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Butt Patches im Test - oder wie das mit der Selbstliebe nicht funktioniert

Spoiler: Nehmt euch so wie ihr seid - die Dellchen an Po und Schenkeln sind NORMAL. Glaubt euch das auch endlich selbst. Sobald ihr euch nämlich mit sich selbst erhitzenden Pickerln am Hintern in eurem Bad wiederfindet, wisst ihr, was wirklich unangenehm ist. Ein Reality-Check mit einer Redakteurin:

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Butt Patches im Test - oder wie das mit der Selbstliebe nicht funktioniert
© iStock

Cellulite: Ein leidiges Thema. Fast jede Frau hat sie, und doch gilt sie immer noch als vermeintlicher Schönheitsfehler. Sobald die warmen Tage mit luftiger Kleidung nahen, sind auch sämtliche Magazine wieder voll mit allerhand Tipps und Tricks gegen die Dellen an Po und Schenkeln. Und wir lesen sie. Obwohl wir wissen: Auch die teuerste Creme macht Orangen- nicht zu Pfirsichhaut. Was auch okay ist. Jetzt wehre ich mich schon lange mehr oder weniger erfolgreich gegen das allgemein gängige Schönheitsdiktat. Auch, wenn es ein langer Weg war. Ein unangenhem langer. Die Kommentare meiner Mutter, ob ich das wirklich noch essen will? Vergessen. Der Ex-Freund, der mir sagte, dass ich dann langsam doch ein bisserl mehr Sport machen sollte? Abgeschossen. Keine kurzen Hosen und Röcke mehr zu tragen, weil mit meinen 27 (OK. Seien wir uns ehrlich. Ich hatte schon mit 16 die eine oder andere Delle. Trotz Sport. Trotz guter Ernährung. Trotz Normalgewicht.) doch nicht mehr alles ganz so straff ist? Keine Lust mehr. Mir die Freude am Schwimmen noch ein weiteres Jahr nehmen lassen? Sicher nicht! Dem Partner den Hintern nur im perfekten Winkel und in ausgeklügelter Beleuchtung zu präsentieren? Pech gehabt. Wird auch so gehen.

Trotzdem merke auch ich jeden Sommer, wie ich mit teils großem und purem Hass auf meine Schenkel starre, im Fitnessstudio dann doch den einen oder anderen Squat mehr mache und penibel darauf achte, die Tasche neben meine Schenkel zu stellen, wenn ich meine Beine mit kurzer Kleidung überschlage. Dass das völlig deppert ist? Ich weiß eh. Kommerzielle Bilder zeigen keine Cellulite, keine Dehnungsstreifen und auch keine Spur von Realität. Weiß ich auch. Vergleichen tut man sich trotzdem - früher oder später. Ganz spurlos geht der ganze Beauty-Wahn auf Instagram also auch an Feministinnen und eigentlich selbstbewussten Frauen wie mir nicht vorbei. Von Stärke so gar keine Spur mehr. An schlechten Tagen empfinde ich selbst die realen, die ungeschönten, die Body-Positivity-Posts fast als Beleidigung. Weil die Frauen auf den Bildern noch immer schöner im Unperfekt sein sind, selbstbewusster ihre Dehnungsstreifen präsentieren und vielleicht ein paar Röllchen aber dafür auch die süßeste Stupsnase der Welt haben. Bin ich stolz drauf? Nein. Erklärt aber auch, warum sich letztens im Drogeriemarkt die "Perfect Bum Body Patches" in mein Einkaufswagerl verirrt haben. Soviel dazu.

Was Frau daraus lernt...

Daheim war mir das Ganze dann eh schon peinlich. Sexy Body Secrets steht da groß auf der Verpackung. Weil die Dinger aber knappe zehn Euro gekostet haben, ziehe ich es dann trotzdem durch. Nach der Dusche sollen sie auf die trockene Haut aufgetragen werden. Wabbelig fühlen sich die Patches an. Ich klatsche sie unbeholfen auf mein Hinterteil. Da stehe ich nun mit zwei Halbmonden auf meinem Hinterteil und muss lachen. Auf der linken Seite löst sich der Glibber schon nach einer Minute. In der Verpackung finde ich noch zwei überdimensionierte Pflaster. Die sollen die Patches an Ort und Stelle halten. Ich watschel' also nackt ins Schlafzimmer und bin insgeheim dann doch froh, dass mein Freund nicht hier ist. Gleichzeitig verfluche ich mich für meine Verwundbarkeit. Was zur Hölle mache ich hier? Mindestens sechs Stunden sollen die Pickerl getragen werden, um ihre Wirkung zu entfalten. Ich will sie also beim Schlafen tragen.

"Get ready for a sexy beach body!"

Nach guten zehn Minuten werden sie warm. Unangenehm warm. Heiß. Ihr kennt die Wärmepflaster für den Rücken? Potenziert diese "angenehme Wärme" in "unerträgliche Wärme"! Ich fische die Verpackung nochmal aus dem Mistkübel. Gut. Da steht es sogar: "Der hochwertige kosmetisch-funktionale Wirkstoffkomplex aus kostbaren Pflanzen-Extrakten von Ginkgo Biloba, Coffein, Catechin und Capsaicin wird nach dem Auftragen der Patches durch die körpereigene Temperatur von der Haut absorbiert und kann so seine thermo-kosmetische, hautstimulierende Wirkung entfalten. " Ich beruhige mich also und leg' mich wieder nieder - bis es wirklich unerträglich wird. Es brennt. Ich bin weiter stur. Mittlerweile ist es ein Uhr früh. Schließlich beuge ich mich. Ich reiße mir die Riesen-Pflaster unter Schmerzen vom Leib. Zurück bleiben zwei rote Halbmonde auf meinen Pobacken. Die sind da auch noch. Nach drei Tagen. Falls ihr also demnächst ein Mädel mit komisch-geformten Flecken auf ihrem nicht ganz dellenfreien Popsch beim Baden trefft: Das bin ich. Sagt Hallo! Ich mach' ab jetzt nämlich wieder Selbstliebe!