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Diese Fragen können die Liebe retten

Die Beziehung steckt in der Krise? Früher war man sich näher, heute herrscht Wortlosigkeit? Eine Entwicklung, die man stoppen kann. Wenn man die richtigen Fragen stellt.

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Diese Fragen können die Liebe retten

Am Anfang war da so viel Nähe – und nun herrscht Wortlosigkeit in der Beziehung....

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Früher konnte man gemeinsam die Welt aus den Angeln heben, war Zärtlichkeit und Redestoff ohne Ende vorhanden. WIR – dieses "unskannniemandwas"-Gefühl, das zu Beginn einer Beziehung für die Ewigkeit bestimmt zu sein scheint. Doch spätestens nach drei Jahren holt der Alltag die Liebe ein. Und mit ihm dieses Gefühl: Früher, da waren wir uns doch viel näher...

Ansprüche und Eigenarten, die wir am Anfang als reizvoll empfunden haben, werden plötzlich nervig. Kinder, Beruf, Stress – die Beziehung verändert sich. Aber woran scheitert sie letztlich?

Paartherapeutin Brigitte Moshammer-Peter: "Als häufigster Trennungsgrund wird ein Mangel an Liebe genannt. Frisch verliebt lebt man in der Illusion, den 100%igen Menschen gefunden zu haben, die Person, die alle Wünsche und Sehnsüchte erfüllt. Man idealisiert und verherrlicht. Nach einer Zeitspanne von drei Monaten kommt die Ernüchterung. Auch der Geliebte hat Schwächen und Fehler. Diese Soll-ist-Differenz wird dem Partner dann angelastet. Nicht Wenige versuchen dann, den Partner nach den eigenen Wünschen zu erziehen. Das stößt nicht immer auf Gegenliebe. Der Partner zieht sich zurück – es beginnt der Entfremdungsprozess,"

Während für Männer der mangelndeSex zum größten Beziehungsproblem mutiert, wird die Partnerschaft für Frauen dann unerträglich, wenn kein Austausch im Gespräch mehr stattfindet. Das Glück und die Bestätigung wird dann außerhalb gesucht – und der Seitensprung zu einem der häufigsten Trennungsgründe.

»Warum wurde aus uns mehr als nur eine Affäre?«

Zu hohe Ansprüche, so Sexpertin Brigitte Moshammer-Peter, sind es, die unsere Beziehungen belasten. "Es wird nicht mehr nur Dauerhaftigkeit gewünscht, sondern auch dauerhaft hohe Qualität. Was Paare früher zusammengehalten hat – gesellschaftliche Zwänge, Sanktionen, finanzielle Gründe, Status und Weltanschauung – verliert an Bedeutung." Bestand haben nur Beziehungen, in denen sich beide Partner zufrieden und wohl fühlen. Doch wie erhält man das Glücksgefühl der ersten Monate? Wie prüft man, ob man um die Beziehung kämpfen soll – oder eine Trennung der schmerzfreiere Weg ist?

Der Rat der Paartherapeutin: "Das Partnerwissen muss in einer Art Beziehungscheck erneuert werden. Was wollen wir jetzt, morgen, für die Zukunft? Wer ist der Mensch, in den ich mich verliebt habe – und welche dieser Seiten kann ich wieder neu entdecken?" Damit die Liebe nicht auf der Strecke bleibt, hat Moshammer-Peter die wichtigsten Fragen, die man sich vor einer Trennung stellen sollte, in einem Check zusammengestellt. Fragen, die die Liebe retten können – weil sie Klarheit bringen, wo man in seiner Beziehung steht, und was man tun kann, um den Partner neu zu entdecken.

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Warum wurde aus uns mehr als eine Affäre? Warum wurde aus einem Date, einem Kuss mehr als nur ein One Night Stand? Was hat zum Zauber des Anfangs geführt, was hat man am Partner bewundert? War er ordentlich, während du eine Chaotin bist? Hat er mit spontanen Ideen überrascht, während du den Fernsehabend vorgezogen hast? Was war es, was am Partner anziehend, anders, liebenswert war? Und welche dieser Eigenschaften sind immer noch vorhanden, nur vielleicht ein wenig in den Hintergrund getreten? Tipp: Frühere Fotos ansehen, schmunzeln, den Partner wieder mit anderen Augen ansehen. Und frag dich, wann du ihn das letzte Mal verwöhnt oder überrascht hast. Moshammer-Peter: "Es ist wichtig, immer wieder gemeinsame und exklusive Erlebnisse zu schaffen und damit die Beziehung zu stärken."

