich muss 100 Dollar für das Visum bezahlen und zu einem Pflicht-Interview in der Botschaft gehen. Und all das garantiert mir immer noch nicht, dass ich ein Visum bekomme. Und dann passiert das hier: 'Ein Tourist aus dem Westen sitzt mit Fast-Food-Sackerln an einer Straßenecke in Bangkok und bettelt als Teil des Begpacking-Trends um Geld.' #firstworldproblems"

Mit einem ähnlichen Shitstorm war kürzlich übrigens ein Influencer-Paar aus Deutschland konfrontiert. Die beiden hatten auf Instagram um Spenden für ihre nächste Reise gebeten.

Themen: Reise, Report

Kommentare

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Ehrlich gesagt ist es schon ziemlich seltsam, Meinung zu lesen, dass das Verhalten der Wanderer bzw. Backpacker, die ihr Geld für das Ticket an öffentlich zugänglichen Plätzen sammeln, "unethisch" sei.

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Noch seltsamer ist die Meinung einiger Kommentatoren, die behaupten, dass asiatische Behörden das Sammeln von Spenden verbieten sollen und die Wanderer hier Backpacker aus dem Land rauswerfen sollen.

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Erstens ist hier das kulturelle Stereotyp klar erkennbar, weil ein Wanderer ein reicher Europäer sei, der die "armen und unterdrückten" Heimbewohner um kein Geld bieten darf.

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Das heißt, dass die Kommentatoren hier einfach anhand des Aussehens und der Hautfarbe bestimmen können, welches Verhalten für die Wanderer als „sozial verträglich“ bzw. erwünscht ist und welches nicht.

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Ist die Hautfarbe eines Menschen etwa ein Grund dafür, das Mitgefühl und das Helfen anhand der Spenden abzulehnen? Und wenn ja, was ist es dann, wenn nicht ein verdeckter Rassismus?

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Aber das ist noch nicht alles. Die Autoren des Artikels und Kommentatoren gehen offensichtlich davon aus, dass fast alle oder viele reisende Menschen aus den "reichen" Ländern Westeuropas stammen und die Tatsache, dass sie Geld für ihre Tickets sammeln, nur ein unbegründeter Wunsch von reichen Exzentrikern sei.

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Den Autoren ist ja nicht klar, dass viele der Reisenden aus Osteuropa, den baltischen Staaten, der Ukraine, Moldawien, Bulgarien und Albanien stammen, wo das Pro - Kopf - BIP nicht nur um Vielfaches geringer ist als das BIP der meisten "westeuropäischen" Länder,

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sondern häufig auch geringer als in denselben Thailand, Malaysia (und bestimmt in Hongkong) ausfällt und sehr häufig auf dem Niveau des BIP vieler afrikanischer Länder liegt.

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Und es könnte ja gut sein und es kommt auch sicherlich vor, dass das Sammeln von Spenden für die Tickets, die einzige Möglichkeit für diese Wanderer ist und bleibt, diese Länder zu bereisen und überhaupt die Welt zu sehen. Aber die Autoren des Artikels und die Kommentatoren verweigern und verurteilen diese letzte Reisemöglichkeit.

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