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Body-Positivity: Den eigenen Körper akzeptieren und sich selbst lieben

Body-Positivity, ein Begriff, der über Social Media seinen Weg in Zeitungen, Werbungen und in die Köpfe der Menschen gefunden hat. Doch was bedeutet es eigentlich, sich selbst zu lieben? Kann man sich überhaupt immer lieben? Und ist das überhaupt notwendig? Wie kann man dieses positive Denken über den eigenen Körper im Leben integrieren?

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Body-Positivity: Drei Frauen mit unterschiedlichen Körpern, die lachen
© iStock

Body-Positivity: ein langer Weg zur Selbstliebe

Der Weg zu mehr Selbstliebe kann lang sein und im schlimmsten Fall sogar ein ganzes Leben lang dauern. Denn ob Kino, TV oder auch Modemagazine, Selbstoptimierung und Körperkritik stehen immer noch hoch im Kurs. Body-Positivity sollte da eigentlich Abhilfe schaffen, uns zeigen, wie wir besser mit unseren Körpern, aber auch mit den der anderer Menschen umgehen. Doch zunehmend gerät der Begriff auch in die Kritik.

Dabei sehen die einen in ihm ein "Verleugnen von körperlicher Unzulänglichkeit", die anderen wiederum bemängeln die zunehmende Oberflächlichkeit und Kommerzialisierung von Selbstliebe.

Ich habe vor einigen Jahren begonnen mich berufsbedingt mit dem Thema zu beschäftigen. Dabei ging es mir nicht nur darum, mich selbst besser kennen zu lernen, sondern auch anderen zu helfen, die sich in ihrem Körper nicht wohl fühlen und gegen Diskriminierung vorzugehen.

So wurde Body-Positivity für mich zu einem wichtigen Baustein für mehr Körperakzeptanz. Doch nach und nach stellte ich fest, dass man etwas so politisch Gemeintes ganz offensichtlich ebenso gut in der Werbung weichspülen kann. Dabei hat alles eigentlich mit politischem Engagement begonnen, das einen Paradigmenwechsel herbeiführen sollte.

Von Fat-Acceptance zu Body-Positivity

Denn die Body-Positivity Bewegung entstammt eigentlich dem Fat-Acceptance-Movement, das in den 1960er Jahren in den USA entstanden ist. Ein hoch politisches Thema, wo Gleichbehandlung mehrgewichtiger Menschen, soziale Gerechtigkeit, Diversität und intersektionale Anti-Diskriminierung eine große Rolle spielten.

Ende der 1990er Jahren verlagert sich der Geist der Bewegung auf die Online-Welt. Dabei wird Body-Positivity zu einem Schlagwort und eine Bewegung entsteht, die sich dafür einsetzt, jeden Körper zu akzeptieren, unabhängig von seinem Aussehen.

Ziele der Bewegung sind das Bekämpfen unrealistischer Schönheitsideale und die Stärkung des Selbstwertgefühls jedes Einzelnen. Dabei ist die Grundidee der Bewegung, dass sich Personen in ihrem Körper wohlfühlen und diesen akzeptieren lernen.

Vorbilder: Von Ashley Graham bis Tess Holliday

Geteilt und übertragen wird die Body-Positivity Bewegung vor allem durch Social Media, besonders über Instagram. Dadurch wurden Plus Size Models wie Ashley Graham zu wichtigen Vorbildern der Bewegung. Über 18 Millionen Follower verfolgen, wie das Model sich in der Plus-Size-Branche für mehr Köperakzeptanz einsetzt.

So zeigt die dreifache Mutter ihren Körper mit all seinen angeblichen Makeln, wie Dehnungsstreifen oder einem fehlenden Sixpack. Mit diesen Bildern wird sie von ihren Fans mit Faszination und Unterstützung überhäuft. Doch nicht nur Graham ist ein Idol. Die australische Komikerin Celeste Barber ahmt Posen von Supermodels nach und sorgt damit für Begeisterungsstürme.

