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Brustkrebs ... was nun?

Frauen, mit dieser Krankheit konfrontiert, haben mehr Herausforderungen zu meistern als Chemotherapie. Psychologische Unterstützung und Hilfe im Alltag sind extrem wichtig. Wir haben die besten Lösungen für die häufigsten Probleme zusammengestellt.

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Brustkrebs ... was nun?
© millann/iStock

Eine von acht Frauen wird irgendwann im Laufe ihres Lebens mit der Mitteilung konfrontiert: "Sie haben Brustkrebs." Das ist Gott sei Dank schon längst kein Todesurteil mehr. Doch die Krankheit zieht oft einen langen Leidens- und Behandlungsweg nach sich, auf dem es viele unvorhersehbare Probleme geben kann. Die medizinische Versorgung ist meist schnell geklärt und wird von Ärzten und Krankenhaus organisiert. Doch andere Schwierigkeiten familiärer, persönlicher oder auch finanzieller Natur stürmen auf einen ein. Wir haben mit Doris Kiefhaber und Martina Löwe, den Geschäftsführerinnen der Österreichischen Krebshilfe, über die drängendsten Probleme gesprochen und wo man im Bedarfsfall Hilfe findet. Außerdem haben wir Infos und Produkte recherchiert, die betroffenen Frauen helfen und Mut machen. Plus: Interview mit dem deutschen Arzt und Hormonexperten Dr. Jochen Armbruster, der erklärt, warum zu viel Östrogen im Körper gefährlich ist.

Schockzustand.

"Die Mitteilung, man sei an Brustkrebs erkrankt, ist zuerst einmal ein Riesenschock. Bilder von Krankheit und Tod, Gefühle der Angst und Verzweiflung sind die erste Reaktion der meisten Frauen. Fast niemand erinnert sich später deutlich an diese Situation, die meisten wissen nur noch Bruchstücke", erzählt Doris Kiefhaber. "Man versteht, dass man krank ist, und kennt die Diagnose. Die Details sind aber den wenigsten klar. Es dauert eine Weile, bis man das begreifen kann." Genau hier kommt die Krebshilfe ins Spiel. Der gemeinnützige Verein hat in jedem Bundesland Beratungsstellen, bietet Aufklärung, psychologische Unterstützung und im Bedarfsfall auch finanzielle Hilfe. Infos, wo du die nächste Beratungsstelle findest, gibt es auf krebshilfe.net. Die Beratung wird ausschließlich von klinischen Psychologen und Psychoonkologen durchgeführt, sie ist kostenlos und anonym. Auch Hilfe zum Verständnis der Diagnose wird geboten. Martina Löwe warnt besonders davor, Infos auf eigene Faust im Internet zu googeln: "Die Informationen, die man da findet, sind oft nicht gesichert und nur bedingt glaubwürdig. Man kann sie nicht fachgerecht einschätzen und wird meist noch stärker verunsichert." Die Krebshilfe bietet deshalb kompakt zusammengefasste Broschüren zu den wichtigsten Themen zum Download auf ihrer Website. Beratung, Adressen, Angebote, Raum für persönliche Notizen und mehr findet man außerdem auf der APP KrebsHILFE. Die gibt es zum kostenlosen Download in den App-Stores von iOS und Android.

Verlässlichkeit.

