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Cari Cari im Interview: "Wir bauen unsere eigene Welt"

Raue, bluesige Gitarren treffen auf Didgeridoo und Maultrommel: Für den "Rolling Stone" sind Alexander Köck und Stephanie Widmer als "Cari Cari" die Newcomer des Jahres. Wir baten die Band zum Interview.

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Cari Cari im Interview: "Wir bauen unsere eigene Welt"
© Andreas Jakwerth

Hippiefeeling transportiert ins Hier und Jetzt: Alexander Köck an der Gitarre und Stephanie Widmer am Schlagzeug oder mit Maultrommel schaffen sich ihren eigenen Kosmos. Was hochprofessionell klingt, hat seinen Ursprung in „kindlicher Naivität beim Musikmachen“. Ihr aktuelles Album „Anaana“ erschien im November, jetzt geht’s auf Tour.

Ihr wurdet vom Rolling Stone als DIE Entdeckung des Primavera Sound Festivals 2018 geadelt. Wie stolz macht euch das?
Alexander: Sehr. Das Festival ist das „Coachella“ Europas, ein Mekka für Musikliebhaber. Gleichzeitig mit uns haben auch Björk, Nick Cave & The Bad Seeds, The Arctic Monkeys oder Kendrick Lamar gespielt. Bei diesem Line-Up auf Augenhöhe begegnen zu können macht mich sehr stolz.
Stephanie: Das noch größere Kompliment war für mich die unmittelbare Reaktion des Publikums. Wir haben auf einer Bühne gespielt, die sich auf dem Weg zwischen den zwei größten Bühnen befunden hat. Am Anfang unseres Sets waren 500 Menschen da und am Ende 5000. Alle sind stehen geblieben und waren begeistert.

Auf Wikipedia heißt es, ihr habt euch zusammengetan, weil ihr eure Musik mal in einem Tarantino-Film hören wollt. Und, hat er sich schon gemeldet?
Stephanie: Nein, noch nicht (lacht). Aber wir sind schon einen Schritt näher! Wir haben dieses Jahr auf einem Showcase-Festival in Portugal gespielt. Dort war ein Music-Supervisor, also jemand der Musik für Filme und Serien auswählt, aus Dänemark im Publikum. Nach unserem Konzert ist er auf uns zu gekommen und hat uns in die Kontaktdaten für Quentin Tarantino’s Music Supervisor gegeben.

Steckt ihr eure Ziele immer so hoch?
Alexander: Ich denke es geht nicht um das eine Ziel, sondern um den Horizont. Unser Traum war es einmal auf dem Coachella Festival in Kalifornien zu spielen. Das haben wir zwar noch nicht, dafür gab es aber eine Anfrage für das Primavera Sound in Barcelona. Das hatten wir zwar gar nicht auf dem Schirm, ist aber eigentlich noch viel schöner. Ich denke, dass es wichtig ist, groß zu träumen. Dadurch gehen auch die in Erfüllung, an die man vorher noch gar nicht dachte... (lacht).

Wie sieht euer kreativer Arbeitsprozess aus? Was ist euch wichtig?
Stephanie: Wir lassen unsere Egos außen vor. Ich muss niemanden beweisen, dass ich eine tolle Schlagzeugerin bin und so geht es Alex denke ich auch.
Alexander: Ja. Wir wollen etwas schaffen, dass uns selbst begeistert. Wenn in einem Lied also mal keine Gitarre Platz haben sollte, ist das ok. Wir sind beide keine Virtuosen und gehen mit einer kindlichen Naivität ans Musikmachen heran. Von allen Seiten wird einem suggeriert, wie man auszusehen hat, wie man zu klingen hat und wie man zu sprechen hat. Wir versuchen das möglichst auszublenden.

Was ist euer Anspruch an eure Musik?
Stephanie: Wir wollen eine eigene Welt bauen. Da gehört die Musik dazu, wie sie klingt, aber auch wie unsere Videos und unsere Artworks aussehen. Wir wollen, dass sich unsere Hörer wie bei Alice im Wunderland fühlen. Rein in den Kaninchenbau und in die Cari Cari Welt, wo andere Regeln gelten als in der Wirklichkeit.

Ich habe vor kurzem mit einem Musiker gesprochen, der meinte, er möchte durch seine Musik die Welt zu einem besseren Ort machen. Könnt ihr diesen Anspruch nachvollziehen? Ist das überhaupt möglich? Seht ihr euch auch in so einer „Verantwortung“?
Alexander: Absolut! Nehmen wir ein Konzert als Beispiel. Da gewinnen alle Beteiligten: Wir dürfen unsere Musik spielen, die Konzertbesucher haben einen schönen Abend, der Veranstalter verdient Geld, die Arbeiter werden bezahlt. Jeder gewinnt, das finde ich wunderbar.
Stephanie: Musik kann vieles verändern. Kann Kriege beenden, kann Revolutionen befeuern. Es wird nicht immer gleich der Fall der Berliner Mauer sein – aber im Kleinen, wie im Großen wird durch Musik die Welt sicher zu einem besseren Ort.

