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Bettina uns Ronnie Leitgeb im WOMAN-Talk über alte Werte, Freiräume & Co.

Seit die Hotelerbin und der Sportmanager verheiratet sind, ist sie gerne „nur Hausfrau“ und er freiwillig „viel öfter zuhause“. Ein Talk über gute alte Werte, Freiräume, Beziehungsdrill und den goldenen Käfig.


Bettina uns Ronnie Leitgeb im WOMAN-Talk über alte Werte, Freiräume & Co.
© Ernst Kainerstorfer

„Vier Wohnsitze sind in erster Linie nicht Luxus für mich, sondern Arbeit!“, betont Bettina Leitgeb, 48 (vormals Steigenberger) , als wir sie und Ehegespons Ronnie, 52, in Wien treffen. Schließlich besitzen die Hotelerbin mit deutschem Pass auch eine Finca im spanischen Marbella und der Sportmanager ein Appartement in Monte Carlo und eine Villa in Pörtschach. Und Weihnachten wird das Paar mit Ronnies Sohn Florian, 19, (aus seiner ersten Ehe) voraussichtlich in Kitzbühel verbringen, wo sie wie alle Jahre eine Bleibe anmieten. Doch wer da jetzt an Jetset denkt, dem raubt Bettina schnell die Illusionen. „Seit dem Verkauf der Hotel-Kette 2009 bin ich Hausfrau! Meinen Schwestern Christine und Claudia und mir gehören zwar ein paar Immobilien in Deutschland, die wir gemeinsam verwalten, aber mein Hauptjob ist es, unsere Domizile in Schuss zu halten! Dann koche ich, putze, staubsauge, schrubbe den Boden, gehe mit unseren vier Hunden Champi, Frau Fritz, Indira und Sarah Gassi und erledige die täglichen Einkäufe. Das bleibt einem auch mit Haushaltshilfe nicht erspart!“

WOMAN: Sehr sympathisch, dass Sie sich die Hände schmutzig machen, obwohl Sie eine reiche Erbin sind!

Bettina: Das muss doch jede reiche Frau, egal wie viele Millionen sie am Konto hat. Ein Beispiel: Ich koche ja so wahnsinnig gerne! Stellen Sie sich vor, ich würde für jeden Abwasch meine Putzfrau herbeipfeifen! Wer sollte es sonst erledigen?

WOMAN: Ihr Mann zum Beispiel.

Bettina: Ja, ganz genau, sehr wahrscheinlich! (lacht) Ihn schicke Ronnie doch nicht mal in den Supermarkt, weil er doppelt so lange braucht wie ich! Auch den Spaziergang mit den Hunden übernehme ich lieber selbst. Die vier sind ja wie meine Kinder. Ronnie hat seinen reinrassigen Labrador mitgebracht sozusagen in unsere Ehe mitgebracht. Er liebt meine drei Straßenschlampen! Besonders die Kleinste, Sarah. Da wird wild geküsst. Also das Hunde-Patchwork klappt! Und die müssen natürlich immer mit, wenn Ronnie und ich verreisen.

WOMAN: Sie kleben permanent zusammen. Sind maximal drei Wochen im Jahr getrennt. Was tun Sie, damit Sie sich selbst innerhalb dieses Wir-Denkens nicht verlieren?

Bettina: Bei uns ist das ganz anders: Da gibt’s einmal den Ronnie, so. Der ist schon sehr dominant (lacht) – das ist auch okay so – und unser Leben ist sehr auf ihn abgestimmt. Weil er hat seine Termine und nach denen richten wir uns. Für mich ist es kein tragisches Schicksal, meinen Mann zu den großen Tennis-und Schwimmturnieren nach London, Paris und New York zu begleiten. Das wäre Jammern auf hohem Niveau! Wenn’s mir zu viel wird, gehe ich in Ausstellungen – allein!

Ronnie: Ich war in meiner vorigen Ehe genug allein! War ja 40 Wochen im Jahr mit Thomas Muster nur auf Tournee. Ich wollte das mit Bettina nicht so. Auch wenn Sie Stier und stur ist wie ich und wir streiten. Disharmonien gehören dazu.

