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Charlie und die Haarfabrik!

Er frisiert Lady Gaga und gilt als Enfant terrible unter den Hairstylisten. In Wien präsentiert Charlie Le Mindu seine neue Kollektion und wir trafen ihn zum Interview.

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Charlie und die Haarfabrik!

Charlie Le Mindu und eines seiner Modele aus der Kollektion "Gold Sabah".

© Charlie Le Mindu

Seine Kreationen sind schräg, provokant und trotzdem wunderschön. Der 27-jährige Charlie Le Mindu gilt als einer der kreativsten und innovativsten Haarstylisten weltweit. Bekannt wurde er vor allem durch die haarigen Outfits und originellen Frisuren von Lady Gaga. Im Rahmen der MQ Vienna Fashion Week und in Zusammenarbeit mit L'Oréal Professionnel präsentierte er seine atemberaubende Kollektion "Gold Sabah" gestern Abend beim Event "Insider" am Museumsplatz in Wien! WOMAN hat den talentierten Franzosen, der gerade von London nach Paris gezogen ist, noch vor der Show für ein Interview getroffen.

Hair-Stylist Charlie Le Mindu.
Haute Coiffure Kollektion "Gold Sabah".

WOMAN: Woher kam die Idee für die Kollektion "Gold Sabah"?
Charlie Le Mindu: Königin von Saba war eine sehr mächtige und starke Frau. Ich wollte mit „Gold Sabah“ Frauen kreieren, die zwar wunderschön sind, aber Männern auch Angst einflößen können, indem sie auf irgendeine Art und Weise auch eigenartig aussehen, so wie die Kreation mit den zwei Gesichtern. Ich arbeite eigentlich auch sehr feministisch und versuche ständig an bestehenden Frauenbildern zu rütteln.

»Fast keiner lässt dunkelhäutige Frauen am Catwalk laufen und ich liebe sie nun mal!«

WOMAN: Du sagst, die Kollektion ist inspriert von Afrika. Welchen Bezug hast du zu dem Land?
Charlie Le Mindu: Ich liebe Afrika, ein wunderschönes Land und noch schöner finde ich dunkelhäutige Frauen, richtige „Black Mamas“. Fast keiner lässt dunkelhäutige Frauen am Catwalk laufen und ich liebe sie nun mal! Hier in Wien war es richtig, richtig schwer dunkle Models zu finden für die Show heute Abend!

WOMAN: Die meisten deiner Kreationen aus "Gold Sabah" sehen aus wie wilde Tiere. Eine davon aber eher wie ein Hamburger? Was soll das sein?
Charlie Le Mindu: Ich nenne es den „fur burger“ – was im Urban Slang so viel bedeutet wie „sehr behaarte Vagina“, die dann eben wie ein Burger aussieht (lacht). Das Viertel in London, in dem ich gelebt habe war wie ein einziges Ghetto... Jeden Tag bin ich an den Schildern vorbeigegangen der Hamburger-Läden und irgendwie hat es mich dazu inspiriert einen Hamburger mit Haaren zu kombinieren! So entstand „fur burger“, meine Lieblings-Kreation!

The Fur Burger.

WOMAN: Wie lange dauert es bis eine deiner Haar-Kreationen auf den Catwalk darf?
Charlie Le Mindu: Mindestens 500 Stunden pro Kreation. Es beginnt mit einer Idee und endet beim Styling von kleinsten Härchen der Perücken, die alle in einer perfekten Position sein müssen. Für die Show hier in Wien habe ich ein Team von ungefähr 20 Personen, die ca. 8 Stunden an den Stylings der Models arbeiten.

Charlie beim Styling vor der Show.

WOMAN: Fliegst du diese Woche noch nach New York zur Fashion Week?
Charlie Le Mindu: Ich fliege morgen nach New York, aber für eine Ausstellung einer meiner neuen Kollektionen, nicht für die Fashion Week. Ich bin kein großer Fan von Modewochen. Es ist erstens viel zu stressig bei den Shows zu arbeiten und zweitens mag ich die Leute im Modebusiness nicht. Ich mache nur noch Haute Coiffure in Paris und schaue mir die Shows in London an, da ich dort die jungen Designer interessant und lustig finde!

WOMAN: Ich habe gehört Schuhe sind dir wichtig. Wofür würdest du dich entscheiden, wenn du müsstest: Gute Schuhe oder gute Haare?
Charlie Le Mindu: Haare. Oder warte... Gute Schuhe sind auch total wichtig (seufz). Ich kann mich nicht entscheiden!

WOMAN: Was denkst du, welcher Haartrend wird sich diesen Herbst/Winter durchsetzen?
Charlie Le Mindu: Ich denke der Trend im Herbst wird ganz klar bei gewellten oder gelockten Haaren liegen. Das passt auch viel besser. Denn wenn es draußen kalt ist, sollte man im Haar viel Volumen haben! Bei Frauen finde ich es vor allem wichtig, dass sie ihr Haar so natürlich wie nur möglich belassen. Ich mag es auch, wenn es richtig unnatürlich und gefaked ist, ganz extrem. Weil es lustig und cool ist solche Hairstylings auszuprobieren aber ich denke für den „normalen Menschen“, der zur Arbeit geht liegt der Trend ganz klar bei natürlichem, schönen Haar, ohne es zu sehr zu stylen.

WOMAN: Welche Frau ist für dich die Haargöttin?
Charlie Le Mindu: Nina Hagen, ganz klar. Sie hatte meist eine Glatze, weil sie Buddhistin war, aber sie trägt immer die fabelhaftesten Perücken! Ich finde sie ganz großartig, sie ist lustig. Hoffentlich darf ich sie bald kennenlernen!

WOMAN: Findest du kurze Haare können auch feminin sein?
Charlie Le Mindu: Mhhhh... ich denke für Frauen ist es nicht einfach mit kurzen Haaren gut auszusehen. Was ich mag bei Frauen sind total abrasierte Haare! Das schon.. aber wenn der Schnitt zu burschikos ist, dann ist es schwer.

WOMAN: Achtest du auf der Straße z.B. beim Einkaufen auf die Haare anderer Menschen?
Charlie Le Mindu: Ja, manchmal denke ich mir „Oh mein Gott, warum macht der das nur mit seinen Haaren?? “ Wobei ich wirklich über niemanden urteilen möchte – das hasse ich auch an Paris. Dort urteilen die Leute ständig über andere, so dass ich nur noch mit meinen Kopfhörern und lauter Musik durch die Straßen gehen kann... In London gefällt mir, dass die Leute zu einem hin kommen und sagen „Hey, du gefällst mir – ich mag deinen Style! “ Deswegen bin ich vor drei Tagen in der U-Bahn in Paris auch zu einer dunkelhäutigen, dicken Frau hin und sagte: „Hey, ich liebe deine Klamotten und dein Styling, wirklich!! “ Sie trug so bunte, traditionell-afrikanische Kleidung. Und sie hat sich total gefreut über mein Kompliment – wir haben uns dann noch länger unterhalten!

Wer mehr erfahren möchte über Charlie Le Mindu kann seine Seite besuchen www.charlielemindu.com und sich das Video seiner Kollektions-Präsentation in Paris ansehen (wirklich beeindruckend):