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Bewerbung: So machst du's richtig!

Auf Jobsuche, und du erhältst eine Absage nach der anderen? Nicht aufgeben! Wir wissen, wie du Fehler ausknockst und dich von deinen Konkurrenten abhebst. Karrierecoach Gudrun Tockner verrät die besten Tipps, um bei Personalchefs zu punkten.

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Bewerbung: So machst du's richtig!
© istockphoto.com

Die Motivation sinkt mit jeder Bewerbung, die du losschickst? Bloß nicht denken: "Ich geb auf, kommt eh nur wieder eine Absage." Klar, leicht ist es nicht, die perfekte Bewerbung zu formulieren. Man soll die Fakten übersichtlich darstellen und vor Kreativität nur so sprühen. Wenn es nicht passt, ist die Chance vertan – eine zweite gibt es nicht. Human Resources Consultant und Bewerbungsexpertin Gudrun Tockner (tockner.com) kennt die häufigsten Fehler: "Bewerber schwanken oft zwischen Selbstüberschätzung und Unsicherheit. Es muss einem klar sein, dass Personalverantwortliche sich lediglich zwei bis drei Minuten Zeit für die Unterlagen nehmen." Einfache 08/15-Bewerbungen

Abheben von der Masse

Um schon im Vorfeld aus den Mitbewerbern herauszustechen, solltest du dir erstmal überlegen, was für die Firma besonders sein könnte. Stellenangebote im Internet sind oft schon die Regel. Also warum nicht ein Video schicken? Tipp: Nur nicht den gesamten CV wiederholen. Besser ein Porträt im Snapchat-Stil mit Fotos hinterlegen und zwischendurch wichtige Lebensstationen kommentieren. Wer nicht so gerne vor die Kamera tritt, kann seinen Lebenslauf als Website gestalten, anstatt ein herkömmliches PDF zu verschicken. Prinzipiell gilt: Je kreativer der Job, desto wichtiger ist es, originelle Ideen einzubauen.

Nutze deine Skills! Selbst wenn man nicht die Anforderungen erfüllt, erhöhen sich die Chancen, mit einem extravaganten Schreiben aufzufallen und eingeladen zu werden. Denn Personalchefs erkennen, dass da jemand ist, der offen gegenüber Neuem und lernfähig ist. Achte auf eine gute Balance, zu viel muss auch nicht sein. Der Adressat sollte sofort erfassen, wer sich für welche Stelle bewirbt, und nicht erst rätseln müssen.

Die Kinderfalle

Coach Gudrun Tockner ist ein Thema besonders wichtig: "Vielen meiner Klientinnen wurde geraten, bei Bewerbungen die eigenen Kinder nicht zu erwähnen." Wie bitte? Tockner erklärt: "Eine Frau unter 40 hat in der Auswahlsituation einen Nachteil. Mit Kindern signalisiert sie, nicht uneingeschränkt verfügbar zu sein, und falls sie einen Babywunsch hat, könnte sie ja bald wieder weg sein. Dabei gelten gerade Mütter als äußerst effizient, belastbar und loyal, wenn der Dienstgeber ihnen genügend Flexibilität einräumt." Und Mütter in Teilzeitjobs legen ein enormes Tempo bei Erledigungen vor. Deshalb rät Tockner: "Nichts verschweigen, und falls man tatsächlich aus diesem Grund eine Absage erhält, wäre der Job ohnehin der falsche gewesen."

Do's

1

Anschreiben kurzfassen
Knackig formulieren. Das Motivationsschreiben knapp halten, maximal eine bis eineinhalb Seiten lang. Bedenke, der Empfänger nimmt sich nicht allzu viel Zeit, um sich ein Bild von dir zu machen. Es gilt, die Konkurrenz zu übertrumpfen. Zeugnisse unaufgefordert mitzuschicken, ist nicht notwendig. Auf den Aufbau kommt es an: Studium, Schule, Praktika immer an erster Stelle des Lebenslaufes setzen. Was länger als zehn Jahre zurückliegt, reicht in Stichworten.

2

Streiche heraus
Kreativität zeigen. Starke Headlines sorgen in sozialen Netzwerken für unzählige Klicks. Also: Ein bisschen Clickbait (Anm.: Klickköder) kann nicht schaden, aber nicht übertreiben. Mit "Achtung, meine Bewerbung macht süchtig" wirst du nicht punkten. Eine Frage oder ein Fakt kann ein interessanter Einstieg sein. Zum Beispiel: "Weshalb gerade ich eine Bereicherung für Ihr Unternehmen bin? Durch meine Erfahrungen im Bereich …" Oder: "Sie möchten wissen, wie sich bei dem Social-Media-Projekt während meines Auslandspraktikums doch noch alles zum Guten wandte? Im Anhang lesen Sie mehr."

3

Schwächen zugeben
Vom Standard abweichen. Simpler Trick: Neben deinen Stärken auch Schwächen nennen. Oder du gehst auf die Stellenanzeige ein und greifst einen Punkt der Voraussetzungen auf, den du nicht zu 100 Prozent erfüllst. Dazu solltest du aber unbedingt Vorschläge auflisten, wie du die fehlenden Fähigkeiten wettmachst.

