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"Als ich meine Brust verlor..."

Kerry Mansfield war eine gesunde 31-Jährige, als bei ihr Brustkrebs diagnostiziert wurde. Ihre Krankheit – von der Chemotherapie bis zur Masektomie – dokumentierte sie in Bildern.


"Als ich meine Brust verlor..."

Kerry Mansfield knapp nach der Schockdiagnose

© Kerry Mansfield

Eine Routineuntersuchung beim Gynäkologen. Ein spürbarer Knoten in der Brust. Mammografie. Und die Schock-Diagnose: Brustkrebs.

Bis zu diesem Zeitpunkt war Kerry Mansfield (31), eine der renommiertesten amerikanischen Fotografinnen (www.kerrymansfield.com), eine gesunde, fröhliche junge Frau. Der Krebs änderte alles, wie sie WOMAN erzählt: "Ich wollte meine Freunde und sogar meine Familie in der ersten Zeit nicht sehen, sondern habe mich völlig eingeigelt. Ich hatte das Gefühl, jeder meint, er müsse sich um mich kümmern – und dass ich ständig nur heulend auf einem Sofa hänge und alle belaste."

Um mit ihrem Schmerz, ihrer Angst und den Veränderungen umzugehen, die ihr Körper während der Therapie durchmachte, wählte Kerry eine andere Form der Verarbeitung. "Ich wollte festhalten, wie meine Krankheit verläuft, was sie mit mir macht und wie sie mich ändert."

Kerry, nachdem sie die Diagnose erhielt

Sie begann mit einer Selbstporträt-Serie, die sie nun in San Francisco erstmals ausstellte. Mansfield knipste sich selbst während der gesamten Zeit ihrer Erkrankung – von der Chemotherapie bis zur Amputation ihrer Brust und deren Wiederaufbau – in ihrer Dusche. Den Hintergrund wählte sie ganz bewusst: "Die Fliesen sind kalt und neutral, sie erinnern mich an die Aufenthalte in der Klinik, an die OP-Säle und die Krankenzimmer, wo ich lag und mich meinen schlimmsten Ängsten stellen musste."

Kurz nach der Masektomie

"Die Zeit während der Aufnahmen," so Mansfield, "waren die einzigen Momente, in denen ich mir erlaubt habe, mich krank zu fühlen. Ich habe mich wie ein Buch geöffnet – und danach sofort wieder verschlossen, um wieder nach außen stark sein zu können."

Der zweite Durchgang der Chemotherapie

Die Chemotherapie schwächte Kerry enorm. "Ich wartete, bis ich mich fit genug fühlte, um im Bad die Aufnahme zu machen. Ein Mal jedoch fühlte ich mich so schwach, dass ich mich auf den Boden der Dusche setzen musste. Meine Kraft war weg." Auf diesem Foto sieht man nur den Kopf der Fotografin.

Chemotherapie, 4. Zyklus

In Mansfields rechter Brust wurden sieben Tumore entdeckt, in ihrer linken drei. "Ich war eine gesunde junge Frau, in meiner Familie gab es bis dahin keine Brustkrebs-Erkrankungen. Als der Arzt mir die Diagnose mitteilte, war es ein Gefühl, als würde mir der Boden unter den Füßen weggerissen."

6. Zyklus der Chemo

Ihre rechte Brust musste binnen drei Wochen nach der Diagnose amputiert werden, aus der linken wurden die Tumor-Klumpen entfernt. "Ich hatte mein ganzes Leben lang Komplexe wegen meines Körpers," sagt Kerry, "aber es gab eine Sache, die ich immer an mir mochte: Meine Brüste." Sie zu verlieren, das sei einem Verlust ihrer Weiblichkeit gleichgekommen. "Es war ein sonderbares Gefühl, mich in den Spiegel zu sehen und die Person darin nicht zu erkennen. Irgendwann habe ich es dann aufgegeben, mich um den Verlust meiner Brust zu sorgen. Es hat Energie gezogen – ich war zu schlicht zu schwach dafür."

7. Zyklus: Kerry hat alle Körperhaare verloren, sie ist nur mehr erschöpft

Doch die Masektomie war nichts gegen die folgende Chemotherapie. Denn der Krebs war so aggressiv, dass ihr Körper in acht Schnelltakt-Runden regelrecht vergiftet wurde, um den Krebs schneller abzutöten. Normal sind Bestrahlungen im Drei-Wochen-Zyklus.

Zusätzlich zur Strahlentherapie nimmt Kerry nun das Medikament Tamoxifen. Das Medikament blockt die Produktion des weiblichen Östrogen-Hormons

"Ich werde niemals den Moment vergessen, in dem der Arzt zu mir sagte: Die Chemotherapie ist die Hölle. Aber du musst durch sie hindurch. Sonst wirst du sterben."

Die Haare wachsen nach, die Anstrengung der Therapie zeichnet sich aber nach wie vor ab

Die Familie und ihre Freunde wurden zu ihren Lebensrettern. Sie begleiteten Kerry jede Woche zur Bestrahlung, führten sie nach Hause, räumten auf und kochten, wenn sie zu schwach war. "Ihre unglaubliche, unerschütterliche Liebe war für mich ein Grund, am Leben zu bleiben."

Die Brust wird langsam wieder hergestellt

Drei Operationen waren notwendig, um die Brust wieder herzustellen. "Der Krebs," sagt Mansfield," hat mein Leben für immer verändert."

Die Rekonstruktion der Brust ist fast abgeschlossen

Heute ist Kerry Mansfield 38 Jahre alt. Die Chemotherapie hat ihre Eierstöcke zerstört, sie wird keine eigenen Kinder haben und befindet sich in der Menopause. "Ein Teil von mir hat akzeptiert, dass ich niemals das haben werde, was meine Freundinnen haben," sagt sie. "Und trotzdem bin ich manchmal eifersüchtig."

Die Chance, dass Kerry im Laufe ihres Lebens erneut an Brustkrebs erkrankt, liegt bei 65 Prozent. Sie geht nun regelmäßig zur Vorsorge, "doch vor jedem Test habe ich tagelang Panik. Trotzdem: Ich lebe. Und ich habe einen Partner, der mich zutiefst liebt und mir nie das Gefühl gegeben hat, dass der Verlust meiner Brust mich als Frau unvollkommen macht."

Information: Unter Frueh-Erkennen.at findet ihr Informationen zu Ablauf und die Möglichkeit der Anmeldung zur Brustkrebs-Früherkennung.