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"Her" oder: Wie ich meine erste Influencerinnen-Reise erlebte

Burberry lud nach London um seinen neuen Duft "Her" zu präsentieren - gemeinsam mit rund 50 Influencerinnen aus aller Welt war ich dort und lernte eine mir komplett neue Welt kennen.

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"Her" oder: Wie ich meine erste Influencerinnen-Reise erlebte
© © 2018 Juergen Teller, All rights Reserved

Okay, ich gebe es zu: Ich bin ein Neuling in der Welt der Bloggerinnen und Influencerinnen. Jedenfalls jener, die sich mit Mode und Beauty befassen. Ich bin Journalistin. Als solche hat man natürlich auch immer wieder mit Bloggerinnen zu tun - aber meistens auf der anderen Seite des Bildschirms. Dann, wenn man ihre Blogs liest, etwa um sich zu informieren, wenn man ihre Insta-Storys anschaut, um unterhalten zu werden oder um einfach zu schauen, was die „indirekte“ Konkurrenz so treibt. Aber auf einer Reise, zu der sonst fast ausschließlich Influencerinnen und Bloggerinnen eingeladen wurden, war ich noch nicht. Bis jetzt.

Mitte Oktober wurde mir die Ehre zuteil, gemeinsam mit gut 50 anderen Frauen - eben Bloggerinnen und Influencerinnen - aus aller Welt nach London zu reisen. Aus einem ganz speziellen Anlass: Burberry präsentierte dort seinen neuen Duft „Her“. An dieser Stelle noch ein Geständnis: Ich gehöre zu jenen Menschen, die nur ein Parfum benutzen, und das für mindestens 10 Jahre. Weil ich meinen Geruch als wesentlichen Teil meiner Identität begreife - und die ändert man halt nicht so schnell. Und: Ich bin sehr wählerisch; es ist selten, dass mich ein neuer Duft wirklich anspricht. Also war meine erste große „Sorge“: Was, wenn ich in London für zwei Tage von einem Geruch umgeben bin, den ich überhaupt nicht aushalte?

Dresscode: "Express your personality!"

Diese Sorge sollte schnell zerstreut werden: Nachdem ich zuvor noch keine Gelegenheit hatte, mich mit „Her“ vertraut zu machen, hab ich mir kurzerhand im Duty Free Shop am Flughafen Schwechat eine Kostprobe genehmigt. Erleichterung: Auf den ersten „Riecher“ war mir das Parfum schon mal recht sympathisch. Dass ich ab dem Moment selbst zwei Tage lang in einer Wolke aus „Her“ durch London wandeln sollte, war mir zu dem Zeitpunkt noch nicht bewusst. Das sollte sich aber spätestens nach der Ankunft im Hotel ändern. Denn dort wartete ein äußerst liebevoll gestaltetes Willkommens-Päckchen in jedem Zimmer, mit einem personalisierten Flakon „Her“.

Aber das war längst noch nicht alles. Dazu gab es auch noch allerhand andere schöne Sachen, aber das Highlight war aus Papier: Die Einladung zu einer Party. Gastgeberin: Cara Delevigne. Schauspielerin und Supermodel. For real? Äh tja, Fragen tauchen auf. Die vordergründigste: Was zieht man bitte zu so einer Party an? Nochmalige Erinnerung: Ich bin Journalistin und keine Mode-Bloggerin. Ein kurzer Check im Programm unter dem Stichwort Dresscode liefert folgende Antwort: „For the house party you are welcome to wear whatever you wish in order to express your personality.“ Puh, wieder Erleichterung: Schwarze Hose und schwarzes Oberteil sind im Koffer - ich bin gerettet. Was die anderen wohl über meine so düster ausgedrückte Personality denken würden? Egal. Eine gelbe Jacke hatte ich doch auch noch irgendwo.

So eine Einladung erhält man auch nicht alle Tage.


Bilder, Bilder, Bilder

Aber bevor es zur Party ging, stand noch allerhand am Programm. Zu allererst: Ein Podiums-Gespräch zwischen Simona Cattaneo von Coty und dem Schöpfer von „Her“, Star-Parfumeur Francis Kurkdjian. Das fand im wunderschönen Ballsaal des ebenso wunderschönen Hotels "Principal" statt - die zurückhaltende, aber bis in letzte Detail durchdachte Dekoration aus hellrosa Rosen und „Her“-Flakons, taten ihr übriges. Und in dem Moment wurde mir deutlich klar, was der größte Unterschied zwischen den mir bekannten klassischen Pressereisen und jenen, die für Influencerinnen angeboten werden, ist: Hier geht es um Bilder, Bilder, Bilder. Ist doch der Arbeitsplatz der Influencerinnen Instagram. So war ich möglicherweise die aufmerksamste Zuhörerin des Gesprächs, wie bei einer Pressekonferenz machte ich mir akribisch Notizen auf meinem Block, während alle anderen hauptsächlich mit ihren Smartphones beschäftigt waren.

