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Burger&Co: Kann ich Fast-Food-Kalorien sofort loswerden?

Wir wollen ihn sofort: Einen Burger + Pommes + Cola. Danach fühlen wir uns ein bisschen übersättigt und überlegen, wie wir die Kalorien am besten loswerden. Warum das so keine gute Idee ist, erklärt eine Expertin.

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© istockphoto.com/bopav

Im Internet stößt man auf Vieles. Und mal ganz ehrlich: Die diversen Seiten wissen schon genau, was sie einem zuspielen sollen. Wenn man sich für hübsche Hauspatschen interessiert, wird man nach kurzer Zeit Werbung für allerhand Slipper sehen. Und wenn man auch mal was übers Abnehmen liest, dann werden einem umso öfter Artikel und Videos mit diesem Thema zugespielt.

Kann man einen Burger sofort wegtrainieren?

Letzteres trifft auf mich zu. Ich versuche immer wieder clevere Wege zu finden, mehr Fitness in mein Leben zu bringen, ohne dafür allzu viel aufgeben zu müssen. Dass das aber nur ein Wunschdenken ist, habe ich leider schon verstanden. Trotzdem: Postings und Videos, in denen aufgeschlüsselt wird, wie viel Sport man 'gegen' welches Essen machen soll, finde ich immer wieder ansprechend.

Und so ging es mir auch bei dem Video von BuzzFeed, in dem Personen ihr Lieblings-Fast-Food in 45 Minuten wegtrainieren wollen. Beziehungsweise nicht das Fast Food selbst, sondern natürlich die aufgenommenen Kalorien. Mit einem Durchschnitt von 400 Kalorien in 45 Minuten haben sie meinen Respekt schon verdient. Aber ist das wirklich sinnvoll - sündigen und sich dann reinsteigern? Und sind 400 Kalorien überhaupt realistisch in so kurzer Zeit?

Bevor ich mich wieder durch zig Artikel quälen muss, die alle ein bisschen was anderes sagen, habe ich den offensichtlichen Weg gewählt: Ich fragte eine Expertin. Tina Ganser ist Ernährungswissenschaftlerin und beschäftigt sich vor allem mit der kulinarischen Seite des Spektrums. In ihrem Buch 'Gemüseliebe' zeigt sie, dass Fleisch nicht immer im Mittelpunkt stehen muss. Und mir hat sie mit einer wichtigen Frage geholfen: Kann man Fast Food rechtfertigen, wenn man viel sportelt?

»Man muss einfach eine intensivere Leistung bringen, wenn man wirklich Kalorien verbrennen will.«

"Es ist eine ganz einfache Rechnung: Wenn ich mehr Kalorien zu mir nehme, als ich verbrauche, nehme ich zu. Wenn weniger, dann nehme ich ab. Und wenn es gleich bleibt, dann halte ich mein Gewicht.", erklärt Ganser. Doch kann ich einen Burger einfach so wegtrainieren? "Die Kalorien selbst kann man schon wegtrainieren. Das macht den Burger aber noch lange nicht gesünder, denn er liefert dennoch gesättigte (schlechte) Fettsäuren. Diese bleiben im Körper. Aber wenn sonst die Ernährung stimmt, kann man sich schon hin und wieder einen Burger gönnen." Wenn sonst die Ernährung stimme, dann sei das schon möglich.

Doch sieht die Expertin da die große Gefahr: "Man glaubt, man kann so viel essen, weil man ja eh viel verbrennt. Aber das ist ein gefährlicher Gedanke." Vor allem, wenn man gerade erst mit dem Sportmachen angefangen hat, sollte man sich nicht 'überschätzen'. "Man hat dann mehr Hunger und glaubt, dass man auch viel mehr essen kann, weil man ja eh Sport macht. Und das stimmt ja auch, nur ist es meist nicht so viel wie man glaubt. Um viel Kalorien zu verbrennen, muss man auch intensiv trainieren."

»Man glaubt, man kann so viel essen, weil man ja eh viel verbrennt. Aber das ist ein gefährlicher Gedanke.«

Übrigens sind 400 Kalorien in 45 Minuten gar nicht so unrealistisch:"Es ist sehr individuell, aber wenn man jeden Tag eine Stunde laufen geht, dann kann man schon einiges verbrennen." Bei 'mittelschnellen' Laufen, also zirka 9 Kilometern pro Stunde, wären das um die 600 Kalorien, sagt die Expertin. Dabei ist klar, dass man anfangs nicht so schnell sein wird, wenn man es denn überhaupt schafft, eine Stunde am Stück zu laufen. Und außerdem hängt das auch von dem Ausgangsgewicht, vom Geschlecht und Kondition der Person ab. Insgesamt kann man die Worte Gansers so deuten: Mit intensivem Sport kann man einiges verbrennen, doch sollte man sich als Fitness-Neuling darauf lieber nicht verlassen. Denn die eigene Kondition erlaubt es sicher noch nicht, solche Leistungen zu bringen, dass einem jede einzelne Kalorie vom Burger-Menü runterschmilzt.

Also anfangs ein bisschen mehr Vorsicht beim Essen, doch je mehr Kalorien man dann verbraucht, desto mehr kann man auch kulant zu sich sein. Fast Food komplett vom Menü zu streichen, ist überhaupt nicht hilfreich für die eigene Moral, denn nur mit einer längerfristigen Ernährungsumstellung erzielt man echte Erfolge. Da muss man jetzt nicht für immer auf Burger verzichten. Und das klingt alles so gut, dass ich gar nicht an den Haken denken möchte: Man müsste überhaupt mal mit dem Sportmachen anfangen!