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Business-Looks für Frauen: langweiliger = kompetenter?

Bieder = kompetent? Also liebe Mädels, tragt immer schön eine strenge Frisur zu gedeckten Farben im Büro. Denn das Credo lautet: Bloß nicht als Frau auffallen! Wenn ihr das befolgt, dann werdet ihr ernst genommen. Wie bitte?


Business-Look

Das typische und erwünschte (?) Bild von Karriere-Frauen?

© iStockphoto.com

Habt ihr schon mal nach "Business-Looks für Frauen" gegoogelt? Seit Summer Lee genau das getan hat, ärgert sie sich über diese Tipps. Und zwar darum:

Bevor ich meine neue Stelle angetreten habe, habe ich viel im Internet recherchiert, damit ich in meiner neuen Position nicht „negativ auffalle“. Also habe ich nach „Businesslook für Frauen“, „Kleiderordnung Management Frauen“ und Ähnlichem gegoogelt. Aber das, was ich dabei gefunden hatte, hat mir definitiv nicht gefallen.

Die Tipps waren alle sehr ähnlich: „Möchten Sie als Frau ernst genommen werden, dann setzen Sie auf klassische Hosenanzüge oder Kostüme – am besten in dunklen/gedeckten Farben – nur so wirken Sie kompetent.“ Oder auch „Lange Haare können bei Männern gerade in konservativen Unternehmen einen schlechten Eindruck hinterlassen – hier besser Haare geschlossen und aus dem Gesicht frisiert tragen.“

Bitte? Einen schlechten Eindruck? Warum denn das? Warum sollten lange Haare bitte einen schlechten Eindruck hinterlassen? Ich als selbsternanntes Modemädchen (und dazu noch Liebhaberin von hellen Farben und offenen Haaren) musste da doch ganz schön schlucken. Heißt das nun für mich, dass ich an fünf Tagen der Woche in einem langweiligen, unauffälligen Look unterwegs sein muss, damit man mich als Frau ernst nimmt? Ganz schön chauvinistisch, oder?

Ich verstehe ja, dass ein gepflegtes Erscheinungsbild ein Muss ist, dass der Rock vielleicht nicht zu eng und gleichzeitig noch zu kurz sein darf und auch, dass der Ausschnitt nicht zu viel zeigen sollte – aber Fakt ist: Ich möchte nicht in meinem Berufsalltag auf schöne, weibliche Outfits verzichten müssen und mich in eine graue Maus verwandeln, nur damit man mich ernst nimmt.

Unsere Outfits spiegeln doch zu einem großen Teil unseren Charakter wieder, wieso sollte man das denn hinter einer falschen Fassade verstecken? Eine Frau ist doch nicht automatisch weniger kompetent im Job, nur weil sie sich anders kleidet, Spaß an der Mode hat und die Farbe Rosa etwas lieber mag als alle anderen Farben dieser Welt.

Dieser Gedankengang ist für mich total absurd. Was meiner Meinung nach aber noch absurder ist: In einem der „how to dress“-Artikel fand ich folgende Passage von einer Autorin, die sinngemäß besagte, dass ein männlicher Seminarteilnehmer sich ihr gegenüber über eine tief dekolletierte Dame bei einer Produktpräsentation beschwerte, weil ihn das so sehr ablenkte, dass er dem Vortrag nicht mehr folgen konnte. „Es mag zwar manchmal von Vorteil sein, mit seinen Reizen zu spielen, kann jedoch auch nach hinten losgehen." Seriously? Bin ich die einzige Person, die sich hier fragt, für wen genau nun die Sache nach hinten losgegangen ist? Für die Dame, die sich in Ruhe den Vortrag angehört hat oder doch den Herren, der unfähig war, sich zu konzentrieren? Lieber Herr, wenn Sie sich nicht konzentrieren können, ist das dann nicht womöglich Ihr eigenes Problem? Selbst wenn der Ausschnitt bis zum Bauchnabel ginge, sollten Sie dann nicht professionell genug sein, um dennoch aufmerksam der Produktpräsentation zu folgen? Oder haben Sie in Ihrem Leben noch nie Brüste gesehen?

All das hat mich so geärgert, dass ich sämtliche "gutgemeinten" Tipps nicht mehr ernst nehmen konnte. Ich möchte einfach einen gewissen Spielraum haben und nicht mein Äußeres auf eine "akzeptierte" Uniform beschränken.

Summer Lee (29) bloggt auf SummerLee.com über Mode und Lifestyle. Die in Frankfurt lebende Social Media-Managerin liebt die Farbe Rosa - auch und vor allem im Business!

Summer Lee
Thema: Karriere