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Wir führen eine gute Beziehung - außer, wenn es um meine Familie geht

Eigentlich läuft es wunderbar zwischen euch. Nur wenn deine Familie ins Spiel kommt, ist alles anders? Was, wenn er nicht mit deinen Liebsten kann?


Streit
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"Unser einziges Problem ist, dass mein Mann nicht gerne mit meiner Familie zusammen ist."

"Mein Mann und ich führen eine gute Ehe, wir haben keine Kinder. Seit 20 Jahren sind wir verheiratet. Unser einziges Problem ist, dass mein Mann nicht gerne mit meiner Familie zusammen ist.

Jedes Mal, wenn wir nach Salzburg fahren, um meine Eltern und meine Geschwister zu sehen, streiten wir. Ich helfe meiner Familie in ihrem großen Haus, das ich zum Teil ja einmal erben werde. Ich finde es selbstverständlich, dort zu helfen. Mein Mann will dort nichts machen. Er meint, das sei nicht unser Leben. Aber es sind meine Wurzeln, es ist mein Fleisch und Blut.

Da wir keine Kinder haben, ist mir auch der Kontakt zu meinen Nichten und Neffen sehr wichtig. Ich fürchte, mein Mann glaubt, dass ich für ihn weniger Liebe empfinde, wenn ich mich um meine Familie kümmere. Mein Mann hat auch Familie, die wir regelmäßig sehen. Aber das ist völlig friktionsfrei. Ich fühle mich auch in dieser Familie wohl.

Ich liebe meinen Mann, finde es aber sehr schade, dass er nicht für die paar Tage über seinen Schatten springen kann, wenn wir in Salzburg sind. Schließlich leben wir nicht dort. Im Streit sagt er, ich hätte mich nie abgenabelt und wäre emotional von meinen Verwandten abhängig; ich würde mich in die Familienangelegenheiten übernatürlich involvieren. Diese Streits sind sehr, sehr heftig. Manchmal reden wir danach tagelang nichts miteinander. Mich belastet das Thema mittlerweile so, dass ich andauernd Magenschmerzen und Migräne habe."

Der Rat des Experten:

Der Paar-Berater, Psychologe und Autor Dr. Michael Schmitz kennt sich aus mit Beziehungen und berät realistisch, aus männlicher Sicht sowie mit viel Herz.

Dr. Schmitz: Glaubst du, dein Mann verhält sich bloß stur und an seinen Bemerkungen ist nichts dran? Könnte es sein, dass du dich in Salzburg anders verhältst, zurück in die Tochter-Rolle schlüpfst und sich dadurch euer Bezug zueinander ändert?

Irgendetwas lässt deinen Mann "fremdeln". Bitte ihn, genauer zu beschreiben (!), welches Verhalten er zu sehen meint. Bitte ihn, dabei auf Bewertungen zu verzichten. Vielleicht schildert er etwas, was dir selbst bisher so nicht aufgefallen ist. Etwa, wie du dort aktiv wirst und hilfst. Könnte es sein, dass du als Tochter wieder "kindlich" wirst?

Oder fühlt sich dein Mann an den Rand gedrängt, nicht genügend wahrgenommen. Wie verhalten sich die anderen Familienmitglieder ihm gegenüber? Es geht es auch um seine Gefühle. Auch die sollte er beschreiben, möglichst genau, im Kontext konkreter Situationen - ohne Vorwürfe an dich.

Mir scheint, ihr habt über das Thema bisher nicht ausreichend tiefgründig gesprochen. Über eure unterschiedlichen Empfindungen, Erwartungen, Wünsche, Befindlichkeiten. Anscheinend rutscht ihr eher in gegenseitige Vorhaltungen ab. Beide seid ihr voneinander enttäuscht. Umso mehr, je länger es so geht. Vielleicht liegen unter dem akuten Konflikt noch Enttäuschungen, die ihr bisher nicht richtig bewältigt habt. Ihr habt keine Kinder. Hättest du, hätte er sich Kinder gewünscht? Liegt da etwas quer?


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