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Brustkrebs: Wann ist Amputation nötig?

Aus Angst vor Brustkrebs ließ sich Angelina Jolie beide Brüste amputieren. Ab wann ist dieser radikale Schritt ratsam und notwendig? Was die österr. Krebshilfe rät.


Brustkrebs

Brustkrebs: Jährlich erkranken 5.000 Österreicherinnen daran

© Thinkstock

Aus Angst, an Brustkrebs zu erkranken, ließ sich Schauspielerin Angelina Jolie vorsorglich beide Brüste abnehmen. Ärzte hätten bei ihr ein 87-prozentiges Risiko für Brustkrebs errechnet. Sie trage das Gen BRCA1 in sich, das (wie auch das Gen BRCA 2) ihr Risiko für Brust- und Eierstockkrebs erheblich erhöhe.

Aber ist eine vorsorgliche Amputation wirklich nötig und ratsam?

In Österreich erkranken rund 5.000 Frauen jährlich an Brustkrebs – die Heilungsrate liegt bei 80 Prozent. Wie viele Patientinnen sich die Brüste amputieren lassen, ist nicht bekannt. In den Niederlanden, USA und Großbritannien ist die radikale Massnahme zur Brustkrebs-Vorbeugung bei Risikopatientinnen weitaus gängiger. So entscheiden sich in England etwa 50 Prozent der genetisch vorbelasteten Frauen für diesen Eingriff.

Dennoch ist die Vorsorgemassnahme nicht ununstritten. Zwar erkranken 90 Prozent der Frauen, die sich für die Massnahme entscheiden, im Laufe ihres Lebens nicht an Brustkrebs – doch eigentlich sind nach Ansicht von Onkologen Früherkennungs- und Behandlungsmethoden mittlerweile so weit entwickelt, dass man Frauen diesen körperlich und psychisch harten Eingriff ersparen könnte.

Wir sprachen mit Doris Kiefhaber, Geschäftsführerin der Österreichischen Krebshilfe, über den Nutzen der Brustamputation zur Krebsvorsorge.

WOMAN: Ist eine vorsorgliche OP ratsam und notwendig?
Doris Kiefhaber: Bevor „frau“ sich überhaupt für einen Test entscheidet, sollte eine eingehende Beratung stattfinden. Denn ein positives Testergebnis (Vorhandensein eines veränderten Krebsgens) sagt nicht, wann, an welchem Tumortyp oder ob überhaupt eine Krebserkrankung eintreten wird, sondern weist auf ein erhöhtes Risiko hin. Ob „frau“ sich zu einer prophylaktischen Entfernung der Brüste entscheidet, sollte ernst nach eingehender Beratung individuell entschieden werden.

WOMAN: Reicht es nicht, regelmäßig zur Früherkennung zu gehen und diesen radikalen Schritt erst zu machen, wenn eine Diagnose vorliegt?
Kiefhaber: Viele Frauen, die ein positives Testergebnis erhalten, entscheiden sich gemeinsam mit ihrem Arzt dazu, mit der Brustkrebsfrüherkennung früher (d.h. vor dem 40. Lebensjahr) zu beginnen und die Untersuchungen in kürzeren Intervallen vorzunehmen.

WOMAN: Selbst wenn man an Brustkrebs erkrankt, ist doch häufig eine komplette Amputation zu vermeiden – würden Sie sagen, dass eine komplette Amputation beider Brüste wie bei Angelina Jolie eine Empfehlung für Frauen ist, die ein genetisches Risiko einer Brustkrebserkrankung besitzen?
Kiefhaber: Das ist eine sehr individuelle Entscheidung, bei der viele Faktoren mitspielen. Angst durch Wissen ersetzen ist die Devise. Wenn Frauen über Vorteile und Nachteile objektiv informiert werden, können sie eine individuelle Entscheidung treffen.

WOMAN: Was bedeutet so ein radikaler Eingriff für eine Frau – psychisch und körperlich?
Kiefhaber: Jede OP ist eine schwer wiegende psychische und physische Belastung und jede OP hat Risiken. Es gilt, was eigentlich immer gilt: Vorteile und Nachteile abwägen.

Plastischer Wiederaufbau der Brust wird bezahlt

Wurde ein boshafter Tumor entdeckt, lässt sich eine Brustkrebs-Operation oftmals nicht vermeiden. Dabei ist es jedoch nicht unbedingt nötig, die gesamte Brust zu entfernen. In den meisten Fällen ist die Erhaltung der Brust möglich. Dazu wird ein Teil des Gewebes erhalten und mithilfe der plastischen Chirurgie neu aufgebaut. Der plastische Wiederaufbau der Brust wird in Österreich mittlerweile von den Sozialversicherungsträgern bezahlt. Dennoch ist danach eine Chemo- oder Strahlentherapie nötig, mit der die restlichen Krebszellen im Körper abgetötet werden.

Thema: Brustkrebs