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Bloggerin Clara Sein auf der London Fashion Week

Modebloggerin Clara Sein besuchte für WOMAN die London Fashion Week und berichtet hier von ihren Erlebnissen und spannenden, modischen Entdeckungen!


Bloggerin Clara Sein auf der London Fashion Week

Umringt von Fotokameras: Clara Sein auf der Londoner Modewoche.

© Clara Sein

Erster Tag:

Bei mir geht's los mit der Präsentation der Herbst-/Winterkollektion 2015 von Shrimps, dem britischen Label, das Kunstpelz so hip gemacht hat und von Promis wie Alexa Chung und Pixie Geldof nicht nur geliebt, sondern heute auch präsentiert wird. Mein Tipp: Watch out for fur & tartan!

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Danach geht es weiter zu Mary Benson, die ihr gleichnamiges Label 2012 gegründet hat und deren Designs bereits von Rita Ora, Paloma Faith und Ellie Goulding getragen wurden. Sie beschreibt ihre Kollektionen als eine Mischung aus romatisch-verträumt, 70er Jahre-Silhouetten und graphischen Elementen sowie einem Mix der verschiedensten Materialien.

Bloggerin Clara Sein auf der London Fashion Week

Beeindruckend ist das Setting der nächsten Show: Das Label Fyodor Golan (nach den Designern Fyodor Podgorny und Golan Frydman) hat das Royal College of Surgeons als Schauplatz gewählt. In dem 200 Jahre alten, holzvertäfelten Vortragssaal präsentieren sie ihre Kollektion, inspiriert von surrealen Eindrücke ihrer letzten Asienreisen. Asiatische Großstadt trifft My Little Pony – die tatsächlich auch Sponsoren der Show waren -, was sich in den Materialien, Farben und Formen der Kollektion widerspiegelt.

Bloggerin Clara Sein auf der London Fashion Week
Bloggerin Clara Sein auf der London Fashion Week

Abschließender und abrundender Punkt des ersten spannenden LFW-Tages ist die 5-Jahres-Feier des legendären Multibrand-Stores Wolf and Badger, gleich neben Victoria Beckhams neuem Flagshipstore in der Dover Street. Gegründet 2009 von den Brüdern Henry und George Graham, beruht das Wolf and Badger-Konzept darauf, junge, besonders spannende und aufstrebende Mode-, Schmuck- und Accessoire-Designer und -Designerinnen zu promoten, zu unterstützen und natürlich zu verkaufen, wobei 75 % des Verkaufspreises direkt an die Kreativen geht.

Bloggerin Clara Sein auf der London Fashion Week

Zweiter Tag:

Mein 2. Tag der London Fashion Week stand ganz unter dem Motto: starke Frauen und Nachhaltigkeit. Gleich in der Früh fand im "ME Hotel", das von den berühmten Londoner Architekturteam Foster & Partners designt wurde und besonders durch sein über neun Stockwerke reichendes Atrium auffällt, die Präsentation der Herbst-/Winterkollektion 2015/16 des Labels Hemyca, gegründet vom Designduo Helen Clinch und Myra Nigris statt, zu der sich auch Stammkundinnen, wie die immer strahlend perfekte Cheryl Cole, einfanden. Der Titel der aktuellen Kollektion "Digital Skin" bezieht sich auf den Kontrast zwischen unserer Menschlichkeit und der digitalen Welt mit allen Vor- und Nachteilen, in der wir leben. Im Mittelpunkt steht aber immer die Frau. Die Designs von Hemyca sind clever durchdacht, die Materialien mit neuen digitalen Techniken verarbeitet und wollen elegant und sexy auf subtile Weise sein.

