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"Ich fühle mich nicht wie eine Ikone"

Seinen eigenen und einzigartigen Stil ohne Grenzen ausleben - davon kann Musikerin Beth Ditto ein Lied singen. Die 37-Jährige im großen Fashion-Talk.


"Ich fühle mich nicht wie eine Ikone"
© Amy Troost/Zalando

Selbstliebe, Vielfalt und wahre Schönheit – das sind die Eckpfeiler der neuen Zalando-Kampagne "Me. Unlimited". Und eine der Testimonials ist Sängerin Beth Ditto. Im Interview verrät sie unter anderem warum jeder seine eigenen Stil-Regeln gestalten soll – und auch ihren mutigsten Fashion-Moment.

Wie unterscheidet sich deiner Meinung nach dein Bühnen-Look von deinem persönlichen Style?

Ich bin nicht unbedingt wilder auf oder abseits der Bühne, obwohl es da vielleicht ein paar Pailletten weniger gibt. Der einzige Unterschied ist, dass ich auf der Bühne Spanx trage – das würde ich im Alltag niemals tun. Grundsätzlich mag ich Shapewear, aber ich ziehe nichts an, was mich einengt, wenn ich auf dem Sofa sitze und "Dateline" gucke.

Was bedeutet dir Mode?

Für mich steht sie für viele Dinge – und gleichzeitig für nichts. Für mich ist es am wichtigsten Style zu haben, denn Mode kommt und geht. Style ist zeitlos und beständig. Mode steht für die Industrie, während Style für Authentizität steht, was wirklich cool ist.

Offensichtlich macht dir Mode großen Spaß. Wie setzt du sie als Mittel ein, um deine Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen?

Lange hat man uns gelehrt, dass es nur einen Körper-, Haut- und Haartyp gibt, dass nur eine Haarfarbe akzeptabel ist. Für mich sind Mode und Style meine Werkzeuge, um mich von diesen Einschränkungen zu lösen. Fashion bringt Menschen dazu sich zu ändern und in verschiedenen Wegen zu denken, und besonders müssen sie sich trauen eine positive Einstellung dazu zu haben. Die Mode-Industrie transportiert viele negative Botschaften über Körperformen und Looks. Vor diesem Hintergrund ist es ein Statement, mit einem fetten Körper Selbstbewusstsein und Freude zu vermitteln.

Wie du das gemacht hast, war sehr unmissverständlich: Du hast dich, deinen Style und deinen Körper kompromisslos angenommen. Du bist eine LGBT-Ikone. Was bedeutet dir das? Es bringt doch eine enorme Verantwortung mit sich.

Ich fühle mich nicht wie eine Ikone. Das ist ein lustiges Wort und es ist süß, dass Leute das sagen. Aber ich fühle mich damit unwohl, weil ich mich dafür nicht genug bedanken kann. Ich bin halt lesbisch oder queer und habe das große Glück, in einer Zeit geboren zu sein, in der das um ein Vielfaches einfacher ist als früher. Ich sehe viele Menschen in meinem Umfeld, die sich noch durchbeißen müssen, aber wir sind mit unserem Kampf auf einem guten Weg. Der Austausch wird viel offener geführt und die Industrie verändert sich. Durch Kunst, Fernsehen und Musik wird den Menschen "Queerness" nähergebracht. Ich bin wirklich glücklich, ein Teil davon zu sein.

