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Brennende Autos explodieren nicht

Mythen gibt es viele. Aber diese drei sind lebensgefährlich. Lesen, umdenken und im Ernstfall richtig reagieren!


Brennende Autos explodieren nicht
© istockphoto.com

Bei einem Autounfall sind schwer verletzte Insassen auf schnelle Hilfe angewiesen. Wenn das Unfallopfer nicht mehr dazu in der Lage ist, selbst die Rettungskräfte anzufordern oder gar bewusstlos ist, hängt sein weiteres Schicksal an der Reaktionsfähigkeit und dem Reaktionswillen zufällig passierender Fremder. Unterlassung der Hilfeleistung ist in Österreich eine Straftat. Trotz drohender Geld- oder Freiheitsstrafe sehen viele Unfallzeugen weg, und es dauert mitunter erschreckend lange, bis ein Notruf abgesetzt wird, und die Rettungskette in Gang kommt. Mitschuld sind drei Mythen, die endgültig vaporisiert und aus unseren Köpfen entlassen werden müssen.

Brennende Autos explodieren

Wer bei einem Fahrzeugbrand bewusstlos im Auto liegt, muss darauf hoffen, möglichst schnell aus dem Wagen gezogen zu werden. Beim Anblick von Flammen ist die Hemmnis zu helfen aber besonders groß. Allzu präsent sind die Bilder aus Film und Fernsehen von spektakulär explodierenden Fahrzeugen, die erzählerische Schwächen mit visuellen Effekten eindrucksvoll kaschieren. In der Realität haben wir im Vergleich nur selten Gelegenheit, einen Autounfall mit Fahrzeugbrand zu verfolgen. Gut so, doch der Mangel an realen Erfahrungen lässt unser Denken auf jene Informationen zurückgreifen, die verfügbar sind. Film und Realität könnten hier aber kaum weiter auseinander liegen. Tatsächlich explodieren brennende Fahrzeuge NICHT. Dies bestätigt auch der ÖAMTC. Die Angst vor einer Explosion ist in diesem Fall reine Illusion. Sie zu durchschauen, den Mythos zu überwinden, senkt die Hemmschwelle, im Ernstfall helfend aktiv zu werden. Auch ohne Explosionsgefahr sind Flammen nicht ungefährlich. Die eigene Sicherheit soll stets im Blick bleiben. Ist die Rettung der Insassen aus dem brennenden Fahrzeug aber möglich, so sollte dieser Mythos nicht Grund für falsche Zurückhaltung sein. Der ÖAMTC empfiehlt, einen Handfeuerlöscher stets im Auto mitzuführen.

Ich kann das ja gar nicht

Nichthelfende erklären sich oft mit der Begründung mangelnder Kompetenz. Der Erste-Hilfe-Kurs liegt lang zurück, ich weiß nicht genau, was zu tun ist und am Ende mache ich vielleicht alles nur noch schlimmer. Die Angst, falsche Handgriffe anzuwenden und eine Verletzung dadurch zu vergrößern, hält viele potenzielle Helfer davon ab, das Richtige zu tun: nämlich Akteur zu werden anstatt nur Zuseher zu sein.

Niemand verlangt von einem Ersthelfer große Wundertaten. Tatsächlich sind aber auch kleine Maßnahmen oft große Taten, zum Beispiel das Alarmieren der Rettungskräfte. Ein Anruf kann Leben retten. Eine Unfallstelle kann sehr bedrohlich wirken. Der Anblick macht uns Angst. Die Situation überfordert uns. Es ist hilfreich, die einzelnen Schritte der Unfallkette vom Lösen der Gesamtsituation abzuspalten. Ein Warndreieck aufstellen – nicht schwer. Die 144 wählen und Hilfe anfordern – nicht schwer. Einen bewusstlosen Körper aus einem brennenden Auto ziehen – na gut, doch schwer. Aber immerhin wird nichts explodieren und wir müssen uns schwierigen Aufgaben auch nicht alleine stellen. Zuseher können durch direkte Aufforderung aus ihrer passiven Rolle geholt werden. Eine mutige Person kann weitere Helfer mobilisieren.

Mit modernen Telematik-Systemen können wir uns zumindest ein Stück weit vom Aktivwerden der Ersthelfer unabhängig machen. Automatisiert fordert die Sicherheitstechnik bei einem Aufprall Hilfe an. Per GPS wird die genaue Position durchgegeben und die Rettungskette in Gang gesetzt. Informationen gibt’s bei Allianz, Uniqa und dem ÖAMTC.

Da hilft sicher ein anderer

Ein Denkfehler, der unserer Bequemlichkeit unbedacht in die Hände spielt, ist der Gedanke, dass sicher jemand anderer eingreifen wird. Hinter mir fahren genug Autos. Einer der hinteren Fahrer wird sich der Situation schon annehmen. Oder: So viele Autos vor mir und keiner bleibt stehen. Warum sollte ich es anders machen. Vielleicht haben die Fahrer vor mir ja auch einen Grund, nicht anzuhalten. Hilfe ist womöglich schon unterwegs. Außerdem: Warum sollte genau ich mich darum kümmern, wenn doch auch so viele andere hier vorbeikommen?

Es ist schlau, davon auszugehen, dass andere dieselben Gedanken haben und ein Dominoeffekt eintritt, der nicht Stein um Stein zum Kippen bringt, sondern sich tatsächlich jeder am anderen orientiert. Niemand setzt den ersten Stein in Bewegung und entsteht eine ansteckende Passivität, die dem Unfallopfer das Leben kosten kann. Je mehr Menschen verfügbar sind, desto geringer die Chance, dass einer von ihnen sich angesprochen fühlt, helfend aktiv zu werden. Je mehr Alternativen das Unfallopfer zur eigenen Person rein theoretisch hat, desto wichtiger ist unser eigens Eingreifen. Die anderen als Helfer zu betrachten, ist ein Mythos. Ein Mythos, der sterben muss, damit Unfallopfer leben können.

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