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Handy & Computer: Ist künstliches und blaues Licht wirklich so schädlich?

Es gibt im Leben den Takt an. Doch in der dunklen Jahreszeit haben wir viel zu wenig natürliches Licht. Künstliches dafür umso mehr. Was das mit uns macht und warum das blaue Leuchten von Computern und Screens so schädlich ist, fragten wir Experten.

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Handy & Computer: Ist künstliches und blaues Licht wirklich so schädlich?

Das Ausmaß der Helligkeit und die Art der Leuchtquelle wirken sich auf unseren gesamten Organismus aus.

© Photo by Josh Hild on Unsplash

Der Mensch ist ein Lichtwesen. Nein, keine Sorge, das wird jetzt kein esoterischer Text über himmlische Sphären. Es bedeutet schlicht, dass unser Organismus auf das natürliche Leuchten der Sonne angewiesen ist. Das ist nämlich unser wichtigster Taktgeber. Es regelt den Schlaf-Wach-Rhythmus, Hungergefühle, wirkt sich mit Vitamin D auf die Gesamtgesundheit aus und ist extrem wichtig für die Laune - was wir sofort spüren, wenn wir derzeit aus dem Fenster blicken. Grau in Grau präsentiert sich da der Himmel. Die Sonne gefällt sich in der Rolle der Mimose und erscheint nur allzu selten auf der Bildfläche. Rund 3.500 Lux - die Stärke, in der das Licht gemessen wird - bekommt unser Organismus da in etwa ab, wenn wir uns überhaupt nach draußen begeben.

Im Vergleich dazu holt er sich an einem sonnigen Sommertag zwischen 50.000 und 100.000 Einheiten. Doch bei den aktuellen Verhältnissen halten wir uns am liebsten drinnen auf. Und künstliche Beleuchtung versorgt uns nur noch mit 50-500 Lux. Dazu kommt, dass der Anteil an Blaulicht im Verhältnis sehr hoch ist - mit Folgen für Tagesrhythmus, Augen und Haut. Wir haben Experten gefragt, wie Licht genau in uns wirkt, wann die künstliche Variante problematisch ist und wie man am besten damit umgeht.

Die Wirkung von (blauem) Licht auf unseren Körper

Was ist Licht überhaupt?

Physikalisch gesehen handelt es sich dabei um eine elektromagnetische Welle. Unser Auge sieht den Bereich zwischen 380 und 750 Nanometer. Wellenlängen unter 380 (Ultraviolett) und über 750 (Infrarot) sehen wir nicht mehr, trotzdem haben sie massive Auswirkungen auf uns. "Die Wellen treffen auf unsere Augen, von dort gibt es zwei Wege ins Gehirn. Der eine ist der Sehnerv, der uns mit Bildern versorgt. Der zweite geht über ein Fotopigment in den Nervenzellen des Auges, das Melanopsin, und nimmt die Umgebungshelligkeit wahr. Diese Information geht direkt ins Zwischenhirn und von dort abwärts in das vegetative Nervensystem. Das sieht oder merkt man nicht, aber der Körper reagiert. Jede Zelle, jedes Organ, jede Nervenbahn wird dadurch getriggert", erklärt Karl Albert Fischer vom Institut für Licht und Farbe (lichtundfarbe.at). Er berät bei der Gestaltung der Beleuchtung öffentlicher Gebäude wie Krankenhäuser, Kindergärten und Schulen. Und er weiß: "Leuchtkörper sind nicht nur wesentlich dunkler als die Sonne, sie haben meistens auch einen sehr hohen Blauanteil."

Was bedeutet Licht mit einem hohen Blauanteil?

Das ist das kalte, helle Licht, das auch in der Natur in der ersten Tageshälfte vorherrscht und dafür sorgt, dass wir munter und aktiv sind. An sich eine gute Sache. Doch draußen geht dieser Teil am Nachmittag zurück, die Rotanteile werden vorherrschend. Zeichen für unseren Organismus, dass er die Aktivität langsam reduzieren kann. Und genau hier entsteht das Problem in Räumen: Die Leuchtquelle verändert sich nicht. Egal ob 7 Uhr morgens oder 10 Uhr am Abend, der Blauanteil ist immer gleich stark beziehungsweise im Normalfall zu hoch. Dazu kommt noch der Einfluss von Bildschirmen und Screens, die zusätzlich zum vielen Blau meistens auch noch flickern. Das stört unsere innere Uhr nachhaltig. "Hier besteht aktuell eine enorme Herausforderung für die Beleuchtungsindustrie", meint Fischer, "denn die herkömmliche Glühbirne hat zwar alle Spektralfarben ausgestrahlt und so die Sonne am besten imitiert. Aber sie hatte auch einen enormen Energieverbrauch. Die Energiesparlampe hat dieses Problem im Griff, dafür fehlen ihr die Rotanteile. Derzeit wird intensiv an LED-Leuchten geforscht, die die gesamte Bandbreite des Spektrums abbilden können."

Wirkung: Wann wird blaues Licht problematisch?

Nicht nur die innere Uhr, auch unsere Augen werden in Mitleidenschaft gezogen. Optiker warnen vor einer wahren Kurzsichtigkeits-Epidemie. "Sichtbares blauviolettes Licht wird vom Auge nicht gefiltert, es dringt bis zur Netzhaut vor. Bekommen die Augen zu viel davon ab, kann sie das schädigen", erklärt Anton Koller, Bundesinnungsmeister der Augenoptiker. Das kann zu Binde- sowie Hornhautentzündungen führen, Augenlinse und Netzhaut schädigen. Abhilfe schaffen spezielle Filter in Brillengläsern. Ein weiteres Problem, das vor allem durch die vermehrte Nutzung von Bildschirmen entsteht, ist die zunehmende Kurzsichtigkeit. Kinder und Jugendliche sind hier besonders betroffen."Wenn wir ständig nur in der Nähe schauen, erschlafft der Augenmuskel, der Wechsel zwischen dem Sehen in der Nähe und in der Ferne klappt nicht mehr so gut. Dazu blinzeln wir weniger, das Auge trocknet aus und ist entzündungsanfälliger", warnt der Optiker. Sein Lösungsansatz: regelmäßige Pausen und Übungen für den Augenmuskel.

Was macht künstliches Licht mit unserer Haut?

Und noch ein Bereich reagiert problematisch auf falsche Leuchtmittel: unsere Haut. "Die biologischen Eigenschaften des blauen Lichts im Spektrum sind ähnlich den UVA- und UVB-Strahlen und können deshalb in tiefere Schichten vordringen", weiß Veronika Lang, medizinische Direktorin bei L'Oréal. "Dort können sie Entzündungen auslösen und langfristig die Haut schädigen. Noch kennen wir keine Langzeitauswirkungen, da diese extreme Blaulichtbelastung ein relativ junges Phänomen ist. Doch alles scheint darauf hinzuweisen, dass es den Alterungsprozess der Haut beschleunigt." Sie empfiehlt deshalb eine Tagespflege mit Lichtschutz, Vitaminen und Antioxidantien, die die Haut aktiv bei der Regeneration unterstützt.

RICHTIGER UMGANG MIT LICHT

1. Natürliche Quellen.

Tageslicht ist das Allerbeste. Gehen Sie deshalb so viel wie möglich raus, auch im Winter. An einem schönen Tag zwischen 10 und 15 Uhr bekommen wir immerhin bis zu 20.000 Lux ab. Das taktet die innere Uhr richtig.

2. Die Augen schützen.

Das Licht von Computerbildschirm und Smartphone-Screen hat einen starken Blauanteil und flackert auch noch. Viele Handys und Desktops haben mittlerweile einen Blaufilter integriert. Zusätzlich gibt es spezielle Brillen, deren Gläser die blauen Wellen neutralisieren. Und vor dem Schlafen Geräte rechtzeitig abschalten!

3. Augen entspannen.

Das langen Starren auf Bildschirme lässt den Augenmuskel erschlaffen. Deshalb regelmäßig pausieren, bewusst in die Ferne schauen. Zehn Sekunden lang blinzeln. Abwechselnd nahe und ferne Objekte fokussieren.

4. Antioxidantien schmieren.

Zu viel Blaulicht ist entzündungsfördernd, das kann langfristig auch der Haut schaden. Spezielle Produkte mit Antioxidantien unterstützen die Haut beim Reparieren.