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Beziehung: Warum tut er sich so schwer mit mir zu reden?

Es ist leider nicht nur ein Klischee: Viele Männer ziehen sich lieber zurück, als Probleme in einer Beziehung auszudiskutieren. Warum ist das so und wie kann man das besser machen?


Beziehung: Warum tut er sich so schwer mit mir zu reden?
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"Ich liebe meinen Mann, aber die Kommunikation ist furchtbar!"

"Ich bin 40, mein Partner ist 53 Jahre alt. Wir haben einiges gemeinsam und lachen viel zusammen. Unser großes Problem ist aber, dass wir gerade bei dem wichtigsten Punkt, Kommunikation, total verschieden sind.

Ich bin sehr selbstbewusst und sage ehrlich, direkt heraus, was ich denke. Er ist genau das Gegenteil. Er scheut jede Konfrontation, verlässt einfach im Gespräch den Raum und ist bei jedem kleinen Ding ein bisschen trotzig, bockig und beleidigt. Wenn ich ihn kritisiere, sind es nie Kleinigkeiten, sondern Dinge, die mich verletzen.

Ich versuche, nicht immer zu jammern, aber irgendwann platzt es aus mir raus. Er wird sofort aufbrausend und macht komplett zu. Er sieht die Dinge, die mich belasten, wohl als unwichtig an und versucht nicht, meine Seite zu verstehen. Er redet dann oft tagelang nicht mit mir und ist ignorant, was für mich sehr schlimm ist. Ich bekam nie Liebe, auch nicht im Elternhaus. Seine Kälte ist eine sehr große seelische Belastung für mich. Neben seinem Haus hat er noch eine Wohnung in dem Ort, in dem er arbeitet, und da bleibt er dann einfach schmollend, ohne ein Wort die komplette Woche, und ich sitze allein in dem leeren Haus.

Ich habe zuvor noch nie einen Menschen so sehr geliebt wie ihn. Erst durch ihn habe ich Freude am Sex entdeckt. Ich fühle mich extrem zu ihm hingezogen. In seinen Armen fühle ich mich geborgen und angekommen, und wenn er mich anlächelt, bin ich glücklich. Ich möchte uns so ungern aufgeben."

Der Rat des Experten:

Der Paar-Berater, Psychologe und Autor Dr. Michael Schmitz kennt sich aus mit Beziehungen und berät realistisch, aus männlicher Sicht sowie mit viel Herz.

Dr. Schmitz: Männer blockieren oder ziehen sich zurück, wenn sie das Gefühl haben, mit Vorwürfen konfrontiert zu werden, gegen die sie nicht ankommen. Wenn sie meinen, Erwartungen ihrer Partnerin nicht erfüllen zu können, obwohl sie sich (nach eigener Auffassung) doch sehr bemühen. Dann ziehen sie eine Abwehrmauer hoch und verschwinden dahinter, um sich vor - wie sie es empfinden - ungerechten Attacken zu schützen. Dann fühlt sich die Partnerin erst recht unverstanden, abgelehnt, ungeliebt.

Wenn Frauen mit dieser Enttäuschung umso heftiger gegen die Mauer anrennen, setzen die Männer umso stärker auf Abwehr - und umso mehr tut den Frauen das Anrennen weh. Letztlich sind beide voneinander enttäuscht. Beide sind traurig, verletzt und ratlos. Beide fühlen sich nicht geliebt. Beide fühlen sich als Opfer. Und beide haben daran ihren Anteil.

Versuch über das, was dich schmerzt, mit deinem Partner so zu sprechen, dass er es möglichst nicht als Anklage empfindet. Beschreibe, wie es dir geht - ohne ihm die Schuld dafür zu geben. Frag ihn, was in ihm vorgeht, wenn es - wie du sagst - aus dir "herausplatzt". Redet über Bedürfnisse und Wünsche, ohne euch Vorwürfe zu machen. Und ohne voneinander zu erwarten, dass die andere/der andere immer alle Bedürfnisse und Wünsche erfüllen muss.

Könnte es sein, dass ihr beide sehr verletzlich seid? Und nicht so selbstbewusst, wie du es gerne wärst? Dann solltet ihr euch das zugestehen und vorsichtiger miteinander umgehen, euch in Situationen, in denen es "knirscht", gegenseitig daran erinnern, was ihr aneinander habt.

Schenkt, was euch Freude bereitet, mehr Aufmerksamkeit. Dann könnt ihr euch beide mehr Freude bereiten. Ihr meint es doch beide gut miteinander! Wenn ihr es allein nicht gut schafft, könnte eine Therapie hilfreich sein, in der ihr genauer betrachtet, mit welchen Kommunikationsmustern ihr euch gegenseitig das Leben schwer macht.


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