Bettina: Wir müssen uns nicht immer einig sein. Wenn Ronnie verlangen würde, dass ich mich von meinen Hunden trenne oder keinen Kontakt mehr zu meiner Familie zu haben, würde ich die Scheidung einreichen. Da ging’s an mein Eingemachtes!

WOMAN: Sie waren als Teenager eine Rebellin, färbten Ihr Haar blau und rot, um Ihrem Widerstand gegen das Establishment Ausdruck zu verleihen. Wie protestieren Sie als Ehefrau gegen Ronnie?

Bettina: Manchmal rufe ich ihn vom Friseur an und sag ihm, ich trage jetzt einen schwarzgefärbten Kurzhaarschnitt! (lacht) Was sicher immer in mir lodern wird: die Sehnsucht nach Freiheit! Deshalb sind Spanien oder Monte Carlo gute „Fluchtpunkte“ für mich. Und ich denke sicher anders, als man es einer reichen Frau zuschreiben würde. Mich nur bedienen zu lassen, wäre nicht meines! Ich bin froh, dass ich nicht so ein Leben wie Fürstin Charlene führen muss.

WOMAN: Sind Sie ihr schon mal begegnet?

Bettina: Ja, bei einer Schwimmveranstaltung, wo mein Mann und ich Markus Rogan begleiteten. Charlene ist eine so schöne Frau! In Natura ist sie viel schöner als im Fernsehen oder auf Fotos. Da hat sie immer breite Schultern und einen kleinen Kopf... Nur die Hochzeit, die war entsetzlich! (mit gequälter Stimme) Ich hätte weinen mögen. War zutiefst traurig berührt. Ich habe noch nie einen so ferngesteuerten, unglücklichen Menschen gesehen an so einem Tag! In Charlenes Schuhen möchte ich nicht stecken. Sie ist so unfrei!

WOMAN: Warum ging Ihre erste Ehe mit Staranwalt Alfred Boran in die Brüche?

Bettina: Wir waren sieben Jahre zusammen und eines Tages hatte er die Idee. Es sollte alles heimlich passieren. Aber als er dann ein Ehefähigkeitszeugnis brauchte und schwer meine Unterschrift fälschen konnte, musste er mich einweihen. Sonst hätte er mich überrascht.

WOMAN: Oder überrumpelt?

Bettina: Vielleicht hätte Alfred das. Doch meine Mutter und meine Schwestern rieten ihm dringendst dazu, vorher mich zu fragen. Nach einem Jahr Ehe war’s trotzdem vorbei. Heute sind wir befreundet und er meine erste juristische Anlaufstelle.

WOMAN: Damals behielten Sie Ihren traditionsreichen Mädchennamen. Für Ronnie heißen Sie nun Leitgeb!

Bettina: Ja, weil er Wert darauf legt. Er ist ein konservativer Patriarch. Es fiel mir zugegeben nicht leicht, einen Teil meiner Identität aufzugeben. Aber erstens kann ich als Deutsche in Österreich keinen Doppelnamen tragen. Und zweitens kann ich dem Mann, den ich liebe und schätze so einen Wunsch nicht abschlagen.

WOMAN: Waren Sie in vorigen Beziehungen auch so devot?

Bettina: Das finde ich nicht devot. Auch wenn es keinen Menschen gibt, der versteht, warum ich meinen Namen aufgegeben habe. Ich darf umgekehrt ja auch Bitten äußern! Etwa morgen: Ein Freund aus Stuttgart feiert morgen seinen 50er. Ronnie fliegt jetzt extra nicht zu einem Tennisturnier, sondern mit mir zu dieser Feier! Und wenn ich in meinen Lieblingsrestaurants anrufe, reserviere ich immer noch unter „Steigenberger“ einen Tisch. Weil die mich nur so kennen. (lacht)

WOMAN: Sie bestehen darauf, hinterm Herd zu stehen und stellen Ihren Mann über alles. War denn die ganze Emanzipation umsonst?

