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Bettina Wulff: Leseprobe aus ihrem Buch

In ihrem neuen Buch 'Jenseits des Protokolls' bezieht Deutschlands ehemalige First Lady Bettina Wulff Stellung gegen Rotlicht-Gerüchte. WOMAN hat eine Leseprobe.


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Bettina Wulff, die Frau des ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff, führt derzeit einen erbitterten Kampf. Ein Kampf um ihre Reputation, in den Krieg zieht sie unter anderem gegen Suchgigant Google .

Was war geschehen? Bereits vor dem Rücktritt ihres Gatten kursierten Gerüchte (vor allem im Internet), Bettina Wulff habe ein Vorleben als Prostituierte oder als Escort-Girl geführt. Um damit aufzuräumen, klagt sich Bettina Wulff derzeit nicht nur durch die deutsche Medienszene und Google , sondern veröffentlicht auch ein Buch. "Jenseits des Protokolls" so der Titel ihrer 223-seitigen Abrechnung, die zum Preis von 19,99 Euro im Münchner riva Verlag erschienen ist. In 16 Kapiteln erzählt Wulff in nüchternem Ton über ihr Leben als First Lady, ihre Männer (etwa Jugendlieben oder der Vater ihres ersten Kindes), über ihre Rolle als Mutter zwischen Politik und Glamourleben.

Bettina Wulff: "Jenseits des Protokolls"

Den größten Aufreger, über den derzeit ganz Deutschland diskutiert, beinhaltet jedoch das Kapitel "Die Gerüchte". Auf acht Seiten setzt sie sich hier mit den Rotlicht-Gerüchte auseinander. Bettina Wulff in dem Buch:

Mein Pseudonym lautet also angeblich »Lady Viktoria« und meine Wirkungsstätte soll ein Etablissement namens »Chateau Osnabrück« gewesen sein. Auch in einem Berliner FKK-Club »Artemis« soll ich als »Gesellschaftsdame«, um es mal charmant auszudrücken, mitgewirkt haben. Und damit nicht genug: Scheinbar lernten mein Mann und ich uns ja auch gar nicht 2006 auf einer Wirtschaftsdelegationsreise in Südafrika kennen, sondern bereits zuvor in einem Edel-Bordell, unterstellte uns manch ein anonymer Blogger im Netz und später sogar ein größeres Magazin.

Als ihr Gatte Christian die politische Karriereleiter weiter hinaufstieg und Ministerpräsident in Niedersachsen wurde, hätten sich die Gerüchte weiter verschärft.

Auf dubiosen diversen Internetseiten stand da, dass ich Geld als Escort-Dame verdient hätte. Es gab später Fotos, die eine blonde junge Dame im schwarzen hoch geschlitzten, langen Kleid und mit schwarzer Augenbinde zeigten. Auf anderen Aufnahmen präsentierte sich diese Frau mit einem tief ins Gesicht gezogenen schwarzen Hut und äußerst eifrig wurde in Foren gemutmaßt, inwiefern ich jene »Lady Viktoria« sei. Gesichtszüge wurden verglichen, sogar Muttermale.

Die Diffamierungen werfen Wulff aus der Bahn, sie "heult tagelang".

Mir war klar: Eine First Lady des Landes braucht ein makelloses, ein tadelloses Vorleben. Am allerbesten aber gar keines. Aber ich habe, wie übrigens viele andere normale Frauen auch, ein Vorleben und es ärgert mich ungemein, dass es einem als Frau, als junge Frau, abgesprochen wird, ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Während Männer sich austoben dürfen, ja es sogar gesellschaftlich mehr als akzeptiert ist, dass ein Mann seine Erfahrungen machen sollte, wird Frauen dieses Recht nur in begrenztem Maße zugestanden – wenn überhaupt.

Ihren Kampf gegen die Suchmaschine führt sie vor allem für ihren Sohn Leander:

Es war und ist schon unerträglich, wenn ich nur bei Google meinen Namen eintippe und mir automatisch dazu Begriffe wie »Rotlicht« und »Escort« angeboten werden. Ich habe eine Familie, ich bin Tochter, Schwester, Ehefrau und vor allem bin ich Mutter. Mein Sohn Leander ist nicht mehr so klein und selbstverständlich geht er auch ins Internet, googelt und wenn er dann meinen Namen eingibt und als Erstes solche Begriffe liest und auf solche Seiten kommt, dann finde ich das einfach so etwas von entsetzlich und beschämend. Für dieses Gefühl fehlen mir die Worte.

Zum Buch: "Jenseits des Protokolls" von Bettina Wulff, 223 Seiten, 19,99 Euro, erschienen im riva Verlag