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Catherine Deneuve: "Hexenjagd wegen #MeToo"

Sie sei gegen den "neuen Puritanismus": Catherine Deneuve und andere prominente Französinnen erkennen sich in der #MeToo-Debatte nicht wieder.

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Catherine Deneuve: "Hexenjagd wegen #MeToo"

Schauspielerin Catherine Deneuve: "Es braucht die Freiheit, lästig zu sein"

© 2015 Getty Images

Es sind 100 Frauen, die den in der französischen Zeitung Le Monde veröffentlichten Brief unterschrieben haben. Intellektuelle Frauen. Autorinnen, Wissenschaftlerinnen, Schauspielerinnen wie die französische Mimin Catherine Deneuve oder die Schriftstellerin Catherine Millet, die dem Gastbeitrag zur #MeToo-Debatte zustimmen: ""Vergewaltigung ist ein Verbrechen. Aber hartnäckiges oder ungeschicktes Flirten ist kein Delikt, und eine Galanterie auch keine chauvinistische Aggression."

Ausgelöst wurde die Diskussion durch die Klagen wegen sexueller Belästigung gegen den Hollywood-Filmmogul Harvey Weinstein. "Doch mittlerweile," so Deneuve und ihre Mitstreiterinnen, "wandle sich das Klima zu einer totalitären Gesellschaft."

Deneuve & Millet: "Es soll die Freiheit geben, jemandem lästig zu sein"

Männer würden "zur Kündigung gezwungen, deren einziges Vergehen es ist, ein Knie berührt oder einen Kuss erhascht zu haben". Zwar habe die #MeToo-Diskussion legitimerweise Bewusstsein für sexuelle Gewalt gegen Frauen geschaffen. Zugleich verteidigt der Text aber "eine Freiheit, jemandem lästig zu werden, die für die sexuelle Freiheit unerlässlich ist".

»...dieses Fieber, die Schweine zur Schlachtbank zu führen, dient in Wahrheit den Feinden sexueller Freiheit...«

In sozialen aber auch renommierten Medien finde mittlerweile eine "Kampagne der Denunziation und öffentlicher Anschuldigungen" statt. Die Beschuldigten würden auf eine Stufe mit echten sexuellen Aggressoren gestellt, "ohne antworten oder sich verteidigen zu können."

"Dieses Fieber, die 'Schweine' zur Schlachtbank zu führen (...), dient in Wahrheit den Interessen der Feinde sexueller Freiheit, der religiösen Extremisten, der schlimmsten Reaktionäre und derjenigen, die meinen (...), dass Frauen 'besondere' Wesen sind, Kinder mit Erwachsenengesicht, die nach Schutz verlangen."

Die 100 Unterzeichnerinnen des offenen Briefes finden sich, wie sie schreiben, "in dieser Form des Feminismus nicht wieder."

Frankreich: Gesetz gegen sexuelle Belästigung auf der Straße

Tatsächlich plant die französische Staatssekretärin für Gleichberechtigung Marlène Schiappa für Anfang 2018 ein neues, verschärftes Gesetz gegen sexuelle Gewalt und Belästigung – vor allem auch im öffentlichen Raum. Catcalling, also die verbale und physische Belästigung von Frauen auf der Straße und "lüsternes Benehmen" etwa auf der Straße, sollen künftig gesetzlich geahndet werden.

Darunter fällt etwa das Nachpfeifen einer Frau auf der Straße. Auch wenn ein Mann eine Frau mehr als zweimal nach ihrer Telefonnummer fragt, soll dies bereits als "sexuelle Belästigung" gelten. Wie hoch die Strafen für derlei Vergehen aussehen, dazu hat sich Schiappa letzten Juli gegenüber dem britischen "The Guardian" geäußert: "Zwanzig Euro wären etwas beschämend, 5.000€ wären eine Abschreckung. Jetzt sagen noch viele Männer: 'Es bedeutet nichts, wir haben nur Spaß.' Und wir sagen dazu: 'Nein.'"

Neben der sexuellen Belästigung im öffentlichen Raum sollen auch die Gesetze zum Sex mit Minderjährigen verschärft und das Alter für einvernehmlichen Sex von 13 auf 15 Jahre gehoben werden.

Thema: Sexismus