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Keine Waffen auf Fotos: Bumble-Chefin erhält Morddrohungen

Weil Fotos von Waffen verboten wurden, bekommt die Gründerin der Dating-App "Bumble" regelmäßig Morddrohungen. Auch ihr Büro steht unter Polizeischutz.

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© instagram.com/whitwolfeherd

Auf Dating-Apps findet man kurzweilige Flirts, Gspusis und manchmal auch die Liebe des Lebens. Doch damit das klappt, muss man erst einmal ein ansprechendes Profil erstellen, das einen nicht nur von der besten Seite präsentiert, sondern auch die eigenen Hobbys und Vorlieben hervorhebt. Für manche amerikanischen Männern gehört zu letzterem auch eine gewisse Waffenleidenschaft, die sie gerne auf Fotos präsentieren. Doch das dürfen sie auf Bumble nicht mehr. In einer Zeit von regelmäßigen Amokläufen mit Feuerwaffen, hat die Gründerin der App, Whitney Wolfe Herd, beschlossen, diese von der App zu verbannen. Seitdem bekommt sie Morddrohungen und ihre MitarbeiterInnen werden terrorisiert.

Dies ging sogar so weit, dass das Bumble-Büro eine Zeit lang unter Polizeischutz stand. "Ich bekam Mails, in denen stand: 'Ich werde meine Glock und du weißt schon was trotzdem zeigen' und beigefügt waren Fotos von der Waffe und den besagten Geschlechtsteilen." , sagte Wolfe Herd bei einer Podiumsdiskussion des Cannes Lions International Festival of Creativity. Trotz der unsicheren Situation steht die Gründern hinter der Entscheidung: "Es hat viele Leute wütend gemacht, aber es die richtige Entscheidung. In unserem Team sind einige verantwortungsvolle Waffenbesitzer. Ich bin aus Texas... Die Leitsätze unserer Firma sind Gleichheit, Ermächtigung, Freundlichkeit und Verantwortungsbewusstsein. Passen da Waffen rein? Nein. Die meisten Frauen, die durch häusliche Gewalt umkommen, sterben wegen Feuerwaffen. Warum also sollte man das romantisieren?" , so Wolfe Herd.

In Texas, wo auch Bumble sein Büro hat, haben 1,2 Millionen Menschen eine Waffenlizenz, besagt eine aktuelle Statistik des texanischen Amts für öffentliche Sicherheit. Das sind zwar weniger als 5 Prozent der Bevölkerung, aber trotzdem eine ganz schöne Anzahl von legalen Feuerwaffen. Und von der Grauzone der illegalen Waffenbesitzer wird in der Statistik gar nicht gesprochen. Interessant ist auch, dass vor allem Männer sich eine Waffenlizenz holen oder ihre bestehende erneuern lassen. 2017 waren es 72 Prozent Männer und nur 28 Prozent Frauen. Und so macht leider auch Sinn, was Wolfe Herd in ihrer Rede erwähnt hat, nämlich, dass die meisten Todesfälle bei häuslicher Gewalt durch Waffen verursacht werden. Tatsächlich sterben in Texas 8 Frauen pro Monat durch eine Waffe und zwar im Akt der häuslichen Gewalt.

Die Bumble-Gründerin hat selbst Erfahrungen mit häuslicher Gewalt und sexueller Belästigung am Arbeitsplatz gemacht. Bevor sie ihre eigene App gründete, war Wolfe Herd bei Tinder beschäftigt. Als sie jedoch von ihrem Ex-Freund, der Top-Manager bei der Dating-App ist, unter anderem als "Hure" beschimpft wurde, verließ sie das Unternehmen und verklagte es auf sexuelle Belästigung. 2014 gründete sie deshalb ihre eigene Dating-App, die Tinder gar nicht so unähnlich ist. Doch das wesentliche Unterscheidungsmerkmal ist, dass Frauen mehr Kontrolle über das Kennenlernen haben. Nur eine Frau kann potenzielle Datingpartner kontaktieren! Nur bei einer gleichgeschlechtlichen Kontaktaufnahme gilt diese Beschränkung nicht.

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