Gesprochen wurde am Podium natürlich über die verschiedenen Bestandteile bzw. Duftnoten des neuen Parfums („Der Duft öffnet sich mit einer Explosion roter, dunkler Beeren, gefolgt von Jasmin und Veilchen in der floralen Herznote. Die Basisnote wird von trockenem Bernstein und Moschus bestimmt“), aber auch über den Flakon, der in Anlehnung an das historische Design von Burberrys allerersten Duft - ein Männerduft aus dem Jahr 1981 - gestaltet ist. Aber vor allem wurde über London gesprochen. Denn neben diversen Duftnoten steckt vor allem das Londoner Lebensgefühl in „Her“ - und wer könnte das besser verkörpern, als die gebürtige Londonerin Cara Delevigne? Kein Wunder, dass sie das Gesicht der Kampagne ist - fotografiert von Jürgen Teller an den London Hotspots. Sogar den Song „Maybe it’s because I’m a Londoner“ hat sie dafür neu eingespielt.

Let's get the Party started

Bevor wir aber am Abend schlussendlich auf ihre Hausparty gehen, ist noch einiges zu tun. In wunderschönem Ambiente Mittag essen zum Beispiel und auch hier sticht mir ins Auge: Alle Macht den Bildern. Danach bleibt ein bisschen Zeit, um London zu erkunden - und um Instagram-Storys zu machen. Danach wird’s ernst, in schicken Outfits (auch ich falle Schwarz in Schwarz nicht auf) steigen alle in die klassischen Londoner Taxis und fahren Richtung Grosvenor Square, wo die Party stattfinden wird. Begrüßt werden wir mit - wie könnte es anders sein - wunderschönen Cocktails und Champagner, im ersten Stock wartet sogar ein kleines Buffet. Ich habe großen Hunger, traue mich aber nichts nehmen, weil: Irgendwie isst hier niemand! (Das sollte sich zu späterer Stunde zum Glück noch ändern.)

Ich sitze herum und beobachte die Leute. Vor allem ihre Outfits. Und versuche zu erkennen, wer so wie ich aus einem anderen Land kommt (und möglicherweise auch zum ersten Mal auf so einer Party ist) und wer zu Caras Freundinnen und Freunden gehört. Das wird spätestens klar, als SIE den Raum betritt. Ich schreibe das in Großbuchstaben, denn diese Frau ist eine Erscheinung. Würde man sie nur als wunderschön beschreiben - es würde dem Gesamtbild nicht gerecht, da steckt noch sehr viel mehr unter der Oberfläche. Ganz ohne Bodyguards schreitet sie durch den Raum, zeigt ihren Freundinnen ihr neues Tattoo und benimmt sich fast wie ein gewöhnlicher Partygast - nur schaut sie eben umwerfend dabei aus.

Am „Raucherhof“ stehe ich sogar kurz neben ihr, fühle mich aber schon im Moment, wo ich darüber nachdenke, ob ich sie um ein Foto bitten soll, wie eine Stalkerin. Ich bleibe cool, rauche eine meiner „Gelegenheitszigaretten“ und frage nicht nach dem Foto. Irgendwann ist sie nicht mehr gesehen, wir vermuten, es gibt doch noch einen eigenen Partybereich für die richtigen VIPs auf dieser Party.

Das Influencen macht mich müde

Das Durchhaltevermögen der Gäste lässt ohnehin zu wünschen übrig - gegen 23 Uhr leert sich das Haus, auch ich steige in eines der Taxis, die die Gäste zurück ins Hotel bringen. Ich frage mich, ob Cara Delevignes Partys wirklich immer so gesittet von statten gehen? Irgendwie kann ich es nicht ganz glauben, bin aber dennoch froh, hier nicht bis um 5 Uhr morgens wild mitfeiern zu müssen, diese ganze Influencerinnen-Sache ist inzwischen ganz schön anstrengend. Wegen dem dichten Programm, den vielen Eindrücken, den vielen Bildern und Storys.

Am nächsten Tag geht's noch in einem eigens im „Her“-Look gestalteten rosa Doppeldecker durch London, wir sehen ein paar Orte an denen die Kampagnen-Fotos geschossen wurden, es geht weiter zu einem Graffiti-Workshop (alles für die Bilder!) und dann zum Essen. Am Abend geht es noch in eine Burlesque-Show, die sehr unterhaltsam ist und danach falle ich tot ins Bett und bin noch einmal sehr froh, nicht zu den Influencerinnen zu gehören, denn die müssen jetzt noch Storys, Videos, Blogbeiträge und ähnliches gestalten - ich gehe schlafen und freue mich diese Geschichte in Ruhe an meinem Schreibtisch in Wien zu verfassen. Das ist hiermit erledigt. Und zum Schluss folgt ein letztes Geständnis: Ich rieche immer noch nach „Her“ - London hat seine Wirkung nicht verfehlt.