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Brust-Amputation: "Meine Chance, zu überleben"

Etwa fünf Prozent aller Brustkrebserkrankungen sind genetisch bedingt. Die Entfernung der Brust ist für diese Frauen dann die einzige wirksame Vorsorgemöglichkeit. Betroffene sprechen ganz offen über ihre mutige Entscheidung.

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Brust-Amputation: "Meine Chance, zu überleben"

"Meine Chance, zu überleben."

© Thinkstock

Der Krebs war sowohl in der Familie Gilan als auch bei Lea M. (Name geändert) immer präsent. Die Großmutter und die Tante von Karin Gilan sind an Brustkrebs gestorben, ihre Mutter an Eierstockkrebs. Auch Lea M. hat ihre Mutter und Großmutter an den Brustkrebs verloren. Alle drei standen vor der Frage, ob sie auch von der genetischen Mutation betroffen sind, die diese Erkrankung verursacht. Ihre Chancen standen bei 50 Prozent. Alle drei ließen sich nach dem positiven Testergebnis die Brüste entfernen. "Es ist die einzige Möglichkeit, die Krankheit à la longue zu überleben", wie Lea betont.

Erblich.

Etwa fünf Prozent aller Brustkrebserkrankungen sind durch genetische Veranlagung bedingt, betroffene Frau en erkranken in 85 Prozent der Fälle. Wer selbst mehrere Fälle von Brust- oder Eierstockkrebs (die beiden Erkrankungen hängen zusammen) in der Familie hat, sollte über einen Gentest nachdenken. Insgesamt gibt es 40 Beratungsstellen in Österreich. Auch Angehörigen kann eine solche Beratung helfen. Die einzige wirksame Vorsorgemaßnahme ist die vollständige Entfernung des Brustgewebes und der Eierstöcke.

Mutig.

Karin Gilan hat im Jahr 2003 Eierstöcke und Brustdrüsen wegnehmen lassen. Natalie und Lea wollten sich die Möglichkeit, ein Kind zu bekommen, offenhalten und haben nur das Brustgewebe entfernen lassen. Die Eierstöcke müssen weiterhin ein- bis zweimal jährlich mit Ultraschall untersucht werden. Bei den beiden jungen Frauen wurde auch Brustwarzen erhaltend operiert, wodurch die Sensibilität der Brust nicht völlig verloren ging.

Aufklärung.

Der offene Umgang mit dem Thema ist für die Gilans sehr wichtig. Karin spricht regelmäßig auf Infoabenden. Natalie hat im Freundeskreis viel Rückhalt bekommen, die meisten sind stolz auf sie, dass sie diesen Schritt gewagt hat. Von ihren Originalbrüsten hat sie einen Gipsabdruck zuhause. Lea kann zwar offen im Freundes- und Bekanntenkreis darüber reden, muss aber als Selbständige aufpassen dass sie im Berufsleben nicht diskriminiert wird.

Natalie Gilan.

Mit Brustkrebs aufgewachsen.

Diagnose. Bereits in ihrer Kindheit war die Airline-Angestellte mit Krebs konfrontiert, drei Familienmitglieder starben an Brust- oder Eierstockkrebs. Darum ließ sie sich im Jahr 2003 auf eine genetische Vorbelastung testen. Nach atypischen Veränderungen in der rechten Brust ließ sie sich im Oktober 2004 beide Brüste vollständig abnehmen.

Probleme. In vier Jahren hatte sie insgesamt acht Operationen, da ihr Körper die Implantate immer wieder abstieß. Einmal kam es zu einer Kapselbildung aus Narbengewebe. Seit 2008 hat sie keine Probleme mehr, inzwischen kann sie wieder normal sporteln und auf dem Bauch liegen. Nur schwere Gegenstände hebt sie nicht. Die Sensibilität der Brust ist eingeschränkt, aber nicht völlig verloren, da sie ihre eigenen Brustwarzen noch hat.

Umgang. Gilan hat auch im Nachhinein nie an ihrer Entscheidung gezweifelt, für sie war die Operation die einzige Möglichkeit. Zuhause hat sie einen Gipsabdruck ihrer Originalbrust. Für ihren jetzigen Partner ist der falsche Busen kein Problem. Sie hat aber in den vergangenen Jahren engeren Kontakt zu Männern eher vermieden.

Karin Gilan.

Brüste und Eierstöcke entfernt.

Diagnose. Die Lehrerin erfuhr erst vier Jahre vor ihrer Operation im Jahr 2003, dass es einen Test zur genetischen Veranlagung gibt. Nach dem positiven Befund (ihre Mutter war an Eierstockkrebs gestorben, eine Tante und die Großmutter an Brustkrebs) ließ sie sich im Juli 2003 Eierstöcke und Gebärmutter, im November 2003 beide Brüste entfernen. Das Gewebe wurde inklusive der Brustwarzen entfernt, die Haut wurde mit einem Expander gedehnt, 2004 wurden die Implantate eingesetzt.

Probleme. Im Herbst 2010 ist eines der Implantate mit Kochsalzlösung geplatzt, daraufhin wurden ihr Silikonimplantate eingesetzt. Die Falte zwischen den Brüsten wurde erst bei dieser OP angelegt, davor war sie nicht vorhanden. Da auch die Brustwarzen operativ aufgebaut wurden, sind die Brüste völlig unsensibel, die Narbe verläuft quer darüber.

Umgang. Für sie ist die Entscheidung absolut richtig, da sie zu viele Frauen kennt, die bereits an Krebs gestorben sind. Durch ihren offenen Umgang damit hat sie auch nie einen Mann getroffen, der damit ein Problem hatte. Gilan spricht über ihre Erfahrung häufig auf Informationsveranstaltungen.

Thema: Brustkrebs