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"Schau ma mal"-Bloggerinnen Anja und Lena im WOMAN-Talk

Die beiden Bloggerinnen Anja und Lena sind schon lange Freundinnen und haben sich mit ihrem Blog "Schau ma mal" einen Herzenswunsch erfüllt. Wir haben die beiden Mädels zum Gespräch getroffen und so einiges über ihren Blogger-Alltag und ihre Ziele im Leben erfahren.

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blog anja lena schaumamal
© Photo by Anja und Lena/Schaumamal

Anja und Lena, zwei (bald) 24-jährige Freundinnen aus Wien, die sich mitten im Masterstudium befinden, haben sich mit ihrem Blog "Schau ma mal" einen Herzenswunsch erfüllt. Anja studiert Publizistik und Kommunikationswissenschaft an der Uni Wien, Lena studiert Huma Resource Management an der FH Eisenstadt. Warum sie zu Bloggerinnen wurden und was das Besondere an ihrem Blog ist - das haben uns die beiden im exklusiven WOMAN-Talk verraten!

Anja und Lena im WOMAN-Talk

WOMAN: Woher kennt ihr beiden euch?

Anja: Puh.. da wir jetzt schon fast vierundzwanzig Stunden miteinander verbringen und die Gehirnzellen durch so manch gemeinsames Erlebnis auch nicht gerade verschont wurden, ist das eine gute Frage. Kennen gelernt haben wir uns in der Schule. Wir waren von 2007-2012 in der Tourismusschule, besuchten aber nicht dieselben Klassen. Wir haben einen Teil der Pubertät zusammen verbracht, fragwürdige Rituale gegen den ersten Liebeskummer ausprobiert und wundern uns heute über furchterregende Frisur-Experimente von damals.
Lena: Jeder von uns hat seine Macken und in manchen Belangen könnten wir nicht unterschiedlicher sein. Kurz ausgedrückt: Kreatives Chaos trifft auf strukturierte Herzlichkeit.

WOMAN: Wie kam es zu dem Blog?

Lena: Wir befanden uns gerade wieder einmal im Zwiespalt zwischen Erwachsenwerden und trotzdem noch Kind sein. Das Masterstudium war voll im Gange, aber unsere Gedanken auf Weltreise und dann doch wieder bei der Gründung eines eigenen Ladens. Aus wirrem Gerede, ein paar Gläschen Wein später und einer schlaflosen Nacht für mich (Ich bin ohne zehn Stunden Schlaf nicht überlebensfähig) starteten wir das Pilot-Projekt Blog. Die Idee für unseren Blognamen ist uns, um ehrlich zu sein, genauso geschossen, wie alle unseren Ideen für verrückte Abenteuer.
Anja: „Schau ma mal“ ist nicht nur typisch wienerisch, es ist eine Beschreibung der österreichischen Mentalität. Schon der österreichische Schriftsteller Franz Grillparzer brachte das zum Ausdruck: „Es muss was geschehen, aber es darf nix passieren." Wir haben alle Angst vor Veränderung, jammern aber ständig auf höchstem Niveau. „Schau ma mal“ diente uns schon viel zu lange als perfekte Ausrede. Deshalb erschien es uns fast unverschämt das bisheriges Lebensmotto dir nichts mir nichts über Bord zu werfen. Was früher eine ständige Ausrede für alles und jeden war, ist heute unser Ansporn, um nicht ständig am selben Fleck stehen zu bleiben und Dinge aus mehr als einer Perspektive betrachten zu können.

blog anja lena schaumamal

WOMAN: Was ist euch bei eurem Blog wichtig?

Lena: Naja, um unserem Namen und dem dahinterliegenden Ansporn gerecht zu werden, haben wir uns überlegt was wir selber dazu beitragen können. Wir wollten unser Umfeld und den Rest der Welt nicht mehr mit zu hohen Erwartungen konfrontieren und am Ende des Tages jeden anderen dafür verantwortlich machen, wenn wieder mal etwas schief läuft. Wir wollten selbst Verantwortung übernehmen, das gehört ja immerhin zum Erwachsenwerden dazu oder?
Anja: Wir wollen in Zukunft besser hinhören, vor allem dann, wenn jemand anderes etwas zu sagen hat, die schrägsten Dinge ausprobieren, immer auf Entdeckungsreise gehen und hinter all dem auch noch zu hundert Prozent stehen. Das sind unsere Ressorts und darüber schreiben wir.

WOMAN: Was macht euren Blog besonders?

