Ressort
Du befindest dich hier:

Müde, kaputt? Kann die Candida-Diät helfen?

Du bist müde, hast Kopfschmerzen, könntest dauernd heulen? Was es mit der umstrittenen Candida-Diät auf sich hat - und ob sie gegen die Symptome helfen kann.

Kommentare: 0

Müde, kaputt? Kann die Candida-Diät helfen?

Dauernd abgeschlafft? Woran das liegen könnte

© iStockphoto

Du bist ständig müde, hast das Gefühl, dass dir der Deckel auf den Kopf fällt. Kopfschmerzen plagen dich und du könntest alles, was in deinem Haushalt Zucker beinhaltet in der Sekunde in dich reinstopfen?

Müdigkeit, Kopfschmerz, leichte Depression und ein Heißhunger auf Süßes: seit einiger Zeit häufen sich Berichte, dass hinter diesen Beschwerden eine Pilzinfektion steckt. Genauer gesagt: eine übermäßige Besiedelung deines Darms mit dem Candida albicans , vulgo dem gemeinen Hefepilz. Zu viel von ihm in deinem Darm, schon geht's dir schlecht.

Anti-Pilz-Diät gegen Müdigkeit und Depression?

Helfen, so besagt eine vorwiegend von Naturheilkundlern vertretene Theorie, soll dagegen eine Anti-Pilz-Diät, die "Candida-Diät" . Sie basiert auf der Annahme, dass die Besiedlung mit Candida albicans durch die Aufnahme wasserlöslicher Kohlenhydrate wie Saccharose, Glucose und Fructose gefördert wird. Verzichtet man also auf raffinierte Kohlenhydrate und vor allem Zucker, so die Idee, dann wird dem Pilz und damit auch den Beschwerden der Garaus gemacht.

Allerdings, so gibt auch die Österreichische Apothekerkammer zu bedenken: es gibt keinerlei wissenschaftlichen Beleg für diese Annahme. Denn bei 75% der gesunden Menschen ist der Hefepilz Candida albicans ein völlig normaler Bestandteil der Darmflora. Auch in Mund-, Rachen- und Speiseröhrenschleimhaut kann dieser Pilz vorkommen. Man soll also nicht die bloße Existenz des Hefepilzes mit einer anderen, schwerwiegenden Pilzinfektion ähnlichen Namens verwechseln. Candidamykose wird zwar durch den Candida albicans ausgelöst, betrifft aber vor allem Menschen mit einem sehr geschwächten Immunsystem. Die Infektion kann sich sehr verschieden ausprägen und sehr unterschiedliche Organe betreffen. Auch Nesselfieber kann zu den Folgeerscheinungen zählen.

Ständig müde? Klär das bitte mit deinem Arzt ab, keine Selbstversuche!

Wie finde ich heraus, ob ich einen starken Pilzbefall im Darm habe?

Dein Arzt wird dich ins Labor schicken. Anhand der Proben zeigt sich, in welchen Mengen der Pilz in deinem Darm vorkommt. Antimykotische Medikamente dämmen das Pilz-Wachstum ein. Anschließend könnt ihr mit eurem Arzt besprechen, ob eine ballaststoffreiche Ernährung mit weniger Zucker dienlich ist. Was ihr auf keinen Fall machen solltet: einfach so eure Ernährung umstellen und auf Obst verzichten. Selbstversuche bringen nix!

Was spricht gegen die Candida-Diät?

Denn neben der Tatsache, dass keine klinische Studie beweisen konnte, dass eine Candidabesiedlung mit einer „Anti-Pilz-Diät“ beeinflusst werden kann, gibt es auch keine Hinweise, dass Candida albicans durch den Verzehr raffinierter Kohlenhydrate gefördert wird. Mit einem Wort: es gibt keinen Beweis, dass die Diät in irgendeiner Weise wirksam ist.

Vor allem aber beinhaltet die Candida-Diät ein komplettes Obst-Verbot. Gerade Obst aber liefert nicht nur wichtige Vitamine und Mineralstoffe, sondern auch bioaktive Substanzen wie Ballaststoffe oder sekundäre Pflanzenstoffe. Diese benötigt dein Immunsystem aber dringend!

Die Österreichische Gesellschaft für Ernährung empfiehlt bei Candida-albicans-assoziierten Beschwerden eine vollwertige Ernährung. Durch diese Ernährung kann das Immunsystem langfristig gestärkt werden. Ballaststoffreiche Lebensmittel wie z.B. Vollkornprodukte, Gemüse, Rohkostsalate und der tägliche Verzehr von Sauermilchprodukten wie z.B. Joghurts tragen zu einer optimalen Darmflora bei.