Ressort
Du befindest dich hier:

Beziehungsstress an Weihnachten? Stop it!

Besinnliche Zeit? Ähm... Viele Paare streiten eher anstatt die Adventszeit zu genießen. Dieser Coach erklärt, warum Weihnachten für die Beziehung gefährlich werden kann und wie wir aus der Frustfalle kommen.

von

Beziehungsstress Weihnachten

Schnell wird Weihnachten zur Frustzeit...

© istockphoto.com

Weihnachten ist für viele Paare und Familien kein Fest der Liebe sondern geprägt von Streit, Stress und Frust. Knapp nach den Feiertagen herrscht Hochkonjunktur bei Paarcoaches und Familienpsychologen. Der Wiener Beziehungscoach Dominik Borde erklärt, was man dagegen tun kann.

Warum stresst uns Weihnachten so?

Warum Paare jetzt so viel streiten? Der Grund ist schlicht zu hohe und zu unterschiedliche Erwartungen an die schönste Zeit im Jahr. Wir alle wünschen uns sehnsüchtig den Zauber, den Weihnachten für uns als Kinder hatte. Und versuchen, das perfekte Weihnachten zu inszenieren. Aber was ist das perfekte Weihnachten? Viele Paare sind sich bereits bei der Frage uneins, wie, wo und mit wem Weihnachten gefeiert werden soll. Und – auch nicht unwichtig – was gegessen werden soll. Dazu kommt, dass Weihnachten meist die ganze Familie vereint ist, um gemeinsam zu feiern. Die ungewohnte Nähe birgt enormes Konfliktpotential. Und für die jeweiligen Gastgeber ist die Vorbereitung des Festessens nicht nur zeitintensiv, sondern mitunter ein Schaulauf, für den es gute Nerven braucht. Wenn die Schwiegermutter die Gans lobt, sich aber den Seitenhieb nicht verkneifen kann, dass die Sauce zu fett ist, der Neffe als Vegetarier ohnedies nur Beilagen isst und die Mutter es schade findet, dass die Tochter mit der Familientradition Würstchen gebrochen hat, dann zerrt das am ohnedies meist schon dünnen Nervenkostüm.

Beziehungsstress Weihnachten

Was kann man jetzt konkret gegen Weihnachtsstress tun?

Alles auf den letzten Drücker zu erledigen, stresst ungemein. Da können die Nerven schon mal blank liegen und Konflikte um scheinbare Nichtigkeiten ausbrechen. Macht euch gemeinsam am besten schon jetzt Gedanken, wie ihr Weihnachten verbringen möchtet und wie ihr Familie, Freunde und Job unter einen Hut bringt. Und schraub deine Erwartungen herunter. Weihnachten muss nicht perfekt sein. Du musst kein mehrgängiges Menü aus dem Hut zaubern, wenn du keine Lust darauf hast. Du musst keinen Wettbewerb um die besten Kekse, den schönsten Weihnachtsbaum, die idyllischste Familie, das witzigste Familienfoto oder den perfekten Weihnachtschor gewinnen. Viel wichtiger als diese Äußerlichkeiten ist doch, dass du und dein Partner entspannt die Feiertage genießt. Befreie dich von dem Druck des Müssens. Kreiere stattdessen dein eigenes Weihnachten so, wie es für dich und deinen Partner am besten passt. Du möchtest lieber den Raclettegrill anwerfen als einen Truthahn zu braten? Oder den Heiligen Abend nur im kleinen Kreis mit Partner und Kindern feiern und erst am 25. zum Familienfest einladen? Oder lieber die Familienfeste auf verschiedene Tage aufteilen, weil sich Eltern und Schwiegereltern nicht grün sind? Dann stehe zu deinen Wünschen. Es bedarf zwar sicher einiger Diplomatie, um diese Wünsche umzusetzen, aber es lohnt sich. Für dich und – solltest du Kinder haben – auch für deine Kinder. Denn Kinder ist es nicht wichtig, was es zu essen gab. Aber sie erinnern sich an die Stimmung zu Weihnachten, ob es immer Streit gab oder ob es ein lustiges, entspanntes Familienfest war.

