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Burgtheater-Star Birgit Minichmayr im privaten WOMAN-Talk: „Ich bin viel allein!“

Auffallende Frauen sind ihr Metier: Der Burgstar Birgit Minichmayr ist die tragische Helena in Wien und „Jedermanns“ neue Buhlschaft. Lesen Sie hier das ungekürzte Interview mit der Jung-Schauspielerin!


Burgtheater-Star Birgit Minichmayr im privaten WOMAN-Talk: „Ich bin viel allein!“
© Oliver Kern/ullstein bild/picturedesk.com

WOMAN: Ist das Stück „Helena“ von Euripides in der neuen Übersetzung von Peter Handke mit den verschachtelten Sätzen und langen Monologen nicht schwierig zu lesen und wie bewältigen Sie diese Textlawine?

Minichmayr: Es ist schon schwierig, und Handke verlangt mit diesen komplizierten Satzkonstruktionen eine ganz andere Auseinandersetzung, wie jetzt ein Horváth. Rein sprachlich gesehen.

WOMAN: Lernen Sie sonst leicht Text?

Minichmayr: Sehr leicht, oft lese ich den Text nur einmal durch und kann ihn.

WOMAN: Helena galt allgemein als diejenige, die den trojanischen Krieg angezettelt hat. Wer ist Helena in diesem Stück?

Minichmayr: In der „Helena“ geht es in erster Linie um die Wiederherstellung des guten Rufs, da nicht sie, sondern ein Trugbild verantwortlich war für den Krieg, geschaffen von Hera. Der philosophische Aspekt daran: was sieht man, was sieht man nicht, was ist wahr, was nicht. Eine fantastische Geschichte, die sich Euripides ausgeheckt hat. Die wahre Helena wird verschleppt nach Ägypten, und die trojanische Helena zu Paris.

WOMAN: Also ist das Heutige an dem Stück die Grundfrage: wer bin ich?

Minichmayr: Das ist nicht heutig sondern allgemeingültig, das ist zeitlos. Das hat die Griechen schon beschäftigt und interessiert uns zum Glück nach wie vor.

WOMAN: Kennen Sie auch Situationen, in den Sie sich gerne auflösen und verschwinden würden?

Minichmayr: Das Glück würde ich lieber bewusster erleben, ohne mich aufzulösen. Verschwinden würde ich gerne in peinlichen Situationen, wenn ich jemanden verletzt habe, aber auch wenn ich mich fremdschäme.

WOMAN: Sind Sie leicht zu versöhnen?

Minichmayr: Ich bin überhaupt kein nachtragender Mensch. Gefühl der Unversöhnlichkeit raubt mir viel zu viel Kraft. Und der Groll frisst Energie.

WOMAN: Es heißt, Sie sind sehr vertraut mit Ihrer Mutter und sprechen auch viel über die Liebe mit ihr.

Minichmayr: Wir haben ein sehr gutes Verhältnis entwickelt. Ihr Blick auf die Dinge ist mir sehr wichtig, es gefällt mir, wie sie aufs Leben schaut.

WOMAN: Sie sind ein Star und noch sehr jung. Merken Sie Getuschel der Neider?

Minichmayr: Ach, es gibt immer Neider und das beunruhigt mich nicht. Manche Leute hätten es gerne, dass man den Erfolg nicht verkraftet. So leidenschaftlich ich meinen Beruf auslebe, so selten bin ich am roten Teppich zu finden, da halte ich mich zurück. Für meine eigene Premiere mache ich das gerne.

WOMAN: Aber jetzt gehen Sie im Sommer nach Salzburg spielen die Buhlschaft im „Jedermann“, da werden Sie doch den ganzen Trubel mitmachen müssen!

Minichmayr: Das ist mir bewusst und das ist auch in Ordnung. Wir sind eine junge Truppe beim „Jedermann“, da macht es auch Spaß, mit allen herum zu ziehen.

WOMAN: Wird man da nicht eingeteilt und muss etwa beim Promifußball den Pokal übergeben und ähnlich fotografenwirksam auftreten?

Minichmayr: Also das werde ich schon irgendwie handhaben. Ich interessiere mich nicht für Fußball, also gehe ich davon aus, dass auch keine Anfrage kommen wird. Es ist ja alles kein Zwang.

