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Beziehung: Hör auf, dich zu verteidigen!

"Aber ich wollte nur....!" Beziehungskrach. Du fühlst dich angegriffen, du startest deine Verteidigung. Warum du genau das nicht mehr machen solltest.

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Beziehung: Hör auf, dich zu verteidigen!

Beziehung bedeutet Arbeit. Auch wenn wir das nicht gerne hören.

© Corbis

Wie immer. Wirklich WIE IMMER. "Ich mach' mir immer Gedanken, was wir am Wochenende unternehmen könnten. Von dir kommt NIE ein Vorschlag." Dein Freund schaut dich an. "Aber ich habe doch vor zwei Wochen eh gesagt, dass wir mal raus zu meinen Eltern fahren könnten." Du stöhnst. "Zu deinen Eltern???? Jetzt ehrlich! Das ist nicht das, was ich mir unter einer tollen Wochenend-Unternehmung vorstelle." Er schaut dich groß an: "Ich dachte, du magst meine Eltern! Ich hab's doch nur nett gemeint." Außerdem: Es wäre bei Gott nicht so, dass immer alle Ideen nur von dir kämen. Und sowieso: DU würdest ja auch nicht so Wahnsinns-Vorschläge aus dem Hut zaubern.

Es ist ein Klassiker. Einer der Partner hat Bedürfnisse. Er wünscht sich mehr Action, mehr Zweisamkeit, mehr Ruhe, tägliche Anrufe, neue Romantik, mehr Sex ... Der andere aber nicht. Anfangs, wenn die Verliebtheit noch alles in einem rosaroten Nebel verdeckt, führt diese Unterschiedlichkeit zu keinen Problemen. Man findet heraus, dass der andere anders tickt. Meistens kann man ganz gut damit umgehen.

Aber irgendwann hat man das Gefühl, dass der Partner die eigenen Wünsche so überhaupt nicht wahrnimmt. Sich gar nicht anstrengt oder bemüht, damit man auch mal happy ist. Es kommt zur Diskussion, im schlimmsten Fall zum Streit. Einer klagt an. Der andere wehrt sich.

Ein völlig natürlicher Prozess. Nur leider: Die Verteidigungsrede bringt gar nix. Zumindest trägt sie nichts zur Konfliktlösung bei.

Denn im Grunde versteht der Partner deine Klagen ja. Aber er will auch gut vor dir dastehen, er will dich nicht enttäuschen. Deshalb rechtfertigt sich, verteidigt sich, bringt Argumente vor – nur um dir klarzumachen, dass er doch nicht ganz so schlecht und schrecklich ist, wie du es gerade empfindest.

Dieses Muster betrifft fast alle Beziehungen. Der Frust und die unerfüllten Wünsche des einen bedrohen den anderen. Man fühlt sich auf der Anklagebank und startet ein Plädoyer mit Indizienbeweisen seiner Unschuld, um sich zu entlasten.

Und hier beginnt das Problem. Was der Partner dann wiederum als Ausflucht und Abwehr erlebt und so das Gefühl bekommt, seine Unzufriedenheit hätte keine Berechtigung. Je mehr sich der eine wehrt, desto weniger hat der andere das Gefühl, dass seine Nöte und Wünsche gehört und wahrgenommen wurden. Es kommt zum ernsthaften Konflikt.

Was kann man tun?

In Wahrheit gibt es nur eines: Man muss aufhören, sich vehement zu verteidigen und zu wehren, selbst wenn man sich auf der Anklagebank fühlt. Sondern sich lieber öffnen und darüber sprechen, was in uns vorgeht und vorgegangen ist. Dann kann der Partner sehen und verstehen. Nur so erfährt er, dass wir sein Anliegen verstehen und wahrgenommen haben. Dass es uns eben nicht gleichgültig ist.

Bei oben beschriebenen Vorwürfen könnte dein Freund auch sagen, dass er manchmal einfach keine Idee hat. Oder dass er das Gefühl hat, du machst es besser und auch lieber. Dass er das aber gerne das nächste Mal macht. Es ihm aber helfen würde, wenn du ihm sagst, was dir am meisten Spaß machen würde. Ein Restaurantbesuch. Kino. Wandern. Denn so wandle er im Trüben und geht davon aus, dass der Besuch bei den Eltern schon Event genug sei....