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Briefe aus dem Himmel: ein todkrankes Mäd-
chen versteckte Botschaften für ihre Familie

„Liebe euch!“ Weil sie fühlte, dass ihr nicht mehr viel Zeit bleibt, versteckte die todkranke Elena für ihre Familie überall Liebes-Botschaften.


Briefe aus dem Himmel: ein todkrankes Mäd-
chen versteckte Botschaften für ihre Familie
© Weltbild Verlag

„Ich liebe euch, Mom, Dad und Gracie“, steht da in großer Kinderschrift auf einem herzförmigen rosafarbenen Zettel, versteckt im Geschirrschrank. Brooke und Keith Desserich haben ihn erst vor wenigen Wochen gefunden. Das Briefchen ist von ihrer Tochter Elena, die im August 2007 an einem Gehirntumor verstorben ist. Ihrer Familie hat die sechsjährige Amerikanerin etwas Besonderes hinterlassen: Unbemerkt von Mutter, Vater und der kleinen Schwester Gracie, versteckte das todkranke Mädchen überall im Haus Nachrichten an ihre Lieben. Zwischen Büchern, CDs, in alten Jeans... Hunderte Kuverts haben ihre Eltern bislang gefunden.

Rückblick.
Kleine Zeichnungen erinnern Elenas Familie jeden Tag daran, wie ihr Sonnenschein war: Am liebsten hat die Sechsjährige Pink getragen – fast nur Kleider, am besten mit ganz viel Tüll und Rüschen. Milch hat sie aus einem Weinglas getrunken, weil sie damit anderen zuprosten konnte. Und ihren Namen hat sie rückwärts geschrieben, weil ihr gefallen hat, wie das aussieht. Ihr Lieblingsspiel: Lehrerin, das wollte sie später auch einmal werden.

Doch dann erkrankte Elena mit fünf Jahren an einem aggressiven Gehirntumor. Die Ärzte gaben ihr nur noch 135 Tage. In berührenden Tagebucheinträgen („Sie malte ein Lächeln in unsere Herzen“, Weltbild Verlag , € 9,95) schrieben sich Elenas Eltern Brooke und Keith Desserich Kummer und Tränen vom Herzen: „Elenas leidvolle Krankheit hat uns trotz der vielen dunklen Momente gelehrt, jeden noch so kleinen Sonnenstrahl im Leben zu genießen.“

Kleines Mädchen, ganz stark.
Nach der Diagnose des Tumors im November 2006 verschlechterte sich Elenas Gesundheitszustand langsam, aber stetig. Anfang Dezember schrieb Papa Keith: „Sie kann nicht mehr richtig schlucken, verliert die Kraft im rechten Arm und das Sehvermögen auf dem linken Auge – und jetzt auch noch die Taubheit in den Beinen. Ich habe es gemerkt, als ich sie am Knie kitzelte. (...) Ich werde mir wohl etwas Neues einfallen lassen müssen, um ein Lächeln auf ihr Gesicht zu zaubern.“ Die Kleine lernte, mittels Gebärdensprache zu kommunizieren, denn ihre Stimme wurde immer brüchiger. Seine Wünsche malte das Mädchen auf Papier: einmal noch Spaghetti mit Käse essen, den Eiffelturm sehen, hinter dem Lenkrad eines Autos sitzen, mit Papa ein letztes Mal tanzen. Im Juni 2007 dann ein weiterer Rückschlag für die Familie: „Wenn ich mich später an meine Tochter erinnere, möchte ich mich an ihr Lachen erinnern. Andere Erlebnisse möchte ich lieber vergessen, so wie den Tag heute. Nach Beendigung der Chemo war unsere Kleine heute nicht in der Lage, zu essen oder zu trinken.“ Nach neun Monaten verlor Elena ihren Kampf gegen den Tumor.

Es bleiben ihre Briefe...
Zwei Kuverts haben Elenas Eltern bis heute nicht geöffnet. Jene beiden, die sie jeweils als Erstes gefunden hatten. Keith entdeckte seine Nachricht in einem Rucksack, Brookes Briefchen fiel aus ihrer Geldbörse. Die beiden Kuverts sind noch verschlossen, denn, so Elenas Vater: „Wir möchten einfach sichergehen, dass es immer noch eine Nachricht gibt, die wir nicht gelesen haben.“

Redaktion: Melanie Zingl