WOMAN: Kann man in Salzburg so einfach ablehnen?

Minichmayr: Das möchte ich ja gar nicht. Ich werde viel zu sehen sein, auf Premieren und bei Konzerten, schon alleine, weil ich mit Klaus Maria Brandauer in der Young Directors Jury bin. Es ist doch schön, überall hineinzukommen.

WOMAN: Warum tun Sie sich überhaupt den ganzen Zirkus um die Buhlschaft in Salzburg an?

Minichmayr: Weil ich Lust auf die Rolle habe und glaube, dass es herrlich ist, auf dem Domplatz zu spielen.

WOMAN: Sie hatten ja schon die tollsten Rollen, jetzt spielen sie eine stereotype Frau, die Liebe mit Ökonomie verwechselt, wie wollen Sie die Buhlschaft anlegen?

Minichmayr: Also, im Vorfeld will ich noch wenig sagen. Nicholas Ofczarek und ich werden ein junges „Jedermann“-Paar sein. Es ist doch spannend, Figuren zu spielen, um die so viel Wind gemacht wird. Wie das aufgeht, weiß ich eben jetzt vor Probenbeginn noch nicht.

WOMAN: Wird die Rolle Buhlschaft, wie in den letzten Jahren, auch noch erweitert?

Minichmayr: Das hoffe ich nicht, weil ich davon gar nichts halte. Ich brauche keinen Extratext, es reicht das Hofmannsthalstück zu erzählen. Ich hätte auch kein Problem, die alte Inszenierung von Max Reinhardt zu spielen, das fände ich sogar spannend. Und auch ganz in der Tradition nur am Sonntag zu spielen, am Tag des Herrn.

WOMAN: Ärgert Sie die landläufige Meinung über die Buhlschaft: wenig Text viel Dekolletee?

Minichmayr: Das ist die Vorstellung der anderen, die muss ich ja nicht unbedingt bedienen

WOMAN: Eine Ihrer Vorgängerinnen, Sophie Rois, nannte es Busenfetischismus.

Minichmayr: Das kann ich nachvollziehen, man möchte nicht auf Brüste reduziert werden. Hallo! Auf diese Diskussion lasse ich mich gar nicht ein.

WOMAN: Sie scheinen mir kein Singletyp zu sein, haben aber in einem Interview gesagt, das Wir ist schon ein Kompromiss. Lernen Sie allein zu sein?

Minichmayr: Ich bin viel alleine, das ist manchmal schön und manchmal schlimm. Manchmal hat man Angst, wenn man alleine ist. Wenn man nicht alleine ist, hat man manchmal Angst, dass man die Freiheit verliert. Also, wie man es hat, möchte man es nicht (lacht) . Ich brauche keine Beziehung auf Biegen und Brechen wegen eines Alleinseins Problem. Das wäre schlimm, wenn das der Antrieb ist, oder der Grund, sich nicht zu trennen.

WOMAN: Manche fühlen sich alleine nicht vollständig und sind auf der Suche nach einem Gegenüber, haben Panik, wenn sie nicht liiert sind.

Minichmayr: Ich habe keine Panik, dass ich gerade nicht liiert bin. Außerdem kann man das auch nicht erzwingen.

WOMAN: Verlieben Sie sich leicht?

Minichmayr: Sehr leicht sogar.

WOMAN: Haben sie das Gefühl bei Ihrer Popularität, dass Ihnen die Leute mit mehr Furcht und Respekt begegnen?

Minichmayr: Freunde und Familie sind ja mit gewachsen, da gibt es keinen Unterschied. Aber jetzt bei den Proben zu „Helena“ ist auch Mädchenchor mit jungen Schauspielstudentinnen dabei, die mir gegenüber sehr respektvoll sind. Dabei glaube ich ja selber von mir, immer noch so alt wie die Studentinnen zu sein.

WOMAN: Sie sind ein Erfolgsgarant und ein Publikumsschlager für jede Produktion. Belastet Sie das?

Minichmayr: Nein, ich freue mich immer, wenn das Theater ausverkauft ist. Da bin ich verführbar und bin beglückt, wenn das Haus bis oben voll ist. Und ob das Publikum mich sehen will oder den Kassenschlager, ist mir völlig egal, Hauptsache, es kommt.

Interview: Andrea Braunsteiner