Den eigenen Körper zu akzeptieren, sich in der eigenen Haut wohlzufühlen und gängige Schönheitsstandards zu hinterfragen sind wichtige Themen für sie. Vergessen werden darf auch Tess Holliday an dieser Stelle nicht. Das amerikanische Plus Size Model tritt gegen Gewichtsdiskriminierung auf und veranschaulicht ihren Followern, wie ihr Leben als dickerer Mensch aussieht. Sie geht absolut offen und selbstbewusst mit ihrem Körper um, auch wenn auch sie nicht mit jeder Körperstelle zufrieden ist. Auch das Thema Hass im Netz, welcher ihr aufgrund ihres dicken Körpers immer widerfährt, scheut sie nicht. Zudem klärt sie über die Fettverteilungsstörung Lipödem auf.

Selbstliebe in der Werbung und Industrie

Body-Positivity gewinnt im Laufe der Zeit immer mehr an Bedeutung, wodurch diese Bewegung den Weg in die sozialen Medien, in die Print- und TV-Medien und auch in die Werbung fand. Die zunehmende Kommerzialisierung des Begriffes führt allerdings dazu, dass der ursprüngliche Kampf gegen die Diskriminierung von Menschen mit mehr Gewicht und gegen die Schönheitsindustrie immer mehr in den Hintergrund tritt.

So sind die Wörter "Wellness" und "Gesundheit" heute oftmals in der Werbung verwandte Begriffe, die verschleiern sollen, dass gewisse Beautystandards immer noch sehr dominant auf die Gesellschaft wirken. Es werden auch weiterhin Produkte verkauft, welche zu einer Optimierung des eigenen Körpers führen sollen.

Der Überbegriff Body-Postivity wird häufig in den Mittelpunkt von Kritik gedrängt. Nicht nur Menschen, die fürchten, dass dieser Begriff verfälscht und falsch vermittelt wird, erheben das Wort. Auch diejenigen, die eine Gefahr für Gesundheit und Körper sehen, wenn sie an eine erhöhte Selbstliebe denken, werden laut.

Selbstliebe erlebt hohe Kritik

Die Body-Positivity-Bewegung gerät jedoch oftmals in die Fänge vieler Kritiker, da sie der Meinung sind, man könne die Normalisierung von Übergewicht und einen ungesunden Lebensstil nicht fördern. Ein Kritikpunkt, der so noch nicht belegt werden konnte. Untersuchungen haben nämlich ergeben, dass Body-positive Beiträge in den sozialen Medien die Wertschätzung des eigenen Körpers erhöhen und dazu führen, dass Menschen so mehr auf sich und ihren Körper achten.

Fat Acceptance und feministische/politische Aktivist:innen werden kritisiert, dass Body-Positivity, so wie sie auf Instagram praktiziert wird, weiterhin die eigene Attraktivität und die gewollte Figur in den Vordergrund stellt. Dadurch muss auch der Aspekt der Selbstliebe skeptisch betrachtet werden. Die politischen Wurzeln und darauf basierende Kampf gegen die Diskriminierung geraten bei diesen Diskussionen leider immer weiter in den Hintergrund.

Der Weg, sich von dem Fokus auf den eigenen Körper zu distanzieren, sich mehr auf die inneren Werte eines jeden Individuums zu konzentrieren und die eigentlichen Auslöser der Bewegung haben dazu geführt, dass der Begriff Body-Neutrality entstanden ist.

Body-Neutrality als neuer körperfreundlicher Leitbegriff?

Eine neutrale Einstellung zum eigenen Körper zu bekommen und sich von der Obsession des eigenen Aussehens wegzubewegen, was bedeutet das eigentlich?

"….Body Neutrality bricht unseren Körper auf das herunter, was er ist, unsere Hülle. Wir müssen sie nicht lieben, lediglich akzeptieren, dass wir in ihr stecken und wertschätzen, was sie für uns leistet und wozu sie uns befähigt. Wir dürfen unseren Körper unschön oder schön finden, er definiert uns aber nicht. Erst unser Charakter zeichnet uns wirklich aus." ( Milena Zwerenz)

Mit Body Neutrality will man den Fokus vom Äußeren zum Inneren lenken. Ein Gedanke, der nicht nur Auswirkungen auf unsere Körper hätte, sondern auch auf unser Konsumverhalten und den Blick, den wir auf andere Menschen haben. Wir würden vermutlich unser bekanntes Schubladendenken skeptischer betrachten und nicht schon beim Kennenlernen neuer Persönlichkeiten Kritikpunkte aus der Hosentasche zaubern.

