Ressort
Du befindest dich hier:

Brustgesundheit: Sanfte Mammografie

Jährlich 5.000 Frauen erkranken an Mammografie.


Brustgesundheit: Sanfte Mammografie
©

Er zählt zu den Top-Röntgenologen des Landes: Bernhard Schwaighofer, Röntgenologie-Vorstand am Evangelischen Krankenhaus, über eine der heikelsten Untersuchungen für uns Frauen: Die Mammografie.

WOMAN : Trotz massiver Kampagnen und eines erhöhten Risiko-Bewusstseins ist Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung bei uns Frauen. Warum werden die Zahlen nicht erfreulicher?

Schwaighofer: Pro Jahr werden in Österreich etwa 5.000 neue Fälle nachgewiesen. In Europa erkrankt jede 8. Frau an Brustkrebs. Ja, stimmt, vor 15 Jahren war es noch jede 11. Trotzdem gibt es messbare Fortschritte. Durch diese massiven Aufklärungskampagnen und die Aufrufe, zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen, sterben heute 4 von 5 betroffenen Frauen nicht mehr daran. Die Sterblichkeit ist damit um 30 Prozent zurückgegangen.

WOMAN : Trotzdem: In Österreich hängt Brustgesundheit von der Informiertheit der Patientinnen ab. Wer sich um seinen Körper kümmert, geht zur Mammografie. Was halten Sie von organisiertem Brust-Screening - ähnlich wie bei den verpflichtenden Untersuchungen des Mutter-Kind-Passes -, das ja geplant ist?

Schwaighofer: Das ist derzeit noch in der Diskussionsphase, in den groben Zügen aber bereits geklärt. Ich unterstütze das im Prinzip sehr. Man muss aber auch sagen, dass österreichische Frauen bei der Brustkrebsvorsorge deutlich besser behandelt werden als im internationalen Vergleich. Wir wissen, dass die Untersuchungsdichte in Ballungszentren immerhin bereits zw. 50 und 70 Prozent liegt. Aber jede Frau muss sich eben ganz bewusst und eigenständig dazu entschließen. Umso wichtiger ist fundierte Information.

WOMAN : Viele Untersuchungen zeigen, dass Frauen mit Übergewicht oder zu wenig sportlicher Betätigung ein größeres Risiko haben, an Brustkrebs zu erkranken. Und doch hat jeder von uns in seinem Bekanntenkreis auch Krebspatientinnen, die ein ganz gesundes Leben geführt haben …

Schwaighofer: Die Ursachen für Brustkrebs sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Man weiß aber, dass Lebensstil, Ernährung und auch Alkoholkonsum eine bedeutende Rolle spielen. Mangelnde Bewegung und Übergewicht erhöhen nachweislich das Risiko. In Japan beispielsweise kommt Brustkrebs sehr selten vor. Forscher führen das auf die dort übliche Ernährung zurück. Übersiedelt eine Japanerin nach Europa oder Amerika, so hat sie nach 20 Jahren das landesübliche Risiko.

WOMAN : Trotzdem gibt es viele Mammografie-Skeptiker: Die Angst vor der Untersuchung würde psychisch belasten, die regelmäßige Strahlenbelastung wäre massiv. Was empfehlen Sie?

Schwaighofer: Zuerst einmal die regelmäßige Selbstuntersuchung, also das eigene Abtasten der Brust. Keine Frage: Diese Untersuchung stellt mit Abstand die wichtigste und zuverlässigste Methode zur Entdeckung kleinster Veränderungen der Brust da. Seien Sie wachsam: Ungewöhnliche Einziehungen der Brustwarze, Rötungen der Brust, Ekzeme an den Brustwarzen, Schmerzen und Spannungen, die plötzlich auftauchen, sollten immer mit dem Arzt besprochen werden. Ab 40 Jahre sollte dann alle ein bis zwei Jahre eine Mammografie durchgeführt werden.

WOMAN : Viele empfinden das aber immer noch als Tortur …

Schwaighofer: Brustkrebszentren sollten stets mit den modernsten Technologien ausgestattet sein. Wir haben im Diagnostik-Zentrum Währing im Evangelischen Krankenhaus seit Herbst das modernste, derzeit am Markt befindliche Mammografiegerät aufgestellt, das eine bis zu 50 Prozent geringere Strahlenbelastung im Vergleich zu herkömmlichen Geräten aufweist. Diese Strahlenbelastung macht heute nur mehr ein Zehntel der natürlichen Strahlendosis aus. Und auch das, was Sie Tortur nennen, also die Kompression der Brust, wird nun durch eine besondere Computersteuerung auf ein Minimum reduziert, um den Patientinnen keine Schmerzen zuzufügen.

WOMAN : Eine Art sanfte Mammografie?

Schwaighofer: Ja, das kann man so sagen. So sanft und wenig belastend für die Patientin wie möglich, aber so genau und exakt, wie es derzeit nur geht! Wobei diverse Computer uns dabei unterstützen.

WOMAN : Sie haben als Röntgenologe auch eine Professur an der Universität im amerikanischen San Diego. Welche neuen Erkenntnisse am Gebiet der Frauengesundheit gibt’s?

Schwaighofer: In den USA sind Osteoporose, also der Schwund des Knochengewebes, und deren Früherkennung ein Riesenthema. In Österreich gibt es da leider noch viel zu wenig Aufklärung. Und die Zahlen sind dramatisch: Hier erkrankt jede vierte Frau nach der Menopause daran. Man sollte bereits zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr eine sogenannte DEXA-Messung und eventuell ein besonderes Blutbild durchführen lassen. So gibt es dann für später Vergleichswerte, und der Arzt kann eine maßgeschneiderte Therapie beginnen.

WOMAN : Und was kann man vorbeugend tun?

Schwaighofer: Viel Bewegung , ausreichend Kalzium, kaum bis gar kein Alkohol- und Nikotinkonsum. Und: Die Menschen sollen raus an die frische Luft, genügend Sonne tanken, da das UV-Licht das Vitamin D in der Haut bildet.

Interview: Euke Frank