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Keine Bange: Beziehungsangst ist total normal!

Egal, ob in einer langen oder einer frischen Partnerschaft: Beziehungsangst kann immer wieder auftreten. Die Ursachen, die Symptome - und was hilft.

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Keine Bange: Beziehungsangst ist total normal!
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Plötzlich ist da Unbehagen. Oder besser noch: Unsicherheit. Wenn Beziehungsangst auftritt, dann können die Ursachen vielfältig sein: Mangelndes Vertrauen, die Angst vor dem Verlassenwerden, die Sorge, dass die eigenen Gefühle nicht ausreichen oder nicht erwidert werden ... Ob Selbstschutz oder was auch immer der Grund ist: Plötzlich sind da Sorgen, die vorher nicht da waren.

Beziehungsängste können in frischen Beziehungen genauso auftreten wie in langen. Das Blöde: Kaum leidet man darunter, zeigt man alle Verhaltensweisen, die einen Partner wegschieben. Und treibt so die Bestätigung der eigenen Ängste voran.

Wie heilt man Beziehungsängste?

Zunächst mal muss man akzeptieren, dass die Beziehungsängste nichts ungewöhnliches, sondern normal sind. Jeder leidet mal darunter – mit mehr oder weniger heftigen Ausschlägen. Das ist der erste Schritt, um die Ängste auf einem überschaubaren Niveau zu halten.

Zu einem übermächtigen Problem werden Beziehungsängste, wenn sie das komplette Leben durcheinanderwirbeln, man sich nicht mehr konzentrieren kann, impulsiv und unkontrolliert handelt, man unter schrecklichem Liebeskummer, Traurigkeit, Motivationsproblemen und Müdigkeit leidet.

Symptome: Wenn die Beziehungsängste übermächtig werden

Woran erkennt man eine Beziehungsangst, die schädlich für dich und deinen Partner wird?

Wenn...

  • ...man den Partner beispielsweise 20mal hintereinander anruft, weil man Angst hat, ihn aus den Augen zu lassen.
  • ... man voreilige Schlüsse aus dem Verhalten des Partners zieht und zum Beispiel einen fehlenden "Guten Morgen"-Kuss als Liebesentzug bewertet.
  • ...man den Social Media-Account des Partners stalkt und ihn für jedes Like zur Rede stellt.
  • ...man extrem klammert und jede Sekunde Kontrolle über den Partner möchte.
  • ...man sofort emotional distanziert reagiert, wenn der Partner sich nicht so verhält, wie man es erwartet.
  • ...man den Partner beschuldigt, Dinge getan zu haben, für die man eigentlich keine Beweise hat.

Dieses kontraproduktive Verhalten hat durchaus seinen Grund: Die Panik nimmt in diesen Momenten ab. Kurzfristig. Um die Beziehungsängste langfristig zu lösen, muss man die eigentliche Ursache identifizieren.

Was sind die Ursachen für Beziehungsängste?

Beziehungsängste entstehen meist durch Bindungsmuster, die sich schon in der frühen Kindheit entwickelt haben. Abhängig von der Konsistenz der Beziehungsperson lernt ein Kind, seine emotionalen und körperlichen Bedürfnisse auszudrücken oder zu unterdrücken. Nur ein Beispiel: "Wenn ich weine und trotze kommt jemand und umarmt mich und zeigt mir, dass er mich lieb ab." Solche Mechanismen mögen in der Kindheit funktionieren, im Erwachsenenalter wirken sie sich eher negativ aus.

Wenn du diese Muster aufdeckst, ist ein erster Schritt zur Heilung gemacht.

Wie bewältige ich Beziehungsängste?

Wie gelingt es, das negative Kopfkino abzustellen und die Beziehungsängste wieder auf ein halbwegs normales Maß zu schrauben?

1

MACH SPORT. Das klingt so völlig banal, ist aber tatsächlich extrem heilsam, wenn dich die negativen Gedanken überrollen. Denn Sport erhöht die Produktion des Glückshormons Serotonin, dazu werden Entspannungshormone freigesetzt. Du fühlst dich automatisch besser, selbstbewusster und ausgeglichener. Der falsche Weg: Dich zu isolieren und keine Bewegung zu machen.

2

PROGRAMMIERE DICH AUF OPTIMISMUS. Versuche, dich auf die positiven Aspekte zu konzentrieren ("Mein Partner hat unseren Urlaub geplant." "Wir wollen zusammenziehen."). Rede viel darüber, was an deiner Beziehung gut ist und Stabilität signalisiert. Sonst gerätst du in eine Negativ-Spirale, die deine Ängste nur noch verstärkt.

3

DU BRAUCHST EINEN PUFFER. Wer unter Beziehungsangst leidet, befindet sich in einem emotionalen Ausnahmezustand. Er handelt situativ und nicht mehr überlegt – was man später meist bereut. Nimm dir immer eine Auszeit, wenn du merkst, dass du hochkochst. Mach' Sport, triff eine Freundin, programmiere deine Gedanken (siehe oben) positiv statt negativ. Erst dann setze Handlungen.

4

LERNE ENTSPANNUNGSTECHNIKEN. Beziehungsängste können regelrecht lähmend sein. Eifersucht, Wut, Panik – all das blockiert uns. Lerne Entspannungstechniken wie autogenes Training oder Meditation, damit du weniger aufgewühlt bist und wieder klarer denken kannst.

5

SUCH DIR HILFE. Wenn du merkst, dass deine Beziehungsangst übermächtig ist und dein Leben kontrolliert, dann solltest du professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Ein Psychologe oder Therapeut kann dir helfen, die tief verborgenen Ursachen für deine Ängste aufzuspüren und sie mit dir zu bewältigen.