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Welche Krisen haben wir überstanden? Es sind weniger die guten Momente, die wirklich etwas über die Qualität einer Beziehung aussagen. Sondern die Art und Weise, wie man Krisen meistert und übersteht. Jobverlust, Krankheit, ein Trauerfall in der Familie oder auch einfach nur eine stressige Zeit: Hat dir dein Partner den Rücken gestärkt? War er für dich da, wenn du weinen wollest? Hat er dir Tee vorbei gebracht, als dein Magen rebelliert hat? Es geht weniger darum, WIE der Partner in der Krise reagiert hat, sondern mehr darum, OB er reagiert hat. Führ' dir nochmals vor Augen, warum du dich auf diesen Menschen verlassen kannst.

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Wie haben die Kinder unsere Beziehung verändert? So sehr wir sie lieben: Den wenigsten Paaren ist bewusst, welche Veränderung und oft auch Belastung Kinder für eine Beziehung darstellen können. Denkt man über dieses Faktum nach, wird einem oft klar, dass es vielleicht nicht direkt der Partner ist, sondern die Umstände, die schwierig sind. Brigitte Moshammer-Peter: "Mutterschaft bedeutet für viele Frauen einen Rücktritt in beruflicher Hinsicht. Diese Tatsache braucht einen Ausgleich, weil sonst dem berufstätigen Partner oft mit Neid und Aggression begegnet wird. Seine berufliche Tätigkeit wird dann nicht mehr als Arbeit, sondern als Möglichkeit der Selbstverwirklichung wahrgenommen, die der Frau unerreichbar bleibt. Und das Paar muss sich als Paar neu definieren. Auszeiten von den Kindern sind enorm wichtig und werden von vielen jungen Eltern immer noch unterschätzt."

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Was ist mein größter Wunsch und meine größte Befürchtung für unsere Beziehung? Und wie real ist es, dass sich diese Wünsche und Befürchtungen erfüllen? Wünsche und Ansprüche werden meist nicht offen kommuniziert. Ich will ein Kind von dir! Ich möchte, dass du mich heiratest. Ich will mit dir auswandern, ein Leben woanders aufbauen. Wer sich etwas wünscht, muss es auch klar sagen, um gehört zu werden. Damit gibt man dem Partner die Chance, zu reagieren. Und hat dann Klarheit – oder auch eine Enttäuschung. Aber mit dieser lässt sich immer noch besser umgehen als mit Ungewissheit. Expertin Brigitte Moshammer-Peter: "Zu den größten Ängsten in Beziehungen gehört jene vor Verrat. Egal, ob es sich um einen Seitensprung, illoyales Verhalten oder nicht gehaltene Versprechen handelt. Denn Fehler sind verzeihbar, Verrat aber entzieht einer Beziehung das Fundament. Das wieder aufzubauen, ist sehr, sehr schwer."

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Wie soll unsere Beziehung in zehn Jahren aussehen? Vielleicht eine der wichtigsten Fragen. Kann man seine Ansprüche und Wünsche an die Beziehung klar formulieren? Was ist man selbst bereit, dafür zu investieren? Wo lehnt man sich zurück und hofft, dass der Partner die eigenen Wünsche erfüllt und umsetzt? Decken sich die Ziele und Wünsche? Antoine de Saint Exupery meint: „Liebe ist nicht wenn wir uns gegenseitig in die Augen schauen, sondern wenn wir gemeinsam in dieselbe Richtung schauen“.

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Was trage ich dazu bei, um die Beziehung zu stärken? Nein, es geht nicht das gekochte Abendessen. Auch nicht darum, wann der Müll das letzte Mal runter getragen wurde. Es sind Komplimente und Anerkennung, eine wertschätzende Kommunikation, die Beziehungen stabilisiert. Moshammer-Peter: "Wir melden unserem Partner viel zu selten zurück, was wir an ihm lieben und schätzen." Der renommierte amerikanische Paarforscher John Gottman hat eine einfache Formel für gelingende Kommunikation aufgestellt. Sie besagt, dass für jede Kritik fünf positive Signale, wie Komplimente, ein Lächeln, Körperkontakt usw. gesendet werden müssen, um eine Beziehung stabil zu halten. Auch gemeinsame Rituale sind wichtig, um die Liebe am Leben zu halten.

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Was weiß ich über dich? Glückliche Paare wissen über die wichtigen Dinge im Leben des Partners Bescheid. Was bewegt ihn zur Zeit, was macht ihm Angst, was freut ihn? Kleine Aufmerksamkeiten wie ein Mitbringsel vom Einkauf sind ein sichtbarer Ausdruck dieser Haltung. Dabei ist der materielle Wert völlig unwichtig, es geht darum, den anderen erkannt zu haben.

Liebes-Tipp: Beantwortet diese Fragen regelmäßig. Sie dienen der Überprüfung, wo man in seiner Beziehung gerade steht. Dann beantwortet die Fragen stellvertretend für euren Partner. Noch besser, wenn er die Fragen selbst beantwortet und ihr die Ergebnisse bei einem Spaziergang abgleicht. Ihr werdet staunen, was sieben einfache Fragen auslösen können.

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