Bloggerin Clara Sein auf der London Fashion Week
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Clara Sein zwischen dem Designduo Helen Clinch und Myra Nigris.
Bloggerin Clara Sein auf der London Fashion Week

Zum Glück war der nächste Fashion-Stop nur einmal über die Straße im Somerset House, was mich bei den noch immer sehr winterlichen Temperaturen sehr freute. Wie schon in New York gesehen, teilt sich derzeit die Fashion Crowd in die, die sich winterlich chic und warm eingepackt zeigen und die überaus Mutigen, die sich in den aktuellen Seidenshorts und Kleidern der Sommerkollektionen den Streetstyle-Fotografen stellen. Ich zähle mich dann doch eher zu ersteren…

Auf die Kollektion von Faustine Steinmetz war ich besonders gespannt, zählt sie nicht nur zu den derzeit aufstrebendsten Jungdesignerinnen Englands (oder Europa) sondern sie war auch auf der Shortlist des renommierten LVMH-Preis. Auch sie ist eine Designerin mit einer sehr klaren Linie, alle verwendeten Materialien sind nachhaltig oder sogar aus recycelten Grundstoffen hergestellt. Sie verwehrt sich gegen unsere Wegwerfgesellschaft und versucht aus alltäglichen Kleidungsstücken wie zum Beispiel Jeans etwas so Besonderes zu schaffen, das wir in Ehren halten und noch an die folgenden Generationen weitergeben wollen. Natürlich erregte diese Kollektion viel Aufsehen und so fand ich mich inmitten von Vogue-, Elle- und Marie Claire-Redakteurinnen Mitteleuropas, hatte aber dennoch die Chance mit Faustine Steinmetz selbst zu sprechen und wurde zum Thema Nachhaltigkeit und Mode interviewt – LFW at it’s best!

Bloggerin Clara Sein auf der London Fashion Week
Bloggerin Clara Sein auf der London Fashion Week

Highlight nicht nur des Tages sondern auch eines der gesamten Woche war aber die Show von J.W. Anderson. Der Designer, der Mode und Kunst auf die zeitgenössischste Art verwebt, mit einem hohen intellektuellen Anspruch, der dennoch in tragbaren Designs endet, die alle das Zeug zum Kultobjekt haben und der immer wieder die Modewelt aufmischt. So gab es vor, während und gleich nach seiner Fashionshow ein absolutes Social Media-Verbot. In einer Zeit, in der noch während der laufenden Shows bereits die Fotos online gestellt werden und sicher 90 Prozent des geladenen Publikums die Outfits, obwohl physisch anwesend, mehr auf ihren Mobiltelefonen verfolgen, eine schier unvorstellbare Sache aber wie man sieht, dennoch machbar. Zu den Klängen klassischer Musik präsentierte J.W. Anderson seine – wie ich finde - nicht aufregendste Damen-Kollektion (verglichen mit der Pre-Fall 2015-Kollektion), wilde Muster und Materialmix, teilweise aufgelöste Silhouetten, etwas fahle Farben und dann wieder sehr klare Eggshapes, wunderbare Pullover-Hosen-Kombinationen mit tollen graphischen Designs und meine persönlichen Favoriten: Andersons traumhaft weiche Lederkreationen, von am Saum gezogenen Miniröcken über fließende Rauhleder-Mäntel bis hin zu seine weiten gerafften hohen Stiefeln mit farblich abgesetzten Schnallendetails. Mein persönliches MUST HAVE!

Bloggerin Clara Sein auf der London Fashion Week
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Dritter Tag:

Mein erster Programmpunkt war die Show von meiner Freundin sowie der jüngsten, dabei erfolgreichsten Designerin der Ukraine, Anna K. Ihre Herbst-/Winterkollektion 2015/16 dreht sich um das Hans-Christian Andersen-Märchen "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern" und zeigt schwingende, kurze Kleider und Mäntel mit Maschen oder Swarovski-Steinapplikationen, dunkle sowie leuchtende Orange-Töne, gemixt mit Silber, symbolisieren das Feuer und die Hoffnung des Mädchens im Märchen. Die Materialen sind gewohnt unkompliziert: Strick, teilweise gewalkt, sowie Sweatshirtsstoff herrschen vor. Wie schon bei ihren letzten Modeschauen, zeigt Anna K. immer abschließend ein Outfit selbst: in der aktuellen Kollektion einen silbernen, kurzen A-Linien-Mantel mit einer riesigen Masche als Kragen.

