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Bronchitis

Bronchitis: Oft schon gehört, selbst daran erkrankt, aber trotzdem wissen nur wenige über die Krankheit und ihre Symptome wirklich Bescheid. Dr. Gerlinde Fasching erklärte uns als Fachärztin für Lungenkrankheiten alles rund um das Thema Bronchitis.

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Bronchitis

WOMAN: Was ist genau Bronchitis?

Fasching: Unter Bronchitis versteht man allgemein eine Entzündung der tiefen Atemwege (Bronchien). Die Beschreibung akut bezieht sich auf den zeitlichen Verlauf und meint damit, dass die Symptome der Erkrankung "plötzlich" aufgetreten sind, bzw. nicht länger als 6 bis max. 8 Wochen andauern.

WOMAN: Warum hustet man?

Fasching: Husten ist ein Schutzreflex der Atemwege und Symptom verschiedener Atemwegs- und Lungenerkrankungen und kann zur Verbreitung von Infektionskrankheiten beitragen (Tröpfcheninfektion). Der Spontanverlauf des Hustens bei der akuten Bronchitis beträgt bis zum völligen Abklingen bis zu 4 Wochen.

WOMAN: Was ist eine akute Bronchitis?

Fasching: Die akute Bronchitis tritt in erster Linie in der kalten Jahreszeit als Erkältungskrankheit bzw. bei (über)empfindlichen Menschen (z.B. mit einem vorbestehenden Asthma bronchiale) schon in der Übergangszeit von den warmen zu den kalten Jahreszeiten und umgekehrt wie auch teilweise im Sommer auf. Die häufigste Ursache für eine akute Bronchitis ist eine Infektion durch Viren, die sich sekundär durch bakterielle Besiedelung (Superinfektion) zu einer langwierigen Erkrankung entwickelt, die erst dann einer antibiot. Behandlung bedarf. Es gibt allerdings auch Formen der Bronchitis, die nicht durch Erreger, also nichtinfektiös bedingt sind (bei Vergiftungen, als Sonderform beim Asthma bronchiale oder immunologische Erkrankungen der Atemwege und Lungen wie auch durch Medikamente verursacht).

WOMAN: Was sind die häufigsten Beschwerden?

Fasching: Die häufigsten Beschwerden einer Bronchitis sind Husten mit oder ohne (weiß-schleimigem bis gelb-eitrigem oder sogar missfärbigem) Auswurf durch übermäßige bronchiale Schleimbildung und eine erschwerte Atmung, wenn die Bronchien sich dabei verengen (obstruktive oder spastische Bronchitis). Als sehr unangenehm empfinden die PatientInnen, wenn durch zu enge Atemwege zähes Sekret nicht gut abgehustet werden kann und damit auch das Symptom Atemnot auftritt. Die intensivierte Behandlung besteht dann in der Anwendung von bronchienerweiternden Medikamenten (Sprays) und erst in zweiter Linie durch sekretlösende Medikamente. Hustenreizstillende Medikamente sollen nur in Ausnahmefällen eingenommen werden.

WOMAN: Ist eine Altersgruppe besonders häufig davon betroffen?

Fasching: Als besonders anfällig für wiederholte akute und schließlich eine chronische Bronchitis zählen Menschen mit z.B. genetisch verursachten Atemwegs- und Lungengrunderkrankungen wie auch immunologischen Störungen, die mit einer Immunschwäche einhergehen. Neben den immungeschwächten und alten Menschen, insbesondere mit Vorbelastung, was das Zigarettenrauchen betrifft, sind v.a. Kleinst- und Kleinkinder von Erkältungskrankheiten mit akuter Bronchitis betroffen, wenn sie im Herbst in die Krabbelstube oder den Kindergarten kommen. Sie sind aufgrund ihres noch unreifen Immunsystems noch nicht in der Lage, adäquat auf Infektionen zu reagieren, sondern müssen ihre Immunkompetenz erst aufbauen. Dabei sind mehrere (bis 8) Infekte pro Infektinsperiode als normal anzusehen, was v.a. große Geduld von den Eltern und Wissen von den Ärzten verlangt, wenn es darum geht, mit "einfachen Heilmitteln aus der Natur" zu versuchen, die Bronchitiden unter Kontrolle zu halten, und nicht sofort zum Antibiotikum zu greifen.

WOMAN: Sind Raucher häufiger von Bronchitis betroffen?

Fasching: RaucherInnen sind initial (leider) nicht häufiger von akuten entzündlichen Atemwegserkrankungen betroffen, sondern entwickeln per se eine Form der chronischen Bronchitis mit Übergang in eine "COPD mit Lungenemphysem", was einem stetigen Umbau- und Abbauprozess in den Atemwegen und den Lungen entspricht und schließlich in eine irreversible Lungenzerstörung einmündet, die auch durch Medikamente nicht aufzuhalten ist. Die klassische Raucherbronchitis fällt eher den Mitmenschen um RaucherInnen in Form eines stetigen teilweise produktiven Hustens auf, als sie von den Erkrankten selbst wahrgenommen wird. Darin ist der Hauptgrund zu sehen, weshalb RaucherInnen von Lungenärzten sehr häufig erst im Spätstadium der Erkrankung in Form der COPD gesehen werden.

WOMAN: Wie kann ich Bronchitis vorbeugen?

Fasching: Als vorbeugende Maßnahmen gegen eine infektiöse Bronchitis werden immer an erster Stelle die "gesunde, vitaminreiche (abwechslungsreiche) Ernährung und Bewegung an der frischen Luft" stehen. Bei immungeschwächten Menschen sind Schluckimpfungskuren in den Sommermonaten und ab dem 65. Lebensjahr regelmäßige Schutzimpfungen empfohlen. Eine gesundheitsbewusste Lebensweise umzusetzen, scheint aber weder von Alt noch Jung in unserer modernen, stressüberladenen Zeit kaum schaffbar zu sein.

Interview: Stephanie Krois