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Mehr Busen auf Zeit?

Heftig! Der neueste Trend aus den USA heißt: INSTA-BREAST. Kochsalzlösung in der Brust sorgt einen Tag lang für eine Körbchengröße mehr. Wir schauten uns die umstrittene Methode mal an!

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Busen, Frau
© istockphoto.com

Bekanntes Szenario: Ein großes Event steht bevor, hektisches Anprobieren diverser Roben im Lieblingsshop. Und so mancher Seufzer beim Blick in den Spiegel: "Ach, könnte man den Ausschnitt für den großen Auftritt doch ein bisschen mehr ausfüllen." Genau das verspricht jetzt Insta-Breast aus den USA – eine neue Methode, wie sie z. B. Promi-Arzt Dr. Norman Rowe in seiner New Yorker Praxis anbietet. Dabei spritzt der Plastische Chirurg Kochsalzlösung in die Brüste, die dadurch ein bis zwei Cups größer werden. Gut einen Tag hält der üppige Traum, dann hat sich die Flüssigkeit wieder abgebaut. Aber kann das gesund sein? Wir haben den Plastischen Chirurgen Dr. Jörg Knabl (drknabl.at) gefragt. Plus: Alle Infos zu operativer Brustvergrößerung.

Busen to go?

Gedacht war der Partygag ursprünglich anders: Die Methode sollte ermöglichen, "dass Kandidatinnen für eine Brustvergrößerung vorab sehen und fühlen, wie es sich mit einem größeren Busen lebt", nimmt Rowe Stellung, zum umstrittenen Hype. Doch sein Service-Angebot hat sich mittlerweile verselbstständigt. Immer mehr Frauen sehen in der Anwendung eine messerfreie Alternative zur Operation. Die Möglichkeit, einen Tag lang auf C-Cups auszubauen, finden viele verlockend. Deshalb arbeitet Rowe aktuell an einem Verfahren, das auf diese Bedürfnisse zugeschnitten ist: "Vacation Breasts", "Urlaubsbrüste" also, sollen mehrere Wochen halten und schon bald das Angebot des New Yorker Arztes erweitern.

So funktioniert es

Das Prozedere einer Insta-Breast-Behandlung ist schnell erklärt: Die Patientin liegt auf dem Rücken, die Brust wird örtlich betäubt. Mit Spritze oder per Infusion pumpt der Arzt bis zu 250 ml Kochsalzlösung in jede Seite. Das Verfahren dauert zwischen wenigen Minuten und einer halben Stunde. Wie lange der Wunderbusen hält, ist von der injizierten Menge der Lösung und der Stoffwechselaktivität der Patientin abhängig. Laut Rowe ist der Zauber allerdings spätestens nach 24 Stunden vorbei, und der Körper baut die Flüssigkeit wieder ab.

Kritisch betrachtet

Auch wenn das Party-Dekolleté im ersten Moment gar nicht so schlecht klingt, die Methode wird von zahlreichen Kollegen aus der Beauty-Branche als fragwürdig eingeschätzt. Auch Experte Jörg Knabl zweifelt an der Harmlosigkeit des Eingriffs: "Jeder seriöse Chirurg muss diese Behandlung ablehnen", betont er auf Anfrage von WOMAN. Der wichtigste Grund: Der Vorgang stresst das Gewebe, weil es durch die injizierte Flüssigkeit unnatürlich gedehnt wird. Dadurch können Spannungen und Schmerzen entstehen. Durch die Einstiche kommt es auch zu einer Schwellung, die im Normalfall wesentlich länger als der Busen auf Zeit hält. Bei mehrmaliger Anwendung besteht zudem das Risiko eines Hängebusens durch die übermäßige Dehnung. Dann birgt so eine Prozedur, wie jeder medizinische Eingriff, die Gefahr von unerwünschten Nebenwirkungen: Unkontrollierte Blutungen oder Infektionen durch unsachgemäße Handhabung. Knabl sieht außerdem ein ästhetisches Problem beim Busen auf Zeit: "Die Kochsalzlösung gelangt ja nur in das Fett um die Drüse, das kann schnell unnatürlich aussehen." Ein weiterer, nicht unwesentlicher Haken an dem Kurzzeit-Dekolleté: Für wenige Stunden Freude mit mehr Körbcheninhalt zahlt man einen hohen Preis. Zwischen 2000 und 3000 Euro müssen Patientinnen für Insta-Breasts berappen. Zum Vergleich: Eine professionell durchgeführte, permanente Brustvergrößerung mit Implantaten kostet ab ca. 5000 Euro.

Fazit

Angesichts der Risiken, die Insta-Breast birgt, bleibt das Körbchen-Plus auf Zeit hierzulande vorerst einmal ein unerfüllter Traum. Für ein schnelles pralleres Dekolleté muss nach wie vor der Push-up-BH herhalten. Für Frauen, die sich wirklich mehr Oberweite wünschen, macht die klassische Brustvergrößerung viel mehr Sinn.

Alle Facts zur Brustvergrößerung

Ablauf. An allererster Stelle steht das Beratungsgespräch, in dem der Arzt aufklärt und Fragen beantwortet. Die Operation geschieht unter Vollnarkose und dauert rund eine Stunde. Ein Hautschnitt (meist in der Hautfalte unter der Brust oder am Rand der Brustwarze) von nur wenigen Zentimetern reicht, um die Implantate einzusetzen.

Implantate. Die meisten Ärzte verwenden die modernste Variante, bestehend aus druckstabilem Silikongel, das die Form behält und nicht ausrinnen kann.

Komplikationen. Der Körper bildet automatisch eine weiche Kapsel rund um die Implantate. Wenn sie verdickt und hart wird, spricht man von einer Kapselfibrose. In 1,5 bis 3 Prozent der Fälle kommt es zu dieser Komplikation, bei manchen geschieht das erst nach vielen Jahren. Die Implantate müssen in diesem Fall entfernt oder ausgetauscht werden. Durch die raue Hülle der modernen Implantate werden Kapselfibrosen zum Glück immer seltener.

Alternativen. Der Arzt kann die Brust auch mit Eigenfett vergrößern. Eine exakte Prognose hinsichtlich Größe und Form ist aber nicht möglich, denn nur 30 bis zu 70 Prozent der injizierten Fettzellen überleben.

Anlaufstelle. Auf der Website der Österreichischen Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und rekonstruktive Chirurgie (plastischechirurgie.org) finden Sie alle Informationen zur Brustvergrößerung und eine Auflistung von Fachärzten in deiner Nähe.

Themen: Beauty-OP, Trends