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Burnout? Was deine Kindheit damit zu tun hat

Stress, Leistungsdruck, wenig Wertschätzung: Ursachen für ein Burnout. Nun fanden Forscher heraus: Deine Kindheit beeinflusst dein Burnout-Risiko.

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Burnout? Was deine Kindheit damit zu tun hat
© iStockphoto

Niemand kann sich vorstellen, wie sich ein Burnout anfühlt, wenn man es nicht selbst erlebt. Die völlige Lähmung, die Erschöpfung, die Depression. Den Moment, in dem man in Tränen ausbricht, weil das Glas Wasser 40 Zentimeter entfernt steht und man sich nicht mehr in der Lage fühlt, die Hand auszustrecken und es zu heben.

Stress, zu viel Arbeit, wenig Freizeit und Ruhe, kaum Wertschätzung für die Leistung: Das sind die Hauptgründe, warum immer mehr Menschen in ein Burnout rasseln. Österreichweit gibt es rund 1,5 Millionen Betroffene, so eine Untersuchung der Ärztekammer. Wenn vom Burnout-Syndrom die Rede ist, handelt es sich nicht etwa um einen Modetick, sondern um ein ernst zunehmendes seelisches wie körperliches Problem. Nur eine Zahl, die alarmierend wirkt: 42,5% der steirischen Frauen, so rechnet die Ärztekammer vor, sind Tablettenabhängig...

Ausgebrannt, Burnout: Die Wurzel in der Kindheit?

Gibt es Menschen, die eher an einem Burnout erkranken als andere? Ja, sagt eine Untersuchung von Psychologen von der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Medizinischen Privatuniversität Nürnberg. Menschen, die in ihrer Kindheit keine sichere Bindung oder einen nicht verarbeiteten Verlust erlitten haben, weisen ein wesentlich höheres Risiko auf.

Dafür interviewten die Wissenschaftler 50 Patienten, die wegen Burnout-Syndroms in stationärer oder teilstationärer Behandlung waren, zu ihren Bindungserfahrungen, ihrer Arbeitssituation, dem persönlichen Ehrgeiz, der Zufriedenheit und ihrem sozialen und familiären Umfeld.

Unsichere Bindung: Eltern werden idealisiert oder verachtet

Im Vergleich zu einer "gesunden" Probandengruppe wiesen die Burnout-Patienten mit 72% zu 32% eine wesentlich höhere Bindungsunsicherheit auf. Sie hatten nur wenig Zugang zu ihren Kindheitserinnerungen. Die Bezugspersonen wie Eltern oder Großeltern wurden entweder völlig idealisiert oder furchtbar verachtet. Auch negative Emotionen wurden verdrängt.

Wolfgang Söllner, Erstautor der Studie: "Das Gros der Burnout-Patienten hat unsicher-verwickelte Kindheitserinnerungen, die noch immer erstaunlich starke Gefühle hervorrufen und sogar für Ängste im Erwachsenenalter verantwortlich sind."

Ein Teil der Betroffenen versucht, seine nicht erfüllten Bedürfnisse aus der Kindheit in aktuellen Beziehungen auszuleben. Verlustängste, Klammern oder ein großes Bedürfnis nach ständiger Bestätigung wären hier Symptome. Auch Arbeitsbeziehungen werden auf diese Weise emotional aufgeladen.

In Konfliktsituationen oder wenn die Gefährdeten unter Druck geraten entstehen so Schwierigkeiten bei der Bewältigung der negativen Emotionen. Das wieder begünstigt die Entstehung des Burnouts, so die Forscher. Ihr Fazit: In die Arbeit mit Burnout-Patienten sollten verstärkt auch das Lösen von Beziehungsmuster und die Verarbeitung von Emotionen einfließen.