Was sind die größten Streitthemen zu Weihnachten?

Die meisten Paare streiten darüber, wie und mit wem sie Weihnachten verbringen wollen, dicht gefolgt von der Dekoration und dem Christbaum. Und auch das Festessen selbst hat Konfliktpotential. Truthahn, Gans oder doch Würstchen? Darüber sind schon heftigste Streitigkeiten entbrannt. Ebenfalls ein Streitrisiko: Geschenke. Eigentlich sollen sie ja Freude bereiten, doch gut gemeint ist in vielen Fällen nicht gut gemacht. Viele Menschen haben zu hohe Erwartungen an ein Geschenk. Sie sind der Meinung, ihr Partner kenne sie gut genug, um ihre Wünsche zu erraten oder messen die Liebe am finanziellen Wert eines Geschenkes. Und zu guter Letzt stressen sich noch viele Paare damit, dass sich in dem ganzen Weihnachtstrubel nicht die ersehnte Romantik und Lust aufeinander einstellen will. Statt Sex gibt es Streit, statt Liebe Frust, statt Freude abweisende Gesichter, statt anregender Gespräche gehässige Bemerkungen.

Beziehungsstress Weihnachten

Ist Streit zu Weihnachten der Anfang vom Ende einer Beziehung?

In vielen Familien ist Streit zu Weihnachten an der Tagesordnung. Durch die aufgeheizte Atmosphäre aus hohen Erwartungshaltungen, Stress und ungewohnter Nähe brechen bereits schwelende Konflikte leichter aus. Weihnachten ist hier nur der Katalysator, der den Konflikt entzündet. Das heißt nicht, dass die Beziehung prinzipiell nicht stimmt. Viele Paare haben die Erwartungshaltung, dass Streit und Weihnachten nicht zusammenpasst. Und sind furchtbar enttäuscht, wenn sie dann doch streiten und empfinden den Konflikt als besonders belastend. Aber so wie Streit auch im normalen Beziehungsalltag eine Chance ist, etwas zu verändern, genauso muss auch ein Streit zu Weihnachten abgearbeitet werden. Der Streit selbst ist noch nicht das Drama, das machen wir uns erst selbst. Also tief durchatmen, Nerven bewahren und nach dem ganzen Familientrubel nochmals in Ruhe darüber reden, wie ihr gemeinsam in Zukunft die Dinge, die ihr als störend, belastend oder kränkend erlebt habt, vermeiden können.

Weihnachten im Patchwork – wie umgehe ich Stolperfallen?

Die essentielle Frage für ein entspanntes Weihnachtsfest ist, wie und mit wem feiere ich? Das ist für jede Familie ein heikles Thema, für Patchworkfamilien umso mehr. Nicht alles am letzten Drücker zu erledigen, sondern rechtzeitig mit der Planung beginnen. Und gemeinsam überlegen, wie Kinder und Expartner, Eltern und Schwiegereltern unter einen Hut zu bringen sind. Denn: Zusammen feiern sollte prinzipiell nur, wer sich gut versteht. Bei Expartnern würde ich sogar noch einen Schritt weitergehen. Zusammen feiern sollten die Ex nur, wenn für beide Teile die Trennung klar abgeschlossen ist und ihnen egal ist, mit wem der andere Sex hat. Sonst wird Weihnachten unter Garantie zu einem bedrückenden Ereignis. Außerdem bitte die Erwartungen zurückschrauben. Es muss nicht ein perfektes Weihnachten sein. Und es muss vor allem nicht besser sein als vorher. Weihnachten ist kein Wettbewerb um die schönsten Kekse, die witzigsten Fotos, das beste Essen oder den originellsten Christbaum. Viel wichtiger ist, dass die neue, alte Familie gemeinsam ihre eigenen Rituale findet und ohne Stress feiern kann.

Dominik Borde - Beziehungscoach

Dominik Borde ist führender Beziehungscoach und Gründer des Unternehmens Sozialdynamik. Dominik Borde ist selbst vierfacher Vater und glücklich in einer Beziehung. www.sozialdynamik.at.