Ressort
Du befindest dich hier:

Billie Eilish: "Wenn alle Leben wichtig sind, warum werden schwarze Menschen getötet, weil sie schwarz sind?"

George Floyd ist das jüngste schwarze Opfer von Polizeigewalt in den USA. Und nicht nur auf den amerikanischen Straßen wird gegen den systematischen Rassismus protestiert. Auch berühmte Persönlichkeiten nutzen ihren Einfluss auf Social Media.

von

black lives matter
© iStock

Letzte Woche kam George Floyd im amerikanischen Minneapolis durch die Hand eines Polizisten zu Tode. Einer von vier Beamten hatte dem 46-Jährigen minutenlang das Knie in den Nacken gedrückt und auch nicht damit aufgehört, als der Mann gut hörbar "I can't breathe!" rief. Dieser Satz ist nach dem Tod von Floyd zum Slogan der Protestbewegung geworden. Denn in vielen Städten Amerikas gingen und gehen die Menschen auf die Straße, um gegen den systematischen Rassismus der Gesellschaft und der Polizei zu demonstrieren.

Doch die Debatte wird nicht nur im wirklichen Leben ausgetragen, sondern auch in den sozialen Medien. Dort nutzen mittlerweile viele berühmte Persönlichkeiten ihre Reichweite, um für die gute Sache zu kämpfen. Allen voran die 18-jährige Sängerin Billie Eilish. Sie hat in einem wütenden Instagram-Posting den "All Lives Matter"-Slogan zerrissen. Dieser Spruch gilt als "Antwort" auf die "Black Lives Matter"-Bewegung und gleichzeitig deren Kritik. Warum der Slogan aber so toxisch ist, erklärt Eilish treffend in ihrem Posting: "Stell dir vor, dein Freund hat sich am Arm geschnitten. Gibst du dann all deinen Freunden ein Pflaster, weil ihr Leben genauso viel wert ist? Nein. Natürlich nicht! Du verarztest den Freund, der sich wehgetan hat. Oder wenn ein Haus in der Nachbarschaft brennt: Rufst du dann die Feuerwehr, um alle Häuser zu löschen? Nein!"

"Es dreht sich nicht immer alles um uns."

Außerdem thematisierte Eilish in ihrem Posting das Weißsein als Privileg. Man solle sich bewusst werden, dass man als weißer Mensch von Geburt an privilegierter sei als Menschen anderer Ethnizität. "Du kannst arm sein, dir kann es schlecht gehen. Und trotzdem führt deine Hautfarbe dazu, dass du es besser in unserer Gesellschaft hast. Auch, wenn du das gar nicht aktiv bemerkst. Das bedeutet nicht, dass du besser bist als die anderen. Das bedeutet nur, dass du dein Leben einfach leben kannst, ohne, dass deine Hautfarbe dir im Weg stehen wird."

Und Eilish ist nicht die einzige, die sich zu dem Thema geäußert hat: Beyoncé, "Star Wars"-Darsteller John Boyega, Filmemacherin Ava DuVernay sowie die MusikerInnen Chance the Rapper, Pink, Ariana Grande – sie alle und noch viele mehr protestieren zumindest Online gegen die Polizeigewalt. Und wer heute, am Dienstag, auf Instagram war, wird die vielen schwarzen Quadrate entdeckt haben. Sie laufen unter den Hashtags #Blackout und #Blackouttuesday und sollen einen visuelle einheitlichen Protest symbolisieren. Auch steht der "Blackout Tuesday" für einen Streik der Musik- und Entertainmentindustrie. Laut den Musikproduzentinnen Jamila Thomas und Brianna Agyemang, die den Streik ausgelöst haben, soll der Tag genutzt werden, um sich mit der eigenen Community in Verbindung zu setzen und gemeinsam zu kämpfen.

Auch in Europa hat der Tod von Floyd Proteste ausgelöst. So wurde etwa am Sonntag in Berlin und in London demonstriert. Ebenso soll in Wien am Donnerstag eine Kundgebung gegen Rassismus und Polizeigewalt stattfinden. Laut den OrganisatorInnen dürfen auch in Österreich diese Morde nicht unkommentiert gelassen werden: "In Österreich denken wir an die Gewalt gegen Marcus Omofuma, der von österreichischen Polizisten getötet wurde, indem sie ihm während einem Flug von Wien nach Sofia seinen Mund sowie Teile seiner Nase zuklebten und er dadurch erstickte. Wir erinnern uns auch an Richard Ibekwe oder an das Video vom Rapper T-Ser." Man solle gemeinsam und solidarisch – und mit Mund-Nasen-Schutz! – gegen den Rassismus aufstehen.