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Wie ich in den letzten Tagen gelernt habe, überschneiden sich die meisten Shows, das heißt ab ins Taxi und auf zur Claire Barrows -Präsentation im Somerset House. Die junge Londoner Designerin wurde vor allem durch ihren DIY-Punk-Zugang zur Mode bekannt, mittlerweile ist sie der Liebling der britischen Modeszene. Die Ästhetik der Illustrationen ist Barrows Markenzeichen und herrscht auch in den von Jeans bis Lammfell reichenden Herbst-/Winteroutfits vor. Der politische und ethische Aspekt, sagt die Designerin, spiele für sie immer eine Rolle in ihre Mode. Bemerkenswert fand ich auch die Auswahl der Models bei der Claire Barrows mehr auf Typen als auf austauschbar-neutrale Schönheit setzte.

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Designerin Claire Barrow.

Einen ebenfalls der Modewelt gegenüber kritischen Zugang hat der für den LVMH-Preis nominierte Designer Xiao Li. Das ironische Motto seiner Kollektion lautete: "Keep healthy, avoid fashion" und weist auf den Zwiespalt zwischen kurzlebiger Mode und wertvollen Rohstoffen hin. So mixt er edlen Strick mit Silikon-Accessoires, die überdimensionalen graphischen Elemente bekommen durch den Strick eine plastische Komponente.

Bloggerin Clara Sein auf der London Fashion Week

Gleich danach ging's weiter mit Palmer Harding. Das Label, das den Ruf hat die besten Hemden der Welt zu machen, verwandelte das Institute for Contemporary Art in eine poetische Landschaft, wo die Models zwischen Weizenfeldern mit wunderschönem Nude-Makeup und geflochtenen Haaren durch die Räume wandelten. Fließend auch die Outfits, lang und schlank die Silhouetten, die Farben sehr klassisch: Schwarz und Dunkelblau, viel Weiß, Grau und Beige mit kontrastierenden Stickelementen.

Bloggerin Clara Sein auf der London Fashion Week
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Backstage

Abschließend kann ich sagen, dass es mich überrascht, wie sehr sich die jungen und aufstrebenden Labels und Brands mit dem Thema Nachhaltigkeit, der Auswahl der Materialen und dem Umgang mit unseren Ressourcen beschäftigen. Sieht man derzeit bei den meisten internationalen Designerinnen und Designern viel Pelz, Opulenz und eher weniger die kritische Auseinandersetzung mit unserer Umwelt und Zeit, so fand ich vieles hier in London sehr inspirierend und positiv.

Die Trends

Wie schon zuvor in New York zeigte sich nun auch in London, was wir Fashionistas für die Herbst/Winter-Saison 2015/16 in unseren Garderoben brauchen: Muster, Muster, Muster. In allen Farben, graphisch eher puristisch wie bei Peter Pilotto, künstlerisch über das komplette Outfit von Hose bis Pulli reichend wie bei J.W. Anderson, mit einem Ethno-Touch wie bei Burberry Prorsum oder in den schillerndsten Lila-Violett- bis Gold- und Silber-Tönen wie bei Roksanda, Erdem oder Mary Katrantzou.

Passend zum Vintage-Thema, werden die Stiefel kniehoch und weit, wie bei Vivienne Westwood oder J.W. Anderson und die Kleider opulent wie bei Sibling oder Antonio Berardi sowie die Silhouetten weit, fließend und mit betonten Schultern.

Viele britische Labels setzen in der Wahl ihrer Materialien auf Nachhaltigkeit und ersetzen Pelz und Leder durch künstlich und umweltfreundlich hergestellte Silikone, Baumwolle oder sogar recycelte Kunststoffe. Die Produktionsstätten werden ausgewiesen oder gar von den allzu beliebten Billiglohnländern zurück nach Europa verlegt. Dieser bewusste Umgang mit den Ressourcen unserer Welt ist definitiv mein Lieblingstrend, von dem ich hoffe, dass er sich nicht nur durchsetzt sondern auch bleibt!

Clara Sein
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