Anja: Als Experten in Essensangelegenheiten oder als die Modeikonen von morgen würden wir uns jetzt nicht bezeichnen. Eigentlich versuchen wir sogar unseren Fokus auf andere Dinge zulegen als den Winterschlussverkauf und die verschiedenen Farbpaletten für unser Augen Make-Up. Wir sind zum Beispiel wahnsinnige Flohmarkt Liebhaber und glauben fest daran dass eine Avocado-Ei Maske Wunder vollbringt. Wir würden uns als außerordentlich menschenfreundlich bezeichnen und unterstützen daher gerne soziale Projekte oder kreieren einfach mal selbst eines. Im Dezember haben wir gemeinsam mit der Moderatorin und Kommunikationsfachfrau Cornelia Ertl den Charity Slam 2016 organisiert, der uns persönlich sehr bewegt und inspiriert hat.
Lena: Außerdem unterstützen wir die Make-A-Wish Foundation Austria als ehrenamtliche Blogger und wollen in Zukunft auch selber Herzenswünsche schwerkranker Kinder erfüllen. Wir sind kritisch mit uns selber, schenken aber anderen gerne Hoffnung und Zuversicht. Auch wenn wir sehr zielstrebig sind, nehmen wir uns selbst nicht zu ernst und können über uns selbst oder unsere aller ersten Instagrambilder lachen. Natürlich freuen wir uns wenn „schau ma mal“ eine Inspiration für andere ist, aber mittlerweile fühlt es sich so an, als wäre der Blog uns selbst die größte Stütze, um das zu tun, was uns glücklich macht und erfüllt

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WOMAN: Wie sieht euer Blogger-Alltag aus?

Anja: Nicht sehr viel anders als unser Alltag davor. Eine der größten Herausforderungen war es wohl zu lernen, das Essen samt Teller nicht gleich zu verschlingen sobald es auf den Tisch kommt, sondern erst mal ein gutes Foto hinzubekommen. Oft haben wir es aber dann nach dem zweiten Versuch sein lassen und einfach ein paar mehr Filter drüber gelegt. Denn dafür reicht unsere Geduld dann doch nicht aus. Wir versuchen Arbeit, Studium, Familie, Freunde und natürlich den Blog unter einen Hut zu bringen, wobei wir das eine oder andere Mal schon an unsere Grenzen gestoßen sind.
Lena: Momentan finden unsere Meetings halt an freien Wochenenden statt oder nach nächtlichen Whats-App Romanen wenn Anja wieder einmal das Bedürfnis hat die gesamten Pläne auf den Kopf zu stellen. Dann muss ich am nächsten Tag statt frühstücken und Kaffee trinken erst mal dafür sorgen, dass Anja von ihrer spirituellen Begegnung mit Mahatma Gandhi zurückkommt. Noch macht es uns unheimlich viel Spaß und Geistesblitze werden auf Servietten oder Taschentüchern festgehalten. Jetzt gerade planen wir einen Frühlings-Flohmarkt für alle Mädels, deren Kleiderschränke explodieren und all jene, die auf der Suche nach neuen Lieblingsteilen sind, die bereits Geschichten erzählen

WOMAN: Was ist euch bei euren Blog-Posts wichtig?

Anja & Lena: Wir zu bleiben. Auch wenn ein Blog immer Veränderungen mit sich bringt und man oft in die Versuchung kommt über Dinge zu schreiben oder sie zu fotografieren, nur weil sie gerade auf Instagram und Youtube gefeiert werden. Was wir wollen sind Emotionen. Was unsere Beiträge oder Bilder bei Followern auslösen, dass wissen wir im Vorhinein selbst nicht. Egal ob ein Rezept, ein kritischer Beitrag über unsere Wohlstandsgesellschaft oder ein persönliches Stockholm Fazit – wir wollen bewegen. Das kann in Motivation enden die Brownies mal selbst zu backen, über das Leben von Obdachlosen in Zukunft anders zu denken oder in Stockholm aus reiner Vorsichtsmaßnahme auf Kanellbullar mit Zimt und Ingwer zu verzichte

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WOMAN: Was sagt ihr generell zum Phänomen "Blogger" bzw. "Blog", das sich in den letzten Jahren so durchsetzen konnte?

Lena & Anja: Was das Phänomen Blog angeht, sehen wir uns eigentlich schon als Oldies in diesem Business. Wir sind im Vergleich relativ spät dazu gestoßen und glauben ja sichtlich immer noch daran, dass Leute lange Texte auch wirklich bis zum Ende lesen. Wie die Omas immer sagen, ist es teilweise auch für uns erschreckend, wie digital unsere Welt geworden ist. Unsere Vorstellungen wie etwas zu sein hat, richten sich ausschließlich nach den Eindrücken, die wir in sozialen Netzwerken täglich präsentiert bekommen. Stehen wir dann selbst am Walk of Fame oder auf der Aussichtsplattform des Grand Canyons, sind wir auf einmal enttäuscht weil das Wetter nicht mitspielt und vor einem auf einmal wild gewordene Menschenmassen toben. Dabei schien auf dem Instabild doch die Sonne und außer der schönen, schlanken Frau war da niemand. Wir leben in Filtern und haben aufgrund falscher Erwartungen verlernt glücklich zu sein. Anstatt den Moment zu leben, setzen wir alles in die Vorbereitungen und Perfektionierung dieses Moments und letztendlich verpassen wir ihn.

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