Bettina: Nein, es ist doch gut, dass es Alice Schwarzer gibt und dass immer mehr Frauen in Führungspositionen vordringen, ohne den Preis dafür mit einem kaputten Privatleben zu bezahlen. Schauen Sie sich nur Angela Merkel und ihren Joachim an! Aber da ist auch er bereit leiser zu treten! Für ihn ist das sicher nicht leicht: da ordnet sich der Mann unter! Und jetzt muss ich auch ketzerisch sein: Denn schuld daran ist auch die Journaille. Wie oft wird dann geschrieben: „Ach der arme Pipibub! Hoppelt er schon wieder fünf Meter hinter ihr her, das Weichei!“ – Ich finde diese Häme nicht okay!

WOMAN: WOMAN lobt solche unterstützende Männer in den Himmel! Ansetzen müsste man woanders: bei den Männern! Die diskriminieren sich doch selbst, wenn einer Hausmann spielt...

Ronnie: Ich liebe es ein Pascha zu sein, aber beim Billa mit dem Wagerl herumfahren würde noch zu keinem Persönlichkeitsverlust führen. Trotzdem gab es einen guten Grund, warum unsere Großelterngeneration eine strikte Rollenverteilung zuhause hatten. Ich habe es auch bei meinen Eltern nicht anders gesehen. Zudem war ich auch am Mödlinger Bubengymnasium. Von daher vielleicht mein traditioneller Zugang zu Frauen...

WOMAN: Ich habe mal gelesen, dass Sie alle Menschen für schlecht halten. Obwohl Sie Mentalcoach sind! Schließen Sie von sich auf andere?

Ronnie: (lacht) Nein. Aber mein Vater war Psychologe und oft saß ich mit ihm auf einer Parkbank und er testete mich: „Die Frau da drüben: ist das eine Psychotikerin oder eine Neurotikerin?“ Über die Jahre bekam ich diesen Skelettblick. So mache ich das auch bei Tennismatches. Da achte ich nicht auf die Vorhand, sondern auf die psychische Tagesverfassung. Wenn Boris Becker sich räusperte, war ganz klar: „Jetzt steht er vor einer mentalen Entscheidung!“ Ich war heuer bei zwei, drei Spielen von Jürgen Melzer dabei. Es war jene Spiele, wo er seine Punkte sammelte. Aber ich will ihn nicht auf jedes Match begleiten, denn dann würde ich wieder 40 Wochen im Jahr unterwegs sein und so möchte ich nicht mehr leben. Das ging zu Lasten meiner Ehe.

WOMAN: Wie coacht man sich selbst am besten?

Ronnie: Nachdem es um die Stärkung des Selbstwertgefühles geht, das aber oft von anderen beschnitten wird, frage ich meine Sportler immer: „Hast du dich heute schon vorm Spiegel selbst geküsst?“ (küsst seine linke und dann seine rechte Schulter) Wenn man das wirklich kann – und selbst bei Rückschlägen sagen kann „Es geht mir gut , das Leben ist wunderbar“ – dann gewinnt man wieder Kraft!

WOMAN: Ihr Schützling Jürgen Melzer küsst nicht nur sich selbst, sondern auch seine neue Liebe Iveta Benesova! Die Glückshormone müssten ihn also zu Topleistungen anspornen. Aber dem ist nicht so. Warum?

Ronnie: Ich bin überzeugt die kommende Saison wird für ihn wieder ganz toll. Iveta ist eine reizende und sehr lustige Persönlichkeit. Er hat eine harte Zeit der Verletzungen hinter sich. Aber im Frühjahr ist er wieder dick da. Iveta unterstützt Jürgen ohne ihm Druck zu machen und so kann er sich am Besten entfalten.

WOMAN: Also Männer bloß nicht zu viel antreiben, sonst treibt man sie in die Armen einer anderen...

Ronnie: Für mich wäre es jedenfalls ein No-Go, wenn mir Bettina ständig diktieren würde, wen ich noch managen soll. Da geh ich lieber allein zum Heurigen!

Interview: Petra Klikovits