"Mode ist auch ein Teil von unserem Auftreten."

Was inspiriert euch?
Alexander: Sehr viel. Filme, Musik und bildende Kunst. Aber sehr oft auch Menschen. Ich bewundere Menschen, die immer hungrig bleiben, für die der Weg das Ziel ist, die den Status Quo hinterfragen und Regeln brechen. Das sind oft Künstler, wie David Bowie oder Wes Anderson. Aber das können genau so Lehrer sein, Restaurantbetreiber oder auch Unternehmen. Ich denke, da z.B. an das Unternehmen Patagonia, die schon über 100 Millionen Dollar Unternehmensprofit in Nationalparks und den Umweltschutz investiert haben.

Und in der Zusammenarbeit, im Sich-annähern – wie wichtig ist es da, auch Kompromisse einzugehen?
Stephanie: Wir haben das Glück, dass zwischen uns so gut wie nie Kompromisse notwendig sind. Wir ergänzen uns sehr, haben aber gleichzeitig kaum Erklärungsbedarf.
Alexander: Oft sehen wir uns an und sagen: „Ah! Das ist Cari Cari“. Wir sind total euphorisch, können aber gar nicht sagen, warum das jetzt überhaupt nach Cari Cari klingt oder ausschaut. Das ist extrem gut und wichtig. So können wir uns auf kleine Details konzentrieren und dann tagelang an der Typographie für das Albumcover feilen, anstatt Wochen zu diskutieren ob wir jetzt ein Foto oder eine Zeichnung auf dem Cover wollen.

Ihr schlagt die Brücke zwischen Vergangenheit und Moderne. Wenn ihr selbst zurückblickt: Welchen Ratschlag würdet ihr eurem 15-jährigen Ich heute geben?
Alexander: Ich denke ich würde mir ausführlich erklären worin ich gut bin und was ich eher lassen sollte. Ich habe recht lang gebraucht um zu verstehen wo meine Talente liegen. Und vielleicht würde ich sagen, dass Musiker eh ein ehrenwerter Beruf ist (lacht).
Stephanie : Sch* dich nicht an!


Was habt ihr in diesem Jahr über euch gelernt?
Alexander: Dass wir, wenn’s um die Musik geht, ungeahnte Kraftreserven haben.

Was, wenn euch alles zu viel wird? Habt ihr bestimmte Kraftplätze/Orte, die ihr aufsucht?
Alexander: Wir haben in den letzten Jahren in sehr schnelllebigen Großstädten gewohnt. Auf Tour sind wir auch ständig in Stresssituationen und unter Anspannung. Dementsprechend bin ich sehr froh, dass unser Proberaum und Studio sehr abgelegen am Land ist. In der Nähe des Neusiedlersees, unweit von See und Wald. Das hilft sehr runterzukommen.
Stephanie: Ein Teil meiner Familie lebt recht zurückgezogen am Waldrand in der Steiermark. Sie haben eine Almhütte ohne Strom und Warmwasser. Man muss einheizen, sich um Brennholz kümmern, Schwammerl suchen. Das ist das Paradies.

Euer Style ist unverkennbar: Wie wichtig ist es euch, damit ein gewisses Image zu transportieren?
Alexander: Mode ist auch ein Teil von unserem Auftreten. So wie es für uns wichtig ist, wie unsere Musik klingt und wie unser Album aussieht und sich anfühlt, ist auch Mode Teil dieser Welt.
Stephanie: Ich finde es sehr schade, dass die Welt der Mode oft so gestreamlined erscheint. Wenn ich mir die populärsten InstagrammerInnen durchsehe, sehe ich immer wieder dieselbe Person. Selbe Frisur, selbe Hobbies, selbe Restaurants, selbe Einstellung. Das finde ich sehr schade. Mode ist für mich ein Weg um meine Persönlichkeit nach Außen zu tragen. Ich ziehe mich so an, wie ich mich fühle.

Mit welchen Ambitionen startet ihr ins neue Jahr?
Alexander: Im Moment haben wir gar keine Pläne. Unser Album ist draußen und wir reiten die Welle. Unsere Konzerte in Österreich und Deutschland sind Großteils ausverkauft. Deshalb trudeln jetzt immer mehr Anfragen für größere Tourneen ein.

Nähere Infos zur Band und Tourdaten findet ihr hier!

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