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Brustkrebs: OP-Methoden im Vergleich

Bei Brustkrebs gibt es unterschiedliche Behandlungsmethoden und Operationsmöglichkeiten. Die Genesungsrate ist hoch. Wir haben die wichtigsten Infos zusammengefasst.

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Brustkrebs: OP-Methoden im Vergleich
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Rund 5000 Frauen jährlich sind in Österreich von Brustkrebs betroffen, mit der Diagnose beginnt ein langer Therapieweg. Dank regelmäßiger Untersuchungen, Aufklärung und umfassender Behandlungsmethoden liegt die Genesungsrate mittlerweile bei 85 Prozent – das ist ein bedeutend höherer Anteil als bei den meisten anderen Krebsarten. Schockierende Nachrichten wie die prophylaktische Mastektomie, also Brustamputation, von Angelina Jolie, erhöhen das Bewusstsein für diese gefährliche Krankheit zusätzlich.

Risikofaktoren.

Genetisch bedingt, wie bei der Schauspielerin, sind zwischen fünf und zehn Prozent aller Erkrankungen. Wenn es in deiner Familie bereits zwei oder mehr Betroffene gibt, kannst du dich testen lassen. Weitere Ursachen liegen vor allem im Lebensstil. Reduziere Alkohol, iss gesund und ausgewogen mit wenig Fleisch, viel Obst und Gemüse und frisch zubereitetem Essen. Achte auf dein Gewicht und mache regelmäßig Sport. Das senkt die Gefahr bis zu 40 Prozent. Weitere Risiken sind Kinderlosigkeit, späte Schwangerschaft und Verzicht auf das Stillen. Die meisten Erkrankungen werden allerdings durch die Kombination mehrerer Faktoren ausgelöst.

Eingriffs-Möglichkeiten.

Bei einer Brustkrebs-Diagnose gibt es zwei OP-Methoden, wie Univ.-Prof. Primar Dr. Reinhold Függer, Vorstand der chirurgischen Abteilung am Krankenhaus der Elisabethinen in Linz (elisabethinen.or.at), erklärt: brusterhaltend oder Amputation mit darauf folgender Rekonstruktion (genaue Erklärung unten). Die erste Variante hat den Vorteil, dass mit einem Eingriff alles erledigt ist und die eigene Brust erhalten bleibt. Allerdings wird – je nach Lage und Art des Tumors – das Ergebnis oft ästhetisch nicht optimal. Wird die Brust dagegen komplett entfernt, kann bei der Rekonstruktion darauf besser geachtet werden. Außerdem ersparen sich viele Patientinnen dadurch die postoperative Bestrahlung, wie die plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgin Dr. Shirin Milani (medspa.cc.) weiß.

Bewusstsein.

Werde selbst aktiv! Taste regelmäßig deine Brüste und Achseln ab, am besten zwischen dem dritten und siebten Tag nach Beginn der Regelblutung. Dann ist das Drüsengewebe weicher, ein Knoten wird leichter erkannt.

BRUSTERHALTEND.

Der Eingriff. Der Tumor wird aus dem Brustgewebe herausgeschnitten, rundherum wird ein Saum mit gesundem Gewebe entfernt, um sicherzustellen, dass keine Krebszellen zurückbleiben. Wichtig ist, dass er nicht an mehreren Stellen in der Brust verstreut ist. Außerdem wird der Sentinel, der Wächterlymphknoten, entnommen. Je nach dem ob und wie viele Krebszellen dort zu finden sind, werden weitere Lymphknoten entfernt. Wenn das Gewächs sehr groß ist, kann es sein, dass vor der OP eine Chemotherapie gegeben wird, um es zu verkleinern und eventuell gestreute Herde zu bekämpfen. Je nach Lage des Tumors kann die Sensibilität der Brustwarze meist erhalten bleiben.

Das Ergebnis. Sind die Brüste groß und es ist viel Gewebe vorhanden, wird gleich bei der OP gesundes Gewebe umgeschichtet und der herausgeschnittene Teil kompensiert. So kann man ein optisch schöneres Ergebnis erzielen, ein geringer Größenunterschied fällt im Normalfall nicht auf. Das ist auch für die Psyche wichtig. Ist die Brust allerdings klein, wird es schwierig, ein gutes Ergebnis zu bekommen. Dann muss sie mittels Implantat wieder aufgebaut werden.

Weitere Schritte. Bei einer brusterhaltenden OP wird im Regelfall nach einer Chemotherapie noch bestrahlt, um eventuel im Gewebe zurückgebliebene Herde zu zerstören. Anschließend wird bei hormonabhängigen Tumoren (etwa 80 Prozent) noch eine Anti-Östrogen-Therapie gegeben.

MASTEKTOMIE.

Der Eingriff. Ist der Tumor zu groß, an einer ungünstigen Stelle oder im Gewebe verstreut, wird die gesamte Brust abgenommen, der Brustmuskel bleibt dabei erhalten. Auch die Lymphknoten werden untersucht und wenn nötig entfernt. Anschließend wird die Brust mit Eigengewebe oder Implantat wieder aufgebaut. Eigengewebe wird entweder aus der Bauchdecke entnommen (geht nicht bei sehr schlanken Frauen) oder es wird vom Rücken mit einem Teil des Rückenmuskels nach vorne transplantiert. Bei einem Implantat kann es sein, dass die Haut über der Brust zuvor mit einem Expander gedehnt werden muss, damit es später Platz hat. Wichtig ist, dass es gut mit Eigengewebe bedeckt ist. Ästhetisch gelingt bei einer Mastektomie im Normalfall ein schöneres Ergebnis, als bei einem brusterhaltenden Eingriff.

Das Ergebnis. Am besten werden Amputation und Rekonstruktion in einer Sitzung gemacht, das hat den psychischen Vorteil, dass man nicht ohne Brust aufwacht. Die OP dauert zwar länger, dafür kommt es seltener zu Komplikationen wie Nachblutungen oder Verkapselung der Prothese.

Weitere Schritte. Der Vorteil einer Mastektomie: In vielen Fällen ist keine gewebszerstörende Bestrahlung mehr nötig, da sämtliches Risikogewebe entfernt wurde. Dadurch ist eine eventuelle spätere Rekonstruktion besser möglich. Eine Chemo gegen Streuherde im Körper ist meist nötig.