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"Aber was hattest du an?": Bloggerin sagt Victim Blaming den Kampf an!

Mit ihrem Buchprojekt „Aber was hattest du an?“ möchte Bloggerin Hannah Müller-Hillebrand zeigen, dass es egal ist wie sehr sich Frauen verhüllen oder entblößen. Persönlicher Stil hat nichts mit der Legalisierung einer Gewalttat zu tun.

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"Aber was hattest du an?": Bloggerin sagt Victim Blaming den Kampf an!

Kleidung kann nicht "Ja" sagen!

© Hannah Müller-Hildebrand

„Aber was hattest du an?“ – Eine simple Frage. Doch bei genauerer Betrachtung erkennt man, dass sie Schuld auf Opfer abwälzt und Täter in Schutz nimmt. Sie ist anklagend und ruft Gefühle wie Zweifel, Scham und Selbsthass hervor.

Seit Bekanntwerden des Weinstein-Skandals entfacht der Hashtag #metoo eine weltweite Debatte über sexuelle Übergriffe und Sexismus. In Österreich wurden allein im Jahr 2016 knapp 900 Vergewaltigungen angezeigt. Die Dunkelziffer nicht angezeigter Sexualstraftaten ist enorm. Opfer wollen den rechtlichen Hürdenlauf, die Scham und die Vorwürfe von Außenstehenden nicht in Kauf nehmen. Stattdessen suchen sie die Schuld bei sich selbst und lassen den Verbrecher auf freiem Fuß davonlaufen.

Instagram-Influencerin und Bloggerin Hanna Müller-Hillebrand hat erkannt, dass die westliche Welt noch lange nicht so emanzipiert ist, wie sie erscheint. Nun möchte sie ihren Beitrag zur Aufklärung leisten und sagt den Kampf gegen Victim Blaming an. Ihren knapp 60 Tausend Abonnenten wird sie nicht mehr nur mit Travel-, Food- und Health-Artikeln versorgen, sondern auch mit einer großen Portion Frauenpower.

1. Warum glaubst du ist das so, dass man Frauen als allererstes nach ihrer Kleidung zur Zeit des Geschehens fragt?

Allein schon das die Frage gestellt wird, ist mir komplett unverständlich. Es fragt schließlich auch niemand den Täter was er denn anhatte. Ist eine Tat weniger schrecklich, nur weil das Opfer einen kurzen Rock trug? Die Kleidung sollte bei einer Gewalttat keine Rolle spielen.

2. Wie bist du auf die Idee für das Projekt gekommen?

Ich habe eine Umfrage vom Eurobarometer gefunden, in der herauskam, dass sexy Kleidung für jeden zehnten eine Vergewaltigung rechtfertigt und war komplett schockiert. Ich habe mich gefragt, was das für Menschen sind, die hinter solch einer Aussage stehen. Nach ein bisschen Recherche habe ich viele weitere Artikel zu dem Thema gefunden. Das machte mich so wütend, dass ich mich entschied ein Projekt zu dem Thema zu machen, allerdings sollte es weder ein Trauer-Projekt werden, noch Mitleid erregen, sondern ein Magazin voller Power sein. Ein Heft, gefüllt mit ernsten Tatsachen, mit traurigen Erinnerungen, mit Verletzung und Angst, aber auch mit selbstbewussten Frauen, die Kraft, Respekt und Stärke versprühen.

3. Wie hast du die Frauen gefunden, die in deinem Buch vorkommen?

Ich habe viele Geschichten über Bekannte und Freunde gesammelt. Die Frauen auf den Fotos habe ich teilweise durch Social Media kontaktiert. Viele sind aber auch aus meinem Freundeskreis. Manche haben mir nur ihre Geschichte erzählt, andere wiederum haben mich ihren selbstbewussten Style festhalten lassen. Wichtig zu wissen ist, dass die Geschichten auf den Seiten nicht unbedingt von der abgebildeten Frau kommen. Die Zitate sind unabhängig von den Fotos, um eine gewisse Anonymität zu wahren.

4. Was war die emotionalste Geschichte, die dir bei der Recherche erzählt wurde?

Jede Geschichte ist traurig. Ich kann und will nicht eine Geschichte hervorheben. Das Emotionalste für mich persönlich an diesem ganzen Projekt, waren die Gespräche, die dadurch entstanden sind. Jede zweite Frau in Deutschland wurde schon sexuell belästigt. Es muss ja nicht immer zur Vergewaltigung kommen. Belästigungen können auch schon verbal unangebracht und verletzend sein und sind einfach nicht okay. Die Offenheit und das Vertrauen, das mir dabei entgegen gebracht worden ist, schätze ich unglaublich und hat mich sehr berührt.

Ich bin ebenfalls Bloggerin und habe mit einer Freundin gemeinsam ein Yoga-Video gedreht, wo wir nur in Leggings und Sport-BH zu sehen sind. Eine Frau kommentierte darunter: „Bei so viel Ausschnitt und Freizügigkeit, dann nicht jammern und wundern, wenn ihr begrapscht und vergewaltigt werdet.“ – Mir ist seitdem immer mehr aufgefallen, dass vor allem Frauen die Kleidung anderer Frauen verurteilen und ihnen die Schuld für die Tat zuweisen.

5. Warum glaubst du ist das so, dass überwiegend Frauen mit dem Finger auf andere zeigen?

Das frage ich mich selbst. Ich glaube es ist generell unsere Gesellschaft, die dringend einmal umdenken muss. Wir als Frauen bekommen es oft in die Wiege gelegt immer wachsam zu sein. „Geh nicht nachts alleine nach Hause!“ oder „Mit dem kurzen Rock gehst du nicht aus dem Haus!“ - das sind Sprüche mit denen viele von uns aufgewachsen sind. Mit der Angst vor Belästigungen durch unser Aussehen sollten wir nicht leben müssen. Wir als Frauen sollten uns gegenseitig unterstützen und aufbauen. Wenn Frauen zusammenhalten, können unglaubliche Dinge geschehen.

6. Was erhoffst du dir von deinem Projekt?

Ich möchte das Thema in die Welt hinaustragen. Kleidung ist eine persönliche Entscheidung. Wie sehr Frauen sich verhüllen oder doch entblößen, ist eine Entscheidung des persönlichen Stils und hat nichts mit der Legalisierung einer Gewalttat zu tun. Kleidung kann nicht „Ja“ sagen. „Victim Blaming“ muss endlich ein Ende finden.

Hannahs Magazin wurde in einer Auflage von 50 Stück produziert und kann ab sofort für 30€ direkt bei ihr gekauft werden. Davon möchte sie jeweils 5€ an „Lara Berlin“ spenden, eine Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt an Frauen, die auch unbürokratische Hilfen für Frauen ab 14 Jahren, die eine Vergewaltigung, sexuelle An- und Übergriffe und sexuelle Belästigung erfahren haben, bietet. Wenn jemand Interesse hat, dann gerne direkt unter namastehannah@icloud.com bestellen.