4

Zeige Fantasie
Mit Originalität punkten. Den Lebenslauf nicht starr untereinander gliedern. Warum nicht in eine Timeline in Form einer Linie, eines Pfeils oder eines Diagramms setzen? Auch so kannst du Lebenslaufstationen präsentieren. Oder du nutzt das Corporate Design der Firma: gleiche Farbe und Schriftart.

5

Die Firma kritisieren
Überraschung einplanen. Klingt schräg, ist aber eine super Strategie. Dass du über das Unternehmen Bescheid weißt, ist Voraussetzung! Und du kennst auch die Schwachstellen, wie: "Wissen Sie, dass es drei Stunden dauert, bis man eine Antwort von Ihrem Kundenservice erhält?" Und ja, klar, du hast die Lösung …

6

Dresscode herausfinden
Outfit ist wichtig. Du hast es geschafft und bist zum Vorstellungsgespräch geladen. Jetzt kommt die Styling-Frage. Business-Kostüm oder reicht eine Jeans? Kommt ganz auf die Firma an. Im Zweifel greife zum kleinen Schwarzen. Das geht immer.

7

Stelle Frage
Interesse zeigen. Falls dir mehrere Personen gegenübersitzen, nicht nur immer eine fixieren und schon gar nicht aus dem Fenster starren. Drehe den Spieß zwischendurch um. Traue dich Fragen zur Position, für die du dich beworben hast, zu stellen. Das signalisiert Interesse. Denke daran, wie der Alltag aussehen könnte, und hinterfrage Details wie Tagesablauf, Arbeiten im Team, Sitzungszeiten.

Don'ts

1

Fehler vermeiden
Schreibweise. Absolute No-Gos bei zwei Drittel der Personaler sind Bewerbungen mit Rechtschreib- oder Flüchtigkeitsfehlern sowie unübersichtliche Formatierung oder mangelhafte Unterlagen und negative Kommentare über frühere Arbeitgeber.

2

Langweilige Standards
Zum Gähnen. Bereits in den ersten Zeilen muss man im Motivationsschreiben punkten. Verschachtelte, komplizierte oder zu lange Sätze verwirren und wirken fad. Skills, die einen besonders für die ausgeschriebene Stelle qualifizieren, gleich zu Beginn anführen – kurz und knackig.

3

Lebenslaufslücken
Wichtiges verschweigen. Bewerbungen, in denen Lücken oder Widersprüche im Lebenslauf erkennbar sind, landen schnell im Papierkorb. Lieber gleich zugeben, dass du dir ein Jahr Kreativpause auf Bali gegönnt hast, anstatt peinlich zu schweigen. Was im Lebenslauf steht, muss im Motivationsschreiben nicht nochmals durchgekaut werden. Es sind einzig deine beruflichen Kompetenzen und persönlichen Eigenschaften relevant. Wie sich die letzten zehn Jahre deiner Berufspraxis im Detail gestaltet haben, interessiert an dieser Stelle nicht.

4

Allgemeine Formulierungen
Unsicher rüberkommen. Das Motivationsschreiben nie mit "Sehr geehrte Damen und Herren" beginnen. Die direkte Ansprechperson recherchieren und an sie persönlich adressieren. Konjunktive vermeiden. Statt: "Ich würde mich über eine Einladung freuen" besser: "Ich freue mich auf eine Einladung" schreiben. Sonst wirkt es unsicher. Erwähnungen wie "Ich kann sehr gut im Team arbeiten" mit konkreten Beispielen wie Praktika oder Projekten untermauern.

5

Miese Bildsprache
Schräges Outfit. 40 Prozent der Bewerbungsfotos sind unpassend. Wer ein Bild vom letzten Urlaub mitschickt, hat schon verloren. Gar nicht geht es, sich mit zu tiefem Ausschnitt, zu viel Make-up, aufwendiger Frisur oder in grellen Outfit-Mustern in Szene zu setzen. Optimal wäre ein neutraler Hintergrund, freundliches Lächeln, direkter Blick in die Kamera.

6

Mangelhaftes Benehmen
Schlechter Eindruck. Endlich beim Bewerbungsgespräch, und dann verliert man gleich mit einem laschen Händedruck und schlechten Manieren. Nicht jeder kann in ein lockeres Gespräch einsteigen. Unsicherheit führt dazu, arrogant rüberzukommen. Vor dem Spiegel oder mit guten Freunden einen authentischen Auftritt üben. Ruhig offen die eigene Nervosität ansprechen. Das lockert die Stimmung.

7

Schwache Vorbereitung
Unprofessioneller Auftritt. Ein klares Nein gibt's bei schlampigen Outfits oder aufdringlichem Parfum. Fragen über berufliche Wechsel solltest du gut argumentieren und kein schlechtes Gedächtnis ("Das habe ich jetzt vergessen, ist ja schon so lange her") zeigen. Deshalb: Lebenslaufzahlen unbedingt vor dem Gespräch einprägen.

Gudrun Tockner, Bewerbungscoach und Human Resources Consultant, hilft bei der Jobsuche.
Themen: Karriere, Report