Body-Positivity und Body- Neutrality

Body-Positivity und Body-Neutrality beschreiben beide, dass ihre Bedeutung in unserem Leben eine wichtige Rolle spielen. Sie verändern den Blick auf die eigenen Körper und die unserer Mitmenschen. Denn wichtig im Kopf zu behalten ist, dass es eben nicht nur um uns persönlich geht. Sich selbst zu akzeptieren ist nämlich erst ein Anfang, wobei man sich nicht in allen Situationen und Momenten lieben muss.

Wenn man den eigenen Körper lernt so anzunehmen, wie er ist und sich von den gängigen Schönheitsidealen abzuwenden, sollte man genau diese Sichtweise auch auf Andere übertragen. So sollte am Ende eines stehen, das für alle gilt: Akzeptanz, mit allen Konsequenzen.

Wie wende ich diese Positivität im eigenen Leben an?

Wenn immer mehr von steigender Selbstliebe die Rede ist, dann fragt man sich doch: "Wie genau ist das möglich?" Eine berechtigte Frage, weil sich selbst immer zu lieben schlicht weg etwas ist, was uns sehr stark unter Druck setzt und großen psychischen Stress hervorruft. Doch sich und die eigene Figur schön zu finden und in einer Welt zu leben, die uns ständig das Gegenteil weiß machen will – nämlich, dass unsere Körper einem vermeintlichen Ideal entsprechen müssen – ist nicht einfach und braucht viel Zeit und Geduld.

Tipps für mehr Selbstliebe

Hier einige Tipps, die helfen können, mehr Body-Positivity ins eigene Leben zu bringen. Wichtig dabei zu wissen ist, dass es nur Tipps und Vorschläge sind. Wenn eine, ihnen bekannte psychologische Erkrankung oder ähnliches vorliegen, bitte immer mit Profis absprechen und hinterfragen:

  • Weniger an der Diätkultur teilnehmen und daran zu denken: Diet-Talk, Konsum von Diätprodukten, Magazinen und so weiter versuchen zu vermeiden. All diese Punkten mögen unmöglich und fern der momentan gelebten Realität erscheinen, doch nichts geht übers Probieren.
  • Mehr Social Media Profile und Influencer:innen verfolgen, die bodypositiv sind: Folge Menschen, die dir gut tun, versuche dich von Menschen zu entfernen, die dir nicht gut tun.
  • Vergleiche dich nicht mit anderen und schau mehr auf dich selber: Vom Beginn der Kindheit lernen wir, uns zu vergleichen. Nicht nur an den Leistungen anderer, sondern auch mit ihren Körpern. Lasst uns versuchen damit aufzuhören. Was für eine andere Person gut ist muss nicht gut für mich selber sein. Im Gegenteil, es kann sogar Schaden anrichten.
  • Trenne dich von Kleidungsstücken, die nicht (mehr) passen: "Da werde ich wieder reinpassen" oder "da werde ich irgendwann schon reinpassen" – beide Gedanken bereiten kein positives Mindset. Ständig das mahnende Kleidungsstück vor Augen zu haben macht ein schlechtes Gefühl, welches Einfluss auf unser Verhalten hat. Außerdem lohnt es sich eh nicht zu viel im Kleiderschrank zu haben, denn irgendwann wird's unübersichtlich. Schau gerne bei unsere Artikel "Minimalismus" vorbei.
  • Lesen, lesen, lesen: es gibt viele spannende Bücher zum Thema. Weiterbilden hilft, um neue Perspektiven und Ansätze zur Body-Positivity zu finden.
  • Gleichgesinnte suchen: Menschen finden, die Body-Positivity unterstützen und auch danach leben, ob auf Social Media oder im Freundeskreis. Austauschen und sich gegenseitig vernetzen, weil gemeinsam ist so manches einfacher.
  • Such dir Hilfe: Wenn du merkst, dass du dir mit deiner Einstellung zum eigenen Körper Schaden zufügst, es dir dabei nicht gut geht, du aber nicht weißt, wie du aus dieser Situation wieder herauskommen kannst, such dir bitte professionelle Hilfe
  • Und vergiss nie: Instagram vs. Reality ist die Wirklichkeit. Diese Wahrheit zeigen sogar Models wie Romee Strijd auf ihren Accounts.

Thema: Fitness