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Cannes 2019: Diese vier Regisseurinnen sind nominiert

Am 14. Mai haben die Festspiele in Cannes begonnen. Im Rahmen der Preisverleihung der Goldenen Palme sind 21 Filme nominiert worden - 4 davon haben Regisseurinnen gedreht! Das sind die vier Frauen hinter den Filmen.

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© 2019 Getty Images

Von 14. bis 25. Mai finden in Cannes die 72. Filmfestspiele statt. Wieder steht das Festival unter der Leitung von Pierre Lescure und Thierry Frémaux. Letzterer meinte im Rahmen der Festspiele 2018, dass die Filmwelt seit den #MeToo-Vorwürfen von Ende 2017 nicht mehr dieselbe ist. Und er meinte auch, dass es in der Branche zu wenige Regisseurinnen geben würde. Trotzdem sah die Quote an nominierten Regisseurinnen nicht gerade blendend aus: 3 von 18 Filmen wurden von Frauen gedreht. Und auch heuer ist das nicht besser geworden.

Nur 4 von 21 nominierten Filmen sind von Regisseurinnen. Dafür, dass diverse Aktionen auf dem Red Carpet (Schauspielerinnen, die gemeinsam über den roten Teppich gingen & eine Kristen Stewart, die trotz Dresscode ihre Stöckelschuhe auszog) hat sich pro forma also noch nicht wahnsinnig viel getan. Doch es hilft auch nicht, immer nur die negative Seite ausgiebig zu betrachten. Vielmehr wollen wir uns mit jenen Frauen beschäftigen, deren Filme tatsächlich nominiert wurden! Denn unter den Vieren ist auch eine Österreicherin!

"Little Joe" von Jessica Hausner

Zum ersten Mal ist die österreichisches Regisseurin Jessica Hausner mit einem englischsprachigen Film im Wettbewerb um die goldene Palme dabei. In einem Interview meinte sie, dass Cannes schon immer ein Ziel von ihr gewesen sei, doch "Little Joe" sei der erste Film, den sie nur für sich gemacht habe, Deshalb habe sie auch die Einladung nach Cannes so überrascht und glücklich gemacht.

Jessica Hausner studierte Filmregie an der Wiener Filmakademie. Schon 1996 wurde ein Kurzfilm, "Flora", mit bei den Filmfestspielen in Locarno mit dem „Leopard von morgen“ ausgezeichnet. Ihr Langfilmdebüt "Lovely Rita" bestätigte endgültig ihren Durchbruch. Bekannt ist auch ihr Film "Lourdes", in dem Christine, die von Kindheitstagen an im Rollstuhl sitzt, auf einer Pilgerreise auf ein Wunder hofft.

"Little Joe":

In "Little Joe" entwirft die Wissenschaftlerin Alice eine Pflanze, die bei guter Pflege und Hege ihre Besitzer sehr glücklich machen kann. Entgegen des Firmenstatuts, nimmt sich die Alleinerzieherin eine solche Pflanze mit nachhause, um sie ihrem Sohn Joe zu schenken. Doch die Pflanze ist gar nicht so harmlos und glückbringend, wie gedacht...

"Portrait of a Lady on Fire" von Céline Sciamma

Die Werke der französischen Drehbuchautorin und Regisseurin Céline Sciamma kann man nicht gerade als happy, aber zumindest als zutiefst hoffnungsvoll beschreiben. Ihre Filme drehen sich zumeist um das Erwachsenwerden, weshalb man von einem Trio sprechen kann: "Lilies", "Tomboy" und "Girlhood". Bei diesen drei Filmen führte sie selbst Regie. Doch auch ihre Drehbücher leben von einer satten Melancholie. Besonders zu empfehlen ist der Animationsfilm "Mein Leben als Zucchini", in dem ein kleiner Junge in einem Kinderheim lernt, dass das Leben trotz Schwierigkeiten wunderschön sein kann.

Sciamma studierte französische Literatur in Paris und wurde dann auf der Filmschule "La fémis" aufgenommen, wo sie lernte, Drehbücher zu schreiben. Für ihre Leistungen in den letzten 10 Jahren wurde sie schließlich 2017 in die Academy of Motion Picture Arts and Sciences aufgenommen, die alljährlich ei Oscars vergibt.

"Portrait of a Lady on Fire":

Der Film spielt im 18. Jahrhundert in England auf einer einsamen Insel. Eine Malerin wird beauftragt,eine junge Frau anlässlich ihrer Hochzeit zu porträtieren. Der Auftrag führt zu einer intimen Liebesgeschichte.

"Sibyl" von Justine Triet

Die französische Regisseurin Justine Triet hat mit ihren Werken schon an zahlreichen Filmfestspielen teilgenommen. Darunter auch mit der politischen Komödie "Der Präsident und meine Kinder", für die sie eine César-Nominierung erhielt. Und auch ihr zweiter Langfilm - ebenfalls eine Komödie - "Victoria – Männer & andere Missgeschicke" erhielt mehrere César-Nominierungen. Triet hat ihre Stimme in der Komödie gefunden und zeigt, dass man alle Themen bis aufs Blut ernstnehmen, aber zugleich mit spitzer Zunge durch den Kakao ziehen kann.

"Sibyl":

Natürlich ist auch dieser Film eine Komödie! Sibyl ist eine Psychotherapeutin, die zu ihrer ersten Leidenschaft zurückkehrt: Dem Schreiben. Doch ihre aktuelle Patientin, Margot, fasziniert die Therapeutin so sehr, dass sie immer weiter in das Leben der jungen Frau abtaucht.

"Atlantique" von Mati Diop

Mati Diop ist nicht nur Regisseurin, sondern selbst auch Schauspielerin. Sie fing ihre Karriere 2004 an, als sie einige Kurzfilme drehte. Im französischen Drama "35 Shots of Rum" spielte sie als Josephine eine wichtige Rolle in der mitreißenden Vater-Tochter-Geschichte. Diops Filme sind eher in der Kunstszene zu verorten. Das österreichische Filmfestival Viennale widmete ihr 2012 ein eigenes Programm. Sie ist die erste Schwarze, die jemals in Cannes nominiert wurde.

"Atlantique":

Dies ist die fiktional überarbeitete Version ihres Kurzfilmes "Atlantiques". Die senegalesische Regisseurin folgt mehreren Bauarbeitern in Dakar, die den Atlantik überqueren wollen, um in Europa in besseres Leben zu finden.

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