Wichtigstes Anliegen der Krebshilfe ist die psychologische Unterstützung der betroffenen Frauen. Medizinisch gesehen ist man in einer Therapieschiene und wird bestens versorgt. Dadurch ist man so beschäftigt, dass einem die persönliche Belastung oft nicht sofort klar wird. Doch gerade die seelische Ebene braucht entsprechende Aufmerksamkeit. Problem für viele Betroffene: Es fällt sowohl ihnen selbst als auch Familienangehörigen & Freunden oft schwer, über die Krankheit zu sprechen. "Jeder will sich bestmöglich verhalten, nach dem Lehrbuch sozusagen. Das gibt es in so einem Fall aber nicht", weiß Kiefhaber. Häufige Folge: Sowohl Patientinnen als auch Angehörige sprechen die Situation gar nicht an. "Nicht angesprochene, unverarbeitete Ängste sind aber extrem belastend, das kann bis zu Depressionen führen. Und nicht nur die betroffenen Frauen selber haben Angst, das Falsche zu sagen, auch die Partner und Familienangehörigen. Es ist wichtig, klarzumachen, dass das ganz normal ist." Die Beratung der Krebshilfe steht deshalb auch für Angehörige bereit. Diese nehmen das Angebot meist recht rasch in Anspruch. Viele der Patientinnen kommen dagegen erst nach Therapieende. Denn dann, wenn das Umfeld wieder Normalität einfordert, obwohl man selbst noch gar keine Zeit hatte, das Geschehene zu verarbeiten, fallen viele Frauen in ein emotionales Loch. Martina Löwe betont deshalb: "Je früher die Frauen zu uns kommen, desto besser. Das hilft, die Diagnose leichter zu verarbeiten und gewisse Ängste erst gar nicht auf kommen zu lassen."

Offenheit.

Große Verunsicherung herrscht bei der Frage: Wie erkläre ich es meinen Kindern? Die Expertinnen plädieren hier für größtmögliche Offenheit. "Viele Frauen versuchen, ihre Kinder zu schützen, vor allem, wenn sie noch klein sind. Doch man sollte ihnen eine so schwere Krankheit nicht verschweigen. Erstens hält man es auf Dauer ziemlich sicher nicht durch und zweitens haben Kinder sehr feine Antennen. Sie spüren die Angst der Eltern. Wenn sie nicht wissen, was dahintersteckt, projizieren sie diese auf sich und glauben, sie seien schuld, dass es Mama schlecht geht", betont Löwe. Die Broschüre "Mama/Papa hat Krebs" gibt Ratschläge, wie man die Krankheit am besten mit den Kleinen bespricht.

Partnerschaft.

Ein besonders wichtiges Beziehungsthema ist die Sexualität bei Krebs. Hier kommt es häufig zu Missverständnissen, falsch verstandener Rücksichtnahme: Männer äußern ihre sexuellen Wünsche nicht mehr aus Angst, die Frau könnte denken, sie seien nur an dem einen interessiert. Umgekehrt fühlt sich die Frau dadurch nicht mehr begehrt. Auch hier raten die beiden Expertinnen dazu, offen über alles mit dem Partner zu sprechen. Ob es dann tatsächlich Sex gibt, muss jedes Paar für sich entscheiden.

Beruf.

Da die Krebstherapien immer besser verträglich werden, wollen viele Frauen auch während der Therapie arbeiten gehen. Eine zumindest partielle Teilnahme am beruflichen Alltag vermittelt ein Gefühl von Normalität. Leider gibt es noch keine gesetzliche Regelung, doch in Absprache mit Arbeitgeber und Kollegen klappt eine individuelle Vereinbarung meist sehr gut. Schwierig wird es, wenn die Betroffene wieder gesund ist: "Nach Abschluss der Therapie gibt es ein Nachsorgeloch. Der Arbeitgeber erwartet wieder Normalität, die Frauen sind aber oft noch überfordert mit einem vollen Wiedereinstieg. Die Krebshilfe fordert deshalb eine gesetzliche Regelung für Teilzeitkrankenstand", betonen Kiefhaber und Löwe. "Sinnvoll wäre, im ersten Monat nur 30 Prozent zu arbeiten, im zweiten 50 Prozent und erst ab dem dritten wieder voll." Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser unterstützt dieses Anliegen.

Finanzielles.

Wie so oft dreht es sich auch beim Kranksein ums Geld. Verdienstentgang und ungeplante Ausgaben (Selbstkostenbeitrag für Perücken, Fahrtkosten zu Therapien, Rezeptgebühren usw.) können ein ziemliches Loch in die Geldtasche reißen. Die Krebshilfe offeriert deshalb auch finanzielle Unterstützung. Die Abwicklung über den Pink Ribbon-Soforthilfefond ist unkompliziert, die Beraterinnen helfen gerne, einen Antrag zu stellen.