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Blut-Flut in Bangladesch

Wenn ein religiöses Fest und schlechtes Wetter zusammenkommen, kann das ziemlich nach Apokalypse aussehen. Alles zur Geschichte hinter den viralen Fotos.

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Blut-Flut in Bangladesch
© https://twitter.com/naidusudhakar

Dhaka, die Hauptstadt von Bangladesch, ist weder eine Touristenhochburg, noch für sonderlich positive Nachrichten bekannt. Doch steht Dhaka plötzlich im Fokus, denn auf den viralen Fotos, die aktuell auf vielen Social Media-Kanälen auftauchten, sind tatsächlich blutüberströmte Straßen zu sehen.

Dabei handelt es sich jedoch nicht um giftige, rot-eingefärbte Industrieabfälle, sondern um eine Mischung aus Regenwasser und den Überresten des Eid al-Adha-Festes.

Im Islam wird Eid al-Adha, das im deutschen Sprachgebrauch auch islamisches Opferfest genannt wird, jährlich mehrere Tage lang gefeiert. Dieser Brauch findet im Rahmen des Haddsch, also der Pilgerreise nach Mekka, statt und zählt zu den bedeutendsten islamischen Festlichkeiten. Die Basis bildet die Geschichte von Ibrahim, der bereit gewesen wäre Allah seinen Sohn Ismael zu opfern, aber von Gott verschont wurde. Vor lauter Dankbarkeit und Freude opferten Vater und Sohn einen Widder.

Und zum Gedenken an diese Geschichte, opferte die muslimische Bevölkerung Dhakas auch dieses Jahr Tiere wie Kühe, Ziegen und Kamele. Das Fleisch wird traditionell an die Armen verteilt und für das Festmahl verwendet. Dieses Jahr koppelten sich starke Regenfälle an das Opferfest, was wegen der schlechten Abwasserversorgung zu einer regelrechten Blut-Flut führte.

Beobachtende des Festes in Dhaka sehen die Schuld einerseits darin, das vor dem Fest schlecht kommuniziert wurde, wie schlimm es wirklich um das Abwassersystem steht. Den anderen Teil der Schuld trage die Bevölkerung selbst, die ihre Rituale trotz extra dafür ausgewählter Orte, einfach vor ihren Häusern durchführten.

Obwohl das blutige Wasser mittlerweile verschwunden sein soll, haben die Straßen laut Einheimischen noch immer einen rötlichen Touch und seien von den Resten des Festes verschmutzt.

Aus westlicher Sicht mögen diese rituellen Schlachtungen wie gemeine Tierquälerei erscheinen. Aber bevor man anfängt mit dem Finger zu zeigen, sollte man sich entsinnen, dass es in unseren Breitengraden gang und gäbe ist, tausende Tiere in industrieller Haltung zusammenzupferchen und nach kurzer Zeit, häufig unter zwielichtigen Umständen, zu töten. Es ist wichtig, sich vor Augen zu führen, dass nicht nur die "Anderen" Dinge tun, die uns nicht ganz astrein vorkommen, sondern wir genauso! Viele Tiere, die bei dem Eid al-Adha-Fest umkommen, haben zuvor wahrscheinlich ein besseres Leben als unsere aus der Massenzucht gehabt und auch ihr Fleisch wird nicht einfach weggeworfen, sondern wie schon erwähnt, an die Armen verteilt.

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