Man merkt, dass sich einiges verändert. Du hast in den letzten Jahren ein paar sehr mutige Fashion-Momente gehabt und diese auch sichtlich genossen. Gibt es ein Outfit, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

An den blauen, hautengen Catsuit denke ich besonders gern zurück. Er hat über Nacht alles auf den Kopf gestellt. Die Leute konnten es nicht glauben. Ich muss 23 oder 24 gewesen sein – ein Jahrzehnt vor den Veränderungen in Richtung Body Positivity, die in den letzten Jahren aufgekommen sind. Mein Outfit hat die Leute um den Verstand gebracht! Die Medien waren außer sich, sie haben sich über meinen Look lustig gemacht oder waren von ihm beeindruckt. Ihre Haltung war: Wie kann sie es wagen, sich in so einem Outfit zu zeigen und warum schämt sie sich nicht wegen der Reaktionen? Das hat eine Auseinandersetzung mit dem Thema in Gang gebracht, die es zuvor kaum gab. Mitten drin zu stehen war wirklich verrückt. Das passiert oft bei Entwicklungen dieser Art: Es muss einen Schock-Moment geben, der die Dinge auf den Tisch bringt, damit über sie gesprochen wird. Das hat für mich wirklich alles verändert.

Wie kann Fashion die Freiheit bieten, du selbst zu sein?

Das liegt in der Hand eines jeden einzelnen, der die Kleidung trägt. Diese Form des Ausdrucks ist so unglaublich und cool. Man vergisst manchmal, wie viel Macht darin liegt, sein eigenes Bild zu erschaffen. Schlimmstenfalls macht sich jemand über dich lustig, aber das ist nicht das Ende der Welt. Tatsächlich hat mich genau das zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Über mich macht man sich ständig lustig. Aber ich mach das umgekehrt genauso.

Welchen Rat hast du für diejenigen, die ihre Körpertypen in der Mode falsch repräsentiert sehen?

Repräsentiere DICH selbst in der Mode. Wenn du das Gefühl hast, nicht repräsentiert zu werden, liegt es an dir, daran etwas zu ändern. Ich glaube, das passiert gerade: Es gibt eine große Revolution in Sachen Größe und Ethnie und die fehlende Darstellung dessen in den Medien, in allen Formen von Medien. Das Internet hat den Leuten die Macht gegeben, sich gegenseitig ihre Outfits und Looks zu zeigen, und sich gegenseitig zu unterstützen. Ich sage jedem: Wenn du dich nicht repräsentiert fühlst, dann tu das selbst und schaffe dir eine Community. Orientiere dich nicht am Mainstream. Lass dir von niemandem sagen, was du zu tun hast. Mach dein eigenes Ding.

Würdest du sagen, dass die Politik einen Einfluss auf deine Style-Entscheidungen hat?

Nein, das glaube ich nicht. Politik hat keinen Einfluss auf meine Style-Entscheidungen. Aber meine Style-Entscheidungen haben definitiv eine politische Konnotation, da ich mich nicht verstelle. Ich kann mich und wer ich bin nicht verleugnen, deshalb werde ich das auch nicht tun. Den blauen Catsuit zu tragen war keine politische Entscheidung, aber es war letztlich ein politisches Statement. Du hast die Kontrolle über dein Gehirn und darüber, was du versuchst zu machen – aber du hast keinen Einfluss darauf, was andere über dich denken. Das geht dich nichts an. Sie können über dich denken, was sie wollen. Wie du dich selbst fühlst, ist das einzige, was zählt.

Die neueste Kampagne von Zalando thematisiert Selbstliebe, Vielfalt und wahre Schönheit und legt die Zügel dem Konsumenten in die Hand, der seine Stil-Regeln nach seinen eigenen Vorstellungen gestalten kann. Warum ist es deiner Meinung nach wichtig, den Menschen, die Mode kaufen diese Freiheit zu geben?

Die Menschen sind es müde gesagt zu bekommen wer sie sind und wie sie aussehen sollen. Stattdessen fordern sie, was sie haben wollen. Das Konzept von Exklusivität im Fashionbereich ist veraltet. Das ist so 80er! Du kannst nicht jeden ausschließen und trotzdem erwarten, ein wachsendes Unternehmen zu sein. Das ist nicht nachhaltig. Du wirst nicht im Geschäft bleiben und du kannst nicht erwarten, dich weiterzuentwickeln und zu wachsen, wenn du nicht jeden ansprichst und abholst. Das wird einfach nicht funktionieren.

Thema: Society

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