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Chefinnen bringen die besseren Ergebnisse - und werden immer noch unterschätzt

Zwar beweisen mittlerweile mehrere Studien, dass Frauen ihre Teams zu besseren Leistungen und damit auch wirtschaftlichen Erfolgen führen, aber dennoch werden diese von Männern weniger anerkannt.

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Frauen als Chefinnen erfolgreicher
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Im Spitzenmanagement sind sie ohnehin nur in homöopathischen Dosen zu finden, aber im Gegensatz zur fragwürdigen Alternativmedizin wirken sie tatsächlich: Frauen. Denn wie nun ein Forschungsteam in Italien herausgefunden hat, führen Frauen ihre Teams zu besseren Leistungen - aber die Anerkennung dafür bleibt meistens aus.

An der Studie nahmen 430 Studierende der Universität Kalabrien teil, die einen Teil einer Prüfung als Teamarbeit absolvieren sollten. Sie wurden in Dreier-Gruppen zusammengefasst und die Teamführung per Zufall ausgelost. Danach wurde untersucht, wie gut die Teams bei der Benotung abschnitten und ob das Geschlecht der Teamführung dabei eine Rolle spielte.

Dabei konnte man statistisch nachweisen, dass die von Frauen geführten Teams eindeutig bessere Abschlussnoten erzielen konnten. Denn die Frauen schienen ihre Aufgabe als Leitung ernster zu nehmen und engagierten sich sowohl vom Zeitaufwand mehr als die männlichen Teamleiter, als auch in der Betreuung und Motivation ihres Teams - weswegen bisweilen sogar ihr eigenes Lernpensum litt.

Vor allem Frauen schienen von weiblicher Führung zu profitieren, konnten ihr volles Potenzial entfalten und bessere Benotung erzielen. Die männlichen Teilnehmer hingegen sahen die weiblichen Führungen dennoch kritisch und bewerteten diese tendenziell schlechter als jene der männlichen Teamleitungen.

Vincenzo Scoppa, Professor der Ökonomie an der Universität Kalabrien, der die Studie mit Maria De Paola sowie Francesca Gioia von der Universität Mailand durchgeführt hat, bewertet das folgendermaßen: "Männer scheinen immer noch Vorbehalte gegen eine weibliche Führung zu haben, obwohl – oder vielleicht sogar weil – diese sich als besonders effektiv erweisen kann."

Denn die Studie ist kein Einzelfall - auch andere Untersuchungen weisen ähnliche Ergebnisse auf, genauso wie in der realen Welt: So analysierte die Unternehmensberatung McKinsey über 1000 Firmen aus zwölf Ländern und wies nach, dass die Wahrscheinlichkeit wirtschaftlich besonders erfolgreich zu sein um ein sattes Fünftel höher ist, wenn es viele Frauen in hohen Führungspositionen gibt.

Aber all das reicht scheinbar immer noch nicht, um tatsächlich die berüchtigte gläserne Decke zu durchbrechen und mehr Frauen in den Chefsessel zu setzen. Was bedauerlicherweise auch mit dem weiblichen Selbstbewusstsein zusammenhängen kann. Denn die Studie wies ebenso auf, dass die Teamleiterinnen zwar nachgewiesen bessere Ergebnisse hatten, aber dennoch mit sich selbst nicht zufrieden waren. Ganz im Gegensatz zu den männlichen Teamleitern, die eher dazu neigten, ihre Leistung zu überschätzen. Die weibliche Leistung wird also sowohl von Männern als auch von den Frauen selbst unterschätzt. Da verwundern die folgenden Zahlen leider wenig: Aktuell haben in Deutschland beispielsweise die 160 größten börsennotierten Firmen 697 Vorstandsmitglieder. Darunter gibt es 60 Männer mit dem Vornamen Thomas oder Michael. Und nur 56 Frauen.

Frauen als Chefinnen erfolgreicher