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Was passiert, wenn Bloggerinnen 3 Tage offline sind?

Zwei Bloggerinnen, drei Tage ohne Social Media: Für WOMAN haben die zwei Girls das Digital Detoxing gewagt!

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Offline sein
© Photo by Roberto Nickson (@g) on Unsplash

Für WOMAN tauschten die beiden Influencerinnen Verena und Anna für drei Tage Blog gegen Block. Kein Instagram-Feed, keine Facebook-Updates, keine Pinterest-Inspiration. Das klingt ja schon für uns nach kaltem Entzug. Wie müssen sich dann Profis fühlen? Uns berichten die beiden von ihrem digitalen Detox-Erlebnis zwischen Frust und Lust.

Verena Greilinger, 27, hat 18.700 Follower

Die Niederösterreicherin, die im Jänner ihr erstes Baby erwartet, schreibt über Lifestyle- & Reisethemen. Auf Instagram postet sie jeden zweiten Tag Fotos. "Es nimmt sehr viel Zeit in Anspruch, ich schaue auch immer, wie viele Likes ich bekommen habe. Verrückt."

Ganz unrund liege ich auf der Couch. Es ist Montagmittag. Digitaler Entzug, Tag eins. Eigentlich sollte ich mich freuen, weil ich als Lehrerin den Sommer frei habe. Aber ich bin planlos, ja fast schon ein wenig depressiv. Die Wohnung versinkt im Chaos, aber zusammenräumen geht grad gar nicht. Ich fühle mich kraftlos. Wie spät ist es eigentlich? Keine Ahnung. Normalerweise schaue ich auf mein Smartphone. Aber darauf verzichte ich ja die nächsten drei Tage. Genauso wie auf die Laptop-Nutzung und das TV. Und meine Uhr liegt irgendwo im Schlafzimmer. Mühsam schleppe ich mich zum Backofen, die nahegelegenste Zeitangabequelle - zum gefühlt 100. Mal heute.

So, und nun? Was fange ich mit der reich gewonnenen Zeit an? Schließlich verbringe ich ja sonst bis zu sieben Stunden täglich am Handy (Ooops!). Eigentlich hätte ich mir gewünscht, dass mein Mann Thomas bei dem Experiment mitmacht, aber er wollte nicht. Dafür war er gut darin, mein Handy zu verstecken.

Der nächste Morgen: Ein bisschen Entzugserscheinungen hab ich schon noch, aber ich fühle mich total ausgeschlafen. Normalerweise greife ich noch im Halbschlaf zum Handy und scrolle durch den neuesten Instagram-Feed. Irgendwie gruselig. Heute strecke ich mich mal ganz entspannt durch, denn erstens weiß ich eh nicht, wo mein Smartphone liegt, und zweitens freue ich mich auf mein Buch, das verstaubt auf dem Nachtkästchen liegt. Apropos lesen: Heute geht es mir schon viel besser, die Leere ist fast weg, und ich krame die alten Briefe meiner Großeltern hervor. Wie liebevoll sie miteinander geschrieben haben! Hach! Ich chill noch ein bisschen im Garten und gehe dann (wieder mal) mit Odin Gassi. Das ist eine gute Ablenkung - für mich jedenfalls. Könnte mein Hund mit den Augen rollen, wäre das wohl seine Hauptbeschäftigung heute, denn er ist bereits ein bisschen genervt von der Überbeanspruchung. Am Weg sprechen mich zwei meiner Follower auf die Abstinenz an. Am Nachmittag kommt eine Freundin vorbei. Einfach so, ohne davor Hunderte WhatsApp- Nachrichten zu verschicken. Sie läutet an, wie früher. Na gut, so alt bin ich nun auch wieder nicht. Eigentlich gehöre ich zur Generation Handy, ich hatte seit meiner Volksschulzeit eines. Aber egal. Meine Freundin bringt mir eine Zucchini mit. Ich muss kulinarisch improvisieren, weil ich ja auch kein Rezept nachschauen kann. Da merke ich erst, wie abhängig wir bei alltäglichen Dingen vom Internet sind.

Am dritten Tag fühle ich mich komplett ruhig, als hätte es Instagram und Co. nie gegeben. Der Druck ist weg. Mein Hund versteckt sich vor mir, weil ich so viel Energie und Zeit habe. Ich komme ins Grübeln: Einerseits fühlt man sich mit Handy so frei, aber ist es gar nicht. Am vierten Tag drehe ich es wieder auf: Mein WhatsApp quillt mit mehr als 200 Nachrichten über. Social Media zögere ich noch etwas hinaus, das Einzige, worauf ich mich wirklich freue, ist meine Schwangerschafts-App, die mir tägliche Updates zu meinem Baby gibt. Ich werde bald wieder drei Tage auf alle Geräte verzichten. Das nächste Mal mit meinem Mann gemeinsam.

Anna Baier, 32, hat 31.300 Follower.

Die Oberösterreicherin gibt auf ihrem Blog Interior-Tipps, postet kinderfreundliche Rezepte und führt ein Mama- Tagebuch über ihren Alltag mit den drei Kids Olivia, 6, Tim, 4, und Joel, 1. Sie veröffentlicht jeden Tag zwei bis drei Fotos und regelmäßig Stories.

So, mein Projekt, drei Tage lang auf alle Social-Media-Kanäle zu verzichten, startet an einem Freitag. Gleich am ersten Tag trickse ich mich selbst aus, indem ich die Instagram- App einfach auf die nächste Seite am Display platziere. Sobald der Daumen wieder auf den gewohnten Platz rücken will, ermahne ich mich selbst. Zugegeben, das muss ich anfangs sehr häufig. Ich erwische mich auch nur allzu oft, wie ich zum Handy greife und automatisch eine der sozialen Applikationen öffnen will. Aber ich kann nichts dafür, es passiert einfach: Da will man nur schnell eine Einkaufsliste schreiben -und schwupps, wandert der Daumen wieder dorthin, wo er eigentlich übers Wochenende nicht hin darf.

Es ist gewöhnungsbedürftig, aber ein bisschen freue ich mich über die selbst gewählte Auszeit von Instagram, Facebook und Pinterest. Social Media ist Fluch und Segen zugleich. Als Vollblut-Bloggerin geht es heute nicht mehr ohne diverse Kanäle, nur macht mir das Schreiben und Fotografieren für meinen Blog einfach viel mehr Spaß, als Beiträge zu posten, die oft sowieso vom Algorithmus geschluckt werden.

Auf zwei bis drei Uploads komme ich pro Tag. Ob meine Follower mich vermissen werden? Glaube ich kaum, weil ich immer wieder kurze Pausen einlege. Sobald meine Kids vom Kindergarten kommen, lege ich das Handy sowieso immer für ein paar Stunden weg. Aber ich merke dennoch, dass ich jetzt noch viel mehr Zeit habe für sie. Ich bin viel aufmerksamer meinen Kleinen gegenüber. Das Verlangen, nach dem Handy zu greifen, verschwindet nach einem Tag komplett. Ganz nach dem Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn. Ich beschließe: Heute bleibt es mal den ganzen Tag in der Handtasche.

Der zweite Morgen. Immer noch ungewohnt. Oft passiert der morgendliche Griff zum Handy ganz von allein, um den neuesten Insta-Feed zu checken. Jetzt habe ich eben mehr Zeit für ein gutes Frühstück. Ich bin viel aktiver und habe die ganze Zeit über beide Hände frei. Na ja, nicht so ganz bei drei Kindern, aber ich genieße das Hier und Jetzt im Offline-Modus. Was wir als Familie erleben, bleibt nur in meinem Kopf gespeichert, wird heute nicht geteilt. Ein paar Blog-Fotos knipse ich mit meiner Kamera, da muss ich mich ja zum Glück nicht zurücknehmen. Neben meinen Kindern zu arbeiten, bin ich als Selbstständige gewohnt, so auch meine Kleinen. Dennoch nimmt der Part, Content für meine Social- Media-Kanäle zu produzieren, oft viel Zeit ein. Zeit, die ich jetzt ausschließlich meinen drei Kids und mir widme. Das tut gut. Der dritte Tag, ein Sonntag, ist schon richtig gechillt. Die Gewohnheit, im Laufe des Tages mehrmals zum Smartphone zu greifen, ist komplett weg -und auch heute stehen ganz viele tolle Erlebnisse mit der Familie an. Mein Fazit: Ich werde öfter das Handy übers